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Rassismus gegen Paul Pogba:"Wenn ihr ihn angreift, greift ihr uns alle an"

Wolverhampton Wanderers - Manchester United

Paul Pogba nach dem vergebenen Elfmeter gegen die Wolverhampton Wanderers.

(Foto: dpa)
  • Paul Pogba von Manchester United wird in den sozialen Netzwerken rassistisch beleidigt, nachdem er einen Elfmeter gegen die Wolverhampton Wanderers verschossen hat.
  • Seine Mitspieler und sein Klub verteidigen ihn daraufhin leidenschaftlich.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass ein schwarzer Profi im englischen Fußball Ziel solcher Attacken ist.

Paul Pogba kommt im englischen Fußball eine besondere Rolle zu. Er ist der prominenteste Spieler von Manchester United, dem englischen Rekordmeister und - obwohl der Glanz zuletzt etwas verblasste - immer noch beliebtesten Klub auf der Insel. Seit seinem Wechsel 2016 für 105 Millionen Euro ist der 26-Jährige der Rekord-Transfer seines Vereins. Paul Pogba ist schwarz, seine Eltern stammen aus Guinea, seine beiden Zwillingsbrüder sind dort geboren, sie spielen für die guineische Nationalmannschaft. Pogba selbst läuft für Frankreich auf.

Im Sport - so lautet das Wunschdenken - spielen Hautfarbe und Herkunft keine Rolle. Alle sind gleich, das Talent ist der alleinige Unterscheidungsfaktor. Deswegen wird dem Sport eine so starke integrative Kraft nachgesagt. Diese Maxime von der Gleicheit aller versuchten am Montagabend einige rassistische Trolle in den sozialen Medien außer Kraft zu setzen. Nachdem Pogba im Premier-League-Spiel gegen die Wolverhampton Wanderers einen Elfmeter vergeben hatte, schlug ihm blanker Hass entgegen. Hätte der Weltmeister in der 68. Minute beim Stand von 1:1 nicht Wolverhamptons Schlussmann getroffen, sondern ins Tor, der Beleidigungs-Schwall der Trolle wäre vermutlich für dieses Mal ausgeblieben.

Doch Pogba traf nicht. Und so strömten auf Twitter und Instagram zahlreiche rassistische Beleidigungen auf ihn ein. Er wurde als "Gorilla" bezeichnet, das "N-Wort" fiel mehrfach, begleitet von weiteren Beschimpfungen. Pogba wurde gar der Tod angedroht.

"Stoppt diese armseligen Trolle", fordert Mitspieler Harry Maguire

Manchester United reagierte prompt, verdammte die Schmähungen als "widerlich". Jeder im Klub sei angeekelt von den rassistischen Beleidigungen. "Wir verurteilen sie aufs Schärfste", schrieb der Verein in einer Mitteilung: "Die Personen, die diese Ansichten geäußert haben, repräsentieren nicht die Werte des Klubs und es ist ermutigend zu sehen, dass die große Mehrheit unserer Fans dieses Verhalten in den sozialen Medien verurteilt."

Manchester United kündigte den Verfassern der Kommentare Konsequenzen an, sofern man sie identifizieren könne. Zudem rief der Klub die Social-Media-Unternehmen dazu auf, etwas gegen die Beleidigungen zu unternehmen. Pogbas Mitspieler Harry Maguire nahm die Vorlage auf. Der Verteidiger forderte, jeder Account solle per Pass oder Führerschein verifiziert werden müssen. "Stoppt diese armseligen Trolle, die mehrere Accounts anlegen, um Leute zu beleidigen", schrieb der 26-Jährige.

Sein Mitspieler Marcus Rashford schloss sich als zweiter United-Spieler den Forderungen an. Paul Pogba sei ein großer Teil der Manchester-United-Familie. Der Stürmer begriff die Hass-Tiraden als das, was sie sind: eine Attacke auf die Gesellschaft. Er antwortete den Trollen: "Wenn ihr ihn angreift, greift ihr uns alle an." Phil Neville, Trainer der englischen Fußballerinnen, dachte öffentlich über einen sechsmonatigen Social-Media-Boykott seitens der Fußball-Community nach - um dann zu schauen, welchen Effekt dies auf Social-Media-Unternehmen habe.