Premier LeaguePlötzlich spielt Arsenal fragil und verunsichert

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So haben sich das die Spieler des FC Arsenal (in der Mitte Martin Zubimendi) gegen Bournemouth nicht vorgestellt.
So haben sich das die Spieler des FC Arsenal (in der Mitte Martin Zubimendi) gegen Bournemouth nicht vorgestellt. Dave Shopland/AP
  • Arsenal verliert überraschend 1:2 gegen Bournemouth im eigenen Stadion und zeigt dabei eine mental fragile Leistung mit vielen Fehlern.
  • Manchester City hat durch Arsenals Niederlage den Titel wieder in eigener Hand und könnte bei drei Siegen gleichziehen.
  • Trainer Arteta bezeichnet die Niederlage als "heftigen Schlag ins Gesicht" wenige Tage vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Sporting Lissabon.
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Der englische Tabellenführer hat das Halbfinale der Champions League vor Augen – verliert aber in der Liga gegen Bournemouth. Der Trainer gibt zu: „Das ist ein heftiger Schlag ins Gesicht.“

Von Sven Haist, London

Die Anhänger des AFC Bournemouth glaubten, eine Schwäche des FC Arsenal ausgemacht zu haben. „Second again, olé, olé“, skandierten sie mit süffisanter Beharrlichkeit. Wieder nur Zweiter. Der Spott zielte auf das unermessliche Verlangen der Londoner, nach 22 Jahren endlich wieder die englische Meisterschaft zu gewinnen. In den vergangenen drei Spielzeiten hatte die Mannschaft von Trainer Mikel Arteta jeweils den zweiten Platz belegt – trotz teils zwischenzeitlicher Tabellenführungen gegen Saisonende –, woraufhin man den Gunners auf der Insel eine Nervenschwäche unterstellte. Auf eine solche hofft in dieser Saison der einzige verbliebene Verfolger Manchester City, um den Tabellenführer aus London noch abzufangen.

In dieser Hinsicht dürfte Arsenals Ligaspiel gegen Bournemouth am Samstag der Konkurrenz neue Zuversicht verliehen haben. Die Gunners verloren nach zuletzt vier Ligasiegen in Serie im eigenen Stadion überraschend 1:2 – und boten dabei wenige Tage vor dem Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Sporting Lissabon eine Darbietung, die an mentaler Fragilität kaum zu überbieten war. Dies zeichnete sich früh ab, als Bournemouths Junior Kroupi die Gäste in der 17. Minute nach einer abgefälschten Flanke in Führung brachte. Die Heimanhänger verstummten, die Gesänge aus dem Gästeblock waren umso deutlicher zu hören.

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Obwohl Arsenal kurz darauf durch einen Handelfmeter von Viktor Gyökeres (35.) ausglich, gelang es der Heimelf nicht, zwingende Torchancen zu kreieren. Als Problem erwies sich, dass die eigene Überlegenheit bei Standards nachlässt. Die Konkurrenten haben sich im Verlauf der Saison auf Arsenals Varianten besser eingestellt. Gegen Bournemouth führten nur wenige der zehn Ecken zu Gefahr – ein direktes Tor resultierte daraus nicht, wie schon im vergangenen Heimspiel gegen Everton (acht Ecken).

Manchester City hatte am Samstag neun Punkte Rückstand, allerdings zwei Partien weniger absolviert

Stattdessen häuften sich leichte Ballverluste, technische Missgeschicke, ungenau ausgeführte Standards – darunter ein beinahe folgenschwerer Fehler des eigentlich spielstarken Torhüters David Raya. In der 56. Minute wollte er nach einem Rückpass den Ball mit dem Außenrist zu einem Mitspieler weiterleiten, rutschte jedoch ab. Der Ball flog auf den gegnerischen Angreifer Evanilson zu, der aber nicht rechtzeitig reagieren konnte und ihn nur ins Toraus abfälschte. Trainer Arteta konstatierte ernüchtert, es habe „einige ganz grundlegende Dinge“ gegeben, die sein Team „extrem schlecht gemacht“ habe.

Die erneute Führung für Bournemouth erzielte Alex Scott, als er nach Zuspiel von Evanilson aus dem Mittelfeld durchbrach und freistehend aus elf Metern das 2:1 (74.) markierte. Das Ergebnis war angemessen, weil Arsenal insbesondere in der zweiten Halbzeit hektisch und unüberlegt agierte. Die Spieler schienen sich von der unruhigen Atmosphäre leiten zu lassen. Die Anhänger versuchten, die eigene Elf nach vorn zu treiben, ließen dabei allerdings Geduld vermissen. Ihr Aufbegehren, sobald der Ball nicht direkt nach vorn gespielt wurde, schien die Spieler zusätzlich zu verunsichern. So kam Arsenal die Souveränität abhanden; die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden zu groß, sodass ein gepflegtes Kombinationsspiel kaum mehr möglich war.

Auch ein Dreifachwechsel in der 54. Minute, der zu diesem frühen Zeitpunkt nicht zwingend notwendig erschien, entfaltete nicht die gewünschte Wirkung. Damit beraubte sich Arteta der Möglichkeit, später gezielt nachlegen zu können. Am Seitenrand schlug er nach misslungenen Szenen immer wieder die Hände vors Gesicht; er litt sichtbar mit seinen Spielern. „Das ist ein heftiger Schlag ins Gesicht“, gab Arteta zu: „Jetzt kommt es darauf an, wie wir reagieren.“

Profiteur der Niederlage: Manchester City. Das Team von Trainer Pep Guardiola hatte am Samstag zwar weiter neun Punkte Rückstand auf die Londoner. Es könnte jedoch mit Siegen im Auswärtsspiel beim FC Chelsea am Sonntag, im direkten Duell mit Arsenal am folgenden Spieltag sowie in der Nachholpartie gegen Crystal Palace gleichziehen. Dann käme das Torverhältnis ins Spiel, bei dem die Gunners derzeit noch leicht im Vorteil sind. Immerhin können die Fans des FC Arsenal der Konkurrenz zurufen, dass sie vorerst weiterhin Erster sind.

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