Pleite des VfB Stuttgart gegen Bayern:VfB bringt Unterhaltung nach München

Mit einigem Vergnügen registrierten die Bayern, dass sie endlich mal ein interessantes Spiel erleben durften, wenn schon die Ergebnisse immer so langweilig gleich bleiben. Die Stuttgarter wollten ihnen "Aufgaben stellen", wie Zorniger unter der Woche kess angekündigt hatte, aber die Aufgaben der ersten Halbzeit dürften die Bayern eher amüsiert als herausgefordert haben. In diesen 45 Minuten ließ sich noch mal zugespitzt erkennen, warum der VfB in der Tabelle steht, wo er steht: Weil eine Elf, die vom Tabellenstand ohnehin leicht bekümmert ist, vollends überfordert wirkt, wenn sie ein System spielen soll, für das man 95 Minuten Athletik, 95 Minuten Zutrauen, schnelle, fehlerlose Defensivspieler sowie am besten einen anderen Gegner als die Bayern braucht.

"Wir wollten eigentlich noch direkter und aggressiver anlaufen", sagte Zorniger später und fügte kritisch an: "Entweder du spielst es ganz oder eben gar nicht." Aber auch das braucht man ja, um dieses Spiel spielen zu können: Spieler, die gläubig sind. Spieler, die überzeugt sind, dass dieses System das Beste oder noch mehr aus ihnen herausholt.

Alexander Zorniger hat es geschafft, dass nach einem 4:0 des FC Bayern, nach spektakulären Toren, nach wunderbaren Aktionen des wunderbaren Douglas Costa die meisten nur über den VfB Stuttgart gesprochen haben. Zorniger hat den VfB zum Thema gemacht, das Unterthema lautet allerdings: Passt das Spielsystem, das der Trainer "alternativlos" nennt, überhaupt zu dieser Elf, deren grundsätzliches Potenzial selbst in München gelegentlich aufblitzte? Oder setzen es die Spieler bloß noch nicht immer wie gewünscht um?

VfB-Spieler wirken zwiespältig

Die Spieler sind sich wohl selbst nicht ganz sicher, was sie von ihrem Fußball halten sollen. Sie verwiesen mit Recht auf die Fehlentscheidungen des Linienrichters, der den Bayern zwei Abseitstore zu- und dem VfB eines aberkannte; und der zu politischer Korrektheit verpflichtete Kapitän Christian Gentner meinte, mit einem defensiveren Ansatz hätte man "vielleicht fünf oder sechs kassiert". Allerdings fügte auch er vorsichtig an, man habe "vielleicht zu viel gewollt", aus dem Mund des jungen Stürmers Timo Werner klang das später deutlich offensiver: "Wir haben genau das gespielt, was die wollten", sagte Werner, "wir standen in der Regel zu hoch und sind ins offene Messer gelaufen. Wir haben den Bayern das gegeben, was man ihnen nicht geben darf: viel, viel Platz."

Die Stuttgarter nehmen jetzt also eine kleine Debatte mit in die Länderspielpause, die Bayern dagegen diese beruhigende Erkenntnis: Es kann ihnen wunderbar wurscht sein, mit welcher Spielweise man 0:4 gegen sie verliert.

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