bedeckt München 13°

Politik im Sport:Ein Eignungstest "unter der Leitung von Trainer Boateng"

Der Nichtparlamentarier Gerd Wagner, der das Projekt "Am Ball bleiben - Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung" leitete, bis das Bundesfamilienministerium 2009 die Finanzierung nicht verlängerte, sagt, er hätte ein Problem damit, mit Rechtspopulisten in einem Team zu spielen. Aber er verfolgt die Debatte um den FC Bundestag mit großem Interesse - allein schon, weil die Frage des Umgangs mit den Rechten im Fußball, die den Bundestag erreicht habe, immer dringlicher geworden ist. Die Anfragen häufen sich, wie man etwa auf rechte Jugendbetreuer in Klubs reagieren könne.

Wie sehr die Frage gärt, zeigt aktuell auch der Fall von Peter Fischer, dem Präsidenten des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Der wurde von der AfD angezeigt, nachdem er im Hessischen Rundfunk mit Blick auf die AfD gesagt hatte, dass es "keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben wird", solange er dort Präsident sei. Der CDU-Politiker Weinberg sagt, er sei "sehr positiv überrascht", dass ein Präsident "so klar Stellung gegen rechte Gesinnung bezieht." Es sei aber "natürlich problematisch, kollektiv Wähler und Mitglieder einer bestimmten Partei zu bewerten und damit aus dem Vereinsleben auszuschließen."

Denn über allem schwebt die Furcht, der AfD Steilvorlagen zu liefern, sich als Opfer zu stilisieren. "Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, Projekte und Spiele anzuschieben, die von den AfDlern das Bekenntnis abverlangen, die Werte zu leben, die der FC Bundestag propagiert. Zum Beispiel durch Spiele gegen Flüchtlinge". Oder, wie der Grünen-Abgeordnete Dieter Janecek im Deutschlandfunk vorschlug, den FC Bundestag für ein Foto hinter einem Banner zu vereinigen, auf dem steht: "Für Flüchtlingshilfe und gegen Rassismus".

Der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi trug der SZ eine andere Idee vor. Eingedenk des Zitats von AfD-Bundessprecher Alexander Gauland aus der FAS von 2016 über den deutschen Nationalverteidiger Jérôme Boateng ("Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben"), schlägt De Masi einen "fußballerischen Eignungstest" vor: "Unter der Leitung von Trainer Boateng."

© SZ vom 05.01.2018/tbr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite