Tuchel vs Conte:Rot für zwei wütende Trainer

Lesezeit: 3 min

Tuchel vs Conte: Schau mir in die Augen: Chelsea-Coach Thomas Tuchel (links) und Tottenham-Trainer Antonio Conte kommen sich nach dem Schlusspfiff ganz nah.

Schau mir in die Augen: Chelsea-Coach Thomas Tuchel (links) und Tottenham-Trainer Antonio Conte kommen sich nach dem Schlusspfiff ganz nah.

(Foto: Glyn Kirk/AFP)

Chelsea-Coach Thomas Tuchel ärgert sich beim 2:2 gegen Tottenham über den Schiedsrichter, legt sich mit seinem Kollegen Antonio Conte an - bis die Situation nach dem Schlusspfiff eskaliert.

Von David Kulessa

"Ich bin der glücklichste Trainer auf Erden", sagte Thomas Tuchel, und es war diese Aussage des Chelsea-Trainers, die nach dem Heimspiel gegen Stadtrivale Tottenham Hotspurs am meisten überraschte. Schließlich machte der 48-Jährige direkt nach Schlusspfiff eher den Eindruck, sehr, sehr wütend zu sein. Und so sehr er versuchte, diesen Anschein am Sky-Mikrofon zu widerlegen, es wollte ihm nicht ganz gelingen.

"Beide Gegentore dürfen nicht zählen", ärgerte er sich vor allem über die Leistung des Schiedsrichterteams - und hatte Recht damit, beim ersten Treffer der Spurs sogar doppelt. Denn nicht nur, dass Kai Havertz eine knappe Minute vor dem Tor des Ex-Münchners Pierre Emile Højbjerg (68.) gefoult wurde. Hinzu kam auch, dass Spurs-Angreifer Richarlison Chelsea-Keeper Mendy aus einer Abseitsposition heraus die Sicht auf den Ball versperrte. Zumindest Letzteres hätte Schiedsrichter Anthony Taylor nach Studium der Videobilder erkennen und das Tor zurücknehmen müssen; er sah sich die Szene nicht einmal an.

"Und seit wann darf man auf dem Fußballfeld eigentlich an Haaren ziehen?", fragte Tuchel mit Blick auf das Kopfballtor Harry Kanes in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Dieses fiel in Folge einer Ecke, die es nicht hätte geben dürfen. Cristian Romero, der aufgerückte Innenverteidiger der Spurs, hatte Marc Cucurella beim vorangegangenen Eckball an den Haaren zu Boden gezogen. Die Überflüssigkeit dieser Aktion macht sie nicht weniger strafbar, Taylor aber entschied auf Eckball für Tottenham.

Erst jubelt Conte in Richtung der Chelsea-Bank, dann revanchiert sich Tuchel

Obwohl zur ganzen Wahrheit gehört, dass beim ersten Gegentreffer Chelseas Kapitän Jorginho den Ball leichtsinnig im eigenen Strafraum herschenkte und Harry Kane bei seinem Tor etwa vier Meter vor dem Tor sträflich freigelassen wurde, zeigte sich Tuchel mit der Leistung seiner Mannschaft hochzufrieden ("Wir waren absolut brillant"). Tatsächlich dominierte Chelsea das Spiel über weite Strecken und kam insbesondere in der zweiten Hälfte zu sehr guten Torchancen, aber nicht nur Kai Havertz in der 75. Minute ging leichtfertig mit ihnen um.

Das 1:0 erzielte Innenverteidiger Kalidou Koulibaly per technisch anspruchsvoller Direktabnahme nach Ecke von Cucurella (19.). Beide Zugänge, für insgesamt mehr als 100 Millionen Euro aus Neapel und Brighton verpflichtet, überzeugten bei ihrem ersten Heimspiel an der Stamford Bridge. Raheem Sterling, für den Chelsea rund 56 Millionen Euro nach Manchester überwiesen hat, tat sich etwas schwer in der Rolle des vordersten Angreifers, bereitete aber zumindest das 2:1 von Reece James vor (77.). Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Højbjerg stellte den Spielverlauf dagegen eher auf den Kopf.

Tuchel vs Conte: Stattliche Rudelbildung: Mehrere Mitglieder der Betreuerstäbe sind nötig, um Thomas Tuchel (blaue Mütze) und seinen Kollegen Conte auseinander zu halten.

Stattliche Rudelbildung: Mehrere Mitglieder der Betreuerstäbe sind nötig, um Thomas Tuchel (blaue Mütze) und seinen Kollegen Conte auseinander zu halten.

(Foto: Ian Walton/AP)

Dieser Zustand, gemischt mit den Zweifeln an der Regularität des Treffers, ließen Tuchel und seinen Kollegen Antonio Conte aneinander geraten. Conte, der sehr deutlich in Richtung der gegnerischen Bank jubelte, hatte kurz darauf einen sichtlich aufgebrachten Chelsea-Coach vor der Nase. Eine Eskalation der Situation konnte durch das Eingreifen aufmerksamer Mitglieder der beiden Trainerstäbe verhindert werden, zumindest vorerst.

Tuchel revanchierte sich beim erneuten Führungstreffer seiner Mannschaft mit einem beherzten Sturmlauf an der Bank der Spurs vorbei, was Conte in der Nacht bei Instagram mit den Worten kommentierte: "Zum Glück habe ich dich nicht gesehen. Dir ein Bein zu stellen, wäre wohlverdient gewesen." Nach Spielende kam es dann tatsächlich zu Handgreiflichkeiten: Weil Conte Tuchel den Wunsch nach Augenkontakt beim Händeschütteln verwehrte, ließ dieser die Hand des Italieners nicht los. Es folgten Szenen, die es selten zu sehen gibt, mit gegenseitigen Beschimpfungen und der abschließenden Entscheidung des hilflos wirkenden Referees, beiden Trainern zum Abschied die rote Karte zu zeigen.

"Noch eine schlechte Entscheidung des Schiedsrichters", urteilte Tuchel später. "Keiner wurde beleidigt, wir hatten keinen Faustkampf. Das ist für mich keine große Sache, es war Teil dieses Spiels. Mir hat es Spaß gemacht, ihm glaube ich auch. Es war nichts Schlimmes". Kontrahent Conte hatte einen anderen Vorschlag für die Zukunft: "Er bleibt auf seiner Bank, ich bleibe auf meiner Bank. Und es gibt kein Problem."

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