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Pokal-Aus beim Viertligisten:Ach, HSV

FC Carl Zeiss Jena - Hamburger SV

Blamiert in Jena: Hamburgs Ivo Iličević.

(Foto: dpa)
  • Eine Frau findet die Gehaltslisten des Hamburger SV stapelweise in einem Park - und gibt sie an den Klub zurück.
  • Nach dem Pokal-Aus beim Viertligisten Jena ist es für den Erstligisten die zweite peinliche Panne binnen weniger Stunden.
  • In Jena verliert der HSV nach Verlängerung verdient 2:3.

Die brisanten Dokumente lagen im Jenischpark verstreut, nahe der Elbe, wo tagsüber Tausende Hamburger flanieren oder mit dem Fahrrad vorbeiradeln. Pikantes war darunter, etwa Gehaltslisten mit Prämienzahlungen und Vertragsdetails, von niemand anderen als den Spielern des prominentesten Fußballklubs der Stadt.

Eine Altenpflegerin, 38, hatte die Dokumente gefunden - stapelweise, wie es heißt - und sich über einige Umwege beim Hamburger SV gemeldet. Dem Klub war die Sache sehr peinlich, die Pressestelle twitterte am Montagmorgen:

Peinlich, ja. Wäre es nur bei dieser Geschichte geblieben. Doch peinlich war auch der Auftritt des HSV wenige Stunden zuvor im DFB-Pokal beim Viertligisten Carl Zeiss Jena, wo der Klub nach Verlängerung 2:3 verlor. "Fühlt sich scheiße an", gab Trainer Bruno Labbadia nach der Erstrundenniederlage zu. Er redete, immerhin, seine Spieler verschwanden wortlos in der Kabine. Nach hoffnungsvoller Saisonvorbereitung ist die zuvor gute Stimmung nach dem ersten Pflichtspiel schon wieder dahin.

Zwei Glückstore gegen Jena

Die Art und Weise der Niederlage lässt erahnen, wie schwer es der HSV in nur fünf Tagen beim Ligastart in der Münchner Arena haben dürfte. Der Fast-Absteiger der vergangenen Spielzeit wurde vom Viertligisten vorgeführt - beide Tore der Hamburger waren zudem reine Glücksprodukte. Vor dem ersten Treffer durch Ivica Olić stand Ivo Iličević bei seiner Flanke einen halben Meter im Toraus, was das Schiedsrichtergespann übersah. Der Ausgleich fiel in der vierten Minute der Nachspielzeit, was dem HSV noch den Gang in die Verlängerung ermöglichte - dort köpfte Johannes Pieles den Erstligisten in der 106. Minute hochverdient aus dem Wettbewerb.

"Jena hat über 120 Minuten leidenschaftlicher gekämpft, sie haben in ihrem Rahmen viele Dinge besser gemacht als wir. Das ist eine große Enttäuschung für uns", bekannte Labbadia. "Neue Saison, alter Folter-Fußball", analysierte die Hamburger Mopo scharfsinnig.

"Fußball-Panne des Jahres"

Für den Montag wurden die Profis für zehn Uhr zu einem Straftraining einbestellt. Es gibt einiges aufzuarbeiten. Übrigens auch, was die herumliegenden Gehaltslisten im Jenischpark angeht: Sportdirektor Peter Knäbel berichtete, ihm sei ein Rucksack gestohlen worden, samt Kreditkarten, Führerschein, Schlüsselbund und jenen vertraulichen Dokumenten. Diese waren "alle älteren Datums, deswegen habe ich sie aktuell nicht vermisst", ließ Knäbel verlauten. Warum er das Fehlen der anderen wichtigen Dinge nicht bemerkt hat, ist eine durchaus interessante Frage.

Noch besser: Laut Bild soll die ehrliche Finderin mehrmals versucht haben, Knäbel zu kontaktieren, dessen Privatadresse auf den Dokumenten stand, diese war jedoch veraltet. Auf der HSV-Geschäftsstelle, an die sie sich später wendete, soll man ihr zunächst nicht geglaubt haben. Das Boulevardblatt spricht schon jetzt von der "Fußball-Panne des Jahres".

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Immerhin glaubt der Verein trotz des Unglücks weiter an seinen Sportchef: "Peter Knäbel genießt das Vertrauen der HSV Fußball AG und wird seine Funktion als Direktor Profifußball weiter ausüben", teilte man am Montagabend mit - und weiter: "Peter Knäbel hat bekanntermaßen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Zum laufenden Verfahren werden wir keine weiteren Auskünfte erteilen", teilte der HSV mit. Der Vorstand der Fußball AG um den Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer werde "eine unabhängige Aufklärung der Vorgänge beauftragen".