Podolski bei Inter Mailand Komplizierte Beziehung zu Wenger

Vielleicht war Podolski auch einfach nur glücklich, das Abenteuer FC Arsenal vorerst beendet zu haben. An Neujahr hatte es sich der Stürmer in London zuletzt auch noch mit der Boulevardpresse verscherzt, den Daily Mirror via Twitter der Lüge bezichtigt, weil behauptet worden war, Podolski habe am Tag vor dem Spiel gegen den FC Southampton, für das er nicht berücksichtigt wurde, wutentbrannt den Trainingsplatz verlassen. Dabei habe er, erklärte Podolski, den Platz den ganzen Tag überhaupt nicht betreten, sondern war von Physiotherapeuten behandelt worden.

Seine Beziehung zu Trainer Arséne Wenger war schon länger kompliziert. Der Franzose setzte nicht mehr auf den Instinktfußballer mit dem unverwechselbaren linken Vollspann: er war zu wenig flexibel, zu wenig konstant. Der frühere Kölner, 2012 für 12 Millionen Euro an die Themse gewechselt, hatte keine Chance mehr gegen Spieler wie Danny Wellbeck oder Aléxis Sanchez.

In einer entscheidenden Phase seiner fußballerischen Laufbahn, in der es um einen letzten großen Vertrag vor dem Karriereende geht und um eine Perspektive in der Nationalmannschaft, konnte Podolski unmöglich in London bleiben. Kolportierte 2 Millionen Euro beträgt nun die Leihgebühr, 6,5 Millionen Euro die Kaufoption. Am Samstagmorgen untersuchten ihn bereits die Mailänder Vereinsärzte, am Nachmittag folgte die erste Trainingseinheit.

Möglicher Einsatz schon am Dienstag

Dort, auf dem Platz, spielt die Geschichte keine Rolle mehr, nicht seine und nicht die von Inter. Und doch gibt es auch dort erste Indizien, dass die neue Beziehung funktionieren könnte. Für Wenger war Podolski stets ein linker Flügelstürmer mit starkem linken Fuß - mehr nicht. "Ich kenne ihn sehr gut. Er kann auf verschiedenen Positionen spielen", hat Inter-Trainer Roberto Mancini dagegen jüngst erklärt. In Mailand könnte Podolski auch zentral hinter Sturmspitze Mauro Icardi auflaufen, vielleicht schon am Dienstag gegen Juventus Turin.

Mancini, der mit Inter von 2006 bis 2008 drei Meistertitel in Serie gewann, ist seit November zurück in Mailand, er löste den glücklosen Walter Mazzari ab, und sucht seitdem nach einem passenden System, zuletzt wechselte er zwischen 4-2-3-1, 4-4-2 und 4-3-3. Dass er dabei fortan auf Podolski setzt, ist wahrscheinlich. "Er hat sehr viel Erfahrung, ist ein großartiger Spieler und Weltmeister", sagte er über seinen neuen Stürmer. Und verwies dann zur Sicherheit auch noch einmal auf die Geschichte: "Deutsche Spieler haben Italien immer sehr gut getan."