bedeckt München 20°

Präsidentschaftskandidat Reinhard Grindel:Grindel ist nicht unumstritten

Unabhängig von den Überlegungen der Liga ist es durchaus erstaunlich, dass die Amateure ausgerechnet in Grindel ihren Vertreter sehen. Denn anders als viele seiner Kollegen, die am Dienstag in Hannover um ihn herumsaßen, ist der 54-Jährige noch nicht lange in den Fußballgremien aktiv. Zunächst war er Journalist, zuletzt Studioleiter fürs ZDF in Berlin und Brüssel. Als CDU-nah galt er schon damals, bereits mit 16 Jahren war er in die Union eingetreten. 2002 wechselte er die Seiten und zog erstmals in den Bundestag ein.

Sein erstes richtiges Amt im Fußball übernahm der Rotenburger im Jahr 2011 als Vizepräsident des Niedersächsischen Verbandes, schon 2013 stieg er zum Schatzmeister des DFB auf. Seine Kür zum Favoriten der Amateure hat wohl auch damit zu tun, dass es keine richtige Alternative gibt. Und dass mancher Landesfürst hofft, Grindels politischer Hintergrund könnte beim Lösen der WM-Affäre noch von Nutzen sein.

Grindel will alles im Griff haben

Der CDU-Mann ist aber, vorsichtig formuliert, eine nicht unumstrittene Person. Weggefährten sowohl aus seiner journalistischen als auch aus seiner parlamentarischen Zeit beschreiben ihn als karriereorientierten Machtmenschen. Grindel gilt als jemand, der griffig formulieren kann, der aber gerne alles im Griff haben will und schnell fordernd bis aufbrausend wird.

Fußball-WM 2006 WM-Affäre: Auch Mayer-Vorfelder soll vom Warner-Deal gewusst haben
WM-Affäre

WM-Affäre: Auch Mayer-Vorfelder soll vom Warner-Deal gewusst haben

Beckenbauer will reden - aber erst mit der neuen DFB-Spitze und dann mit den internen Ermittlern.

Während seiner Abgeordnetenzeit gab es manch poltrigen Auftritt. Zu Beginn erwarb er sich als CDU-Innenexperte einen Ruf, den der Begriff "Hardliner" durchaus trifft. Im vergangenen Wahlkampf beschwerte er sich beim NDR-Intendanten Lutz Marmor über einen Beitrag, der seinen sozialdemokratischen Wahlkreis-Gegner in den Mittelpunkt gerückt hatte. Und seit 2013 gibt es einen gravierenden Interessenskonflikt: Da stieg er nahezu zeitgleich zum DFB-Schatzmeister und zum sportpolitischen Frontmann der Union auf - für viele eine unhaltbare Konstellation. Allerdings half er auch, das Anti-Doping-Gesetz in seiner Fraktion durchzusetzen.

Zuletzt tauchte gar ein von den DFB-Verantwortlichen Wolfgang Niersbach und Helmut Sandrock unterzeichneter Brief auf, in dem es heißt: "Zwischen den Unterzeichnern und Reinhard Grindel ist zudem vereinbart, dass er zukünftig parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen wird, sondern sich vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden wird." Es wäre heikel, wenn ein Sportverband einem Abgeordneten die Arbeitsfelder diktiert. Grindel bestreitet strikt, dass es eine derartige Vereinbarung gibt.

Aber nicht nur wegen dieser Geschichte diskutiert die Fußball-Republik nun zunehmend aufgeregt, ob Reinhard Grindel wirklich der Mann ist, der den DFB aus der schwersten Krise seiner Geschichte führen kann.

Fußball-WM 2006 DFB bangt: Wer, was, wann?
Analyse

Affäre um WM-Vergabe 2006

DFB bangt: Wer, was, wann?

Niemand weiß, was bei der Affäre um die WM 2006 noch alles auftaucht. Nun kümmert sich auch die Schweizer Bundesanwaltschaft um die Vorgänge.   Von Johannes Aumüller, Thomas Kistner, Hans Leyendecker und Klaus Ott