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Platz drei für Arnd Peiffer:Wie ein zäher Boxer

Getrennt durch 2,7 Sekunden - und einen Schneemann: Arnd Peiffer (li.) und Erik Lesser

(Foto: AFP)

Arnd Peiffer steht immer wieder auf: Nach der verpatzten Mixed-Staffel schafft der Deutsche im Sprint von Oberhof einen Erfolg. Auch zwei Teamkollegen haben endlich wieder Spaß.

Von Saskia Aleythe

Fast eineinhalb Winter ist es her, dass ein deutscher Biathlet einen Sprint gewonnen hat. In Annecy in Frankreich kurz vor Weihnachten 2019 war das, da liefen auch Siegertypen wie Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö um Rang eins mit - aber am Ende jubelte Benedikt Doll. Mit der zweitschnellsten Zeit des Tages flitzte er ins Ziel, war am Schießstand ohne Fehler geblieben, was Doll eher selten gelingt. Aber gut: Der 30-Jährige ist 2017 Weltmeister im Sprint geworden, dazu kommen vier Staffel-Medaillen, zwei Plaketten von den Olympischen Spielen in Pyeongchang - er kann seinen Sport, zweifelsfrei.

Manchmal hilft es, sich derlei Erfolge in Erinnerung zu rufen, vor allem, wenn es nicht läuft, wie es soll. Ein zehnter Platz von Arnd Peiffer war das beste Ergebnis der Deutschen in Oberhof in der Vorwoche gewesen, Doll musste sich mit den Plätzen 15 und 19 begnügen, und nach vielen trüben Tagen stellte der sportliche Leiter Bernd Eisenbichler fest: "Als Mannschaft waren wir nicht da, wo wir sein wollen und müssen." Und nun?

Die Pandemie hat den Oberhofern eine zweite Weltcup-Woche in dieser Saison beschert, so sollen das Reiseaufkommen und damit Begegnungen mit potenziellen Virenträgern vermindert werden. Man blieb also im Thüringer Wald, statt nach Ruhpolding weiterzuziehen, die Stimmungslage im deutschen Team hat sich mit dem Sprint am Mittwoch merklich verbessert: Arnd Peiffer landete vor Erik Lesser auf Rang drei (beide 0 Fehler); Doll wurde mit einem Patzer Elfter - es siegte Norwegens Johannes Thingnes Bö (0) vor Teamkollege Sturla Holm Lägreid (0). Für Johannes Kühn (3/40.), Roman Rees (1/46.) und Philipp Horn (3/50.) besteht noch reichlich Luft nach oben. Was Mut für die kommenden Tage machte, war aber vor allem ein Satz von Doll: "Heute hat es Spaß gemacht."

"Erfolg und Misserfolg liegen nicht immer so weit auseinander, wie es scheint"

Der Spaß war den Deutschen zuletzt abhanden gekommen, aber beim Biathlon gilt oft das sehr simple Motto: neues Rennen, neues Glück. Arnd Peiffer kann man dabei durchaus mit einem Boxer vergleichen, der zwar ab und zu angeknockt wird - dann aber immer wieder aufsteht und mit blauem Auge so viel Kraft mobilisieren kann, dass er selber wieder austeilt. Rang 47 im Sprint der Vorwoche? Egal, in der Verfolgung holte er 37 Ränge auf. Er leistet sich eine Strafrunde als Schlussläufer der Mixed-Staffel und vermaledeit einen Podestplatz? Sei es drum, dann macht es der 33-Jährige halt im nächsten Rennen besser: Mit zehn Treffern und der zehntbesten Laufzeit demonstrierte Peiffer nun, dass auch Deutsche im Sprint noch mithalten können. "Erfolg und Misserfolg liegen nicht immer so weit auseinander, wie es scheint", sagte Peiffer in der ARD und führte neben der verbesserten Zielsicherheit auch diesen Punkt an: "Ich glaube, dass wir Ski-mäßig besser waren als letzte Woche."

Das Material ist immer wieder Thema in dieser Saison, am deutlichsten hatte sich Doll nach den ersten Weltcup-Rennen beschwert und dann neue Ski bekommen. Es ist nur ein Teil der Systemkritik, die zuletzt auffällig laut geworden war. Schlechtes Material, kaum Nachwuchs - sogar Bundestrainer Mark Kirchner monierte: Es sei notwendig, "in allen Bereichen - ob finanziell, personell oder materiell - zu investieren", andernfalls müsse man sich von Top-Ten-Platzierungen verabschieden. Das stützte den Eindruck, dass nicht nur Beine und Abzugfinger der deutschen Athleten nicht konkurrenzfähig waren.

"Wenn wir da die nächsten Wochen weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben, wäre es erst mal nicht schlecht", sagte Erik Lesser noch, wohlwissend, dass nach dieser Momentaufnahme vor allem eines im Vordergrund stehen muss: sich nicht immer wieder anknocken zu lassen.

© SZ/klef/ska
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