Premier League:Vereint in der Abneigung gegen den Chef

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Mandatory Credit: Photo by Simon Dael/Shutterstock (12548148n) Crystal Palace fans hold a banner protesting against the; Newcastle United, Crystal Palace, Fans

Nicht nur viele Premier-League-Klubs kritisieren den Einstieg der saudischen Investoren bei Newcastle United - auch die Fans von Crystal Palace.

(Foto: Simon Dael/Shutterstock/imago)

Die Klubs der Premier League drängen den Liga-Vorsitzenden Gary Hoffman erfolgreich zum Rückzug - auch wegen der Übernahme Newcastles durch saudi-arabische Investoren. Doch undurchsichtige Finanzmanöver der Vereine gibt es weiterhin.

Von Sven Haist, London

Immerhin kann Gary Hoffman, der Vorsitzende der Premier League, für sich beanspruchen, die nahezu chronisch gespaltenen Klubs der höchsten englischen Fußballklasse für kurze Zeit vereint zu haben - zumindest in der Auseinandersetzung um seine Person. Allerdings geht diese Übereinstimmung zu seinen Lasten, denn die Vereine haben seit Wochen vehement auf Hoffmans Rückzug gedrängt.

Nun gab die Liga bekannt, dass Hoffman, 61, die Stelle freiwillig Ende Januar räumen wird. Um das in den Hinterzimmern vorangetriebene Misstrauen einigermaßen erträglich darzustellen, durfte Hoffman in der Pressemitteilung sein Aus nach anderthalb Jahren als "persönlichen Entschluss" bezeichnen. Seine nicht-exekutive Position soll zunächst Liga-Geschäftsführer Richard Masters in Doppelfunktion übernehmen - so, wie das bis vor drei Jahren der mächtige, angesehene Ligaboss Richard Scudamore praktiziert hatte, der für die Klubs reichlich Geld generierte und die internationale Expansion der Premier League maßgeblich vorantrieb.

Gary Hoffman

Von den Klubs zum Rückzug gedrängt: der bisherige Premier-League-Vorsitzende Gary Hoffman.

(Foto: -/dpa)

In die Amtszeit des in der Finanzbranche respektierten Bankers Hoffman fielen hingegen neben den Widrigkeiten der Corona-Pandemie vor allem Intrigen der Spitzenvereine. Über das Projekt "Big Picture" und die im April angepeilte Gründung einer europäischen Superliga wollten sich die englischen Großklubs jeweils Macht sichern. Bei diesen Vorhaben, die auf Kosten der Hinterbänkler der Premier League gegangen wären, ließ Hoffman aus deren Sicht bereits notwendige Autorität vermissen. Endgültig zum Verhängnis wurde ihm dann im Oktober offenbar die Kommunikation rund um den Einstieg eines vom saudischen Staatsfonds angeführten Investorenkonsortiums beim Abstiegskandidaten Newcastle United. Über die Abwicklung dieses umstrittenen Deals erfuhren die anderen Vereine erst aus den Medien, heißt es, wobei die Liga in der Angelegenheit offiziell auf Vertraulichkeit verweist.

Die Finanzregeln der Liga bieten vielerlei Auswege und Schlupflöcher

Auf jeden Fall hat die Empörung über den neuen ölreichen Mitspieler vom Persischen Golf, dessen auf eine halbe Billion Euro taxierter Reichtum alle Vermögenswerte der anderen Liga-Klubeigentümer in den Schatten stellt, die Premier League in Aufruhr versetzt. Die Furcht der Konkurrenz vor dem hochambitionierten Newcastle deckt einen Teil der unzähligen Strömungen, Koalitionen und Ressentiments auf, die Englands Fußballbetrieb seit Jahren umtreiben. Aus dem Affekt heraus verabschiedeten die Klubs nach der Übernahme von Newcastle eine für vier Wochen gültige Verordnung, wonach alle Vereine keine Sponsorenverträge mehr mit Firmen aus dem Geschäftsportfolio der Klubbesitzer ("related party transactions") abschließen dürfen. So will man Newcastle daran hindern, mit saudischen Staatsunternehmen realitätsfern hoch dotierte Sponsoring-Abmachungen zu treffen.

Die Miteigentümerin Amanda Staveley, die bei Newcastle United die Geschäfte führt, gab kürzlich zu, die Vereinbarung sei ein "Schock" und ein "großer Schlag" gewesen, aber sie hoffe, die Richtlinie werde "so schnell wie möglich" wieder aufgehoben. Das Moratorium läuft planmäßig in diesem Monat aus.

Über eine Fortsetzung der Regelung berät jedoch eine Arbeitsgruppe mit Vereinsvertretern (darunter auch Staveley). Nach derzeitigem Stand wird den 20 Klubs der Liga die Idee zur Abstimmung vorgeschlagen (eine Zweidrittel-Mehrheit ist erforderlich), dass künftig jeder umfangreiche Sponsorendeal vorab durch den Ligavorstand und weitere unabhängige Gutachter genehmigt werden muss. So soll wohl überprüft werden, inwieweit es sich beim Vertragspartner der Vereine um eine mit den Klubeignern verbandelte Firma handelt - und vor allem, ob die aufgeführten Beträge einem fairen Marktwert entsprechen. Eine Umsetzung dieses Plans würde der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Liga-Vorsitzenden Hoffman eine noch größere Bedeutung geben.

Wohin dieser schon jetzt an Auswegen und Schlupflöchern kaum mehr zu überblickende Finanz-Irrgarten bald führen könnte, hat gerade Manchester City angedeutet. Der Meister schloss eine mindestens kuriose Kooperation mit 3Key ab, einem mysteriösen Start-up für digitale Währungen, das City dieser Tage als "offiziellen regionalen Partner für dezentrale Finanzhandelsanalyse" vorstellte. In einer Mitteilung ließ der vermeintliche 3Key-Gründer Oliver Chen verlauten, seine Firma werde "in den kommenden Monaten" ein Produkt auf den Markt bringen - und die Zusammenarbeit mit City belaufe sich auf einen Bereich außerhalb Englands. Weder Chen noch der auf der Klubseite zitierte Marketingchef Ryan S. Hodder sowie weitere drei Personen, die 3Key in einem separaten Statement benannte, lassen sich bislang jedoch ausfindig machen.

Der renommierte Autor Martin Calladine, der ein Buch über Fußball und Kryptowährungen geschrieben hat, teilte mit, die ursprüngliche 3Key-Webseite sei in Mandarin verfasst worden - eine mögliche Spur nach China also. Das würde allerdings der Darstellung des Firmenchefs Chen widersprechen, der angab, das Unternehmen im September 2020 auf den Seychellen gegründet zu haben.

Am Donnerstag ließ Calladine verlauten, mit dem "angeblichen Eigentümer von 3Key" jetzt in Verbindung gebracht worden zu sein und nun "nach Beweisen für die Existenz des Unternehmens und seiner Mitarbeiter" zu suchen. Passend dazu hat Manchester City trotz mehrerer Anfragen bislang auf eine Stellungnahme zur Sache verzichtet.

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