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Platini und die Fifa-Affäre:Heiße Zeit im Februar 2011

Das führt zum nächsten Punkt: In der Schweiz verjähren nach fünf Jahren die Ansprüche auf eine Entlohnung. Die Fifa hätte demnach Platini das Geld gar nicht mehr so spät überweisen dürfen - oder müssen. Und wieso vertraute Platini darauf, dass er, offenbar ohne jede schriftliche Zusicherung, so viele Jahre später zwei Millionen Franken erhält?

Es gibt andere Erklärungsmodelle für den jähen Geldfluss unter Partnern, die ja vor dem Bruch standen. Sie ergeben sich aus dem Blick in die damalige Zeit: Wie war das politische Klima im Februar 2011?

Zum Zerreißen angespannt. Mohamed bin Hammam wollte Blatter vom Thron jagen. Der langjährige Fifa-Vize hatte gerade die WM 2022 in seine Heimat Katar geholt. Jetzt durfte er als Chef des Asien-Verbandes AFC auf das Gros von dessen 50 Voten zählen, zudem auf viele der ebenfalls 50 Stimmen des Blocks der Afrikaner, die er mit Wohltaten überschüttete. Dazu kam, als Zünglein an der Waage: Jack Warner (Trinidad&Tobago). Der korrupte Boss über den 35 Voten starken Nord-/Mittelamerikaverband Concacaf richtete Anfang Mai 2011 für Bin Hammam sogar eine Bestechungsorgie in der Karibik aus, die letztlich beiden zum Verhängnis wurde und zur Suspendierung des Katarers nur Tage vor der Präsidentenkür führte. Dass auch Blatter der Concacaf damals eine Million aus Fifa-Geldern außer der Reihe zugeführt hatte, wie der abgetretene Warner empört verriet, juckte Platini nicht. Obwohl er zugeben musste, dass er und seine Kollegen über die Millionenzahlung nie informiert worden sind. Obwohl das Fifa-Reglement klar bestimmt, dass ein Amtsinhaber im Wahlkampf weder Mittel noch Personal der Fifa nutzen darf. Trotzdem war auch das kein Fall für interne Nachfragen: Blatter erklärte die Zahlung damals so, dass sie eine Sondergabe zum Jubiläum der Concacaf gewesen sei. Platini war also eine zentrale Figur für Blatter in jenem heißen Wahlkampf 2011: Weil er die gut 50 Voten starke Uefa anführte. Und er verhielt sich, nur Wochen nach Erhalt der zwei Millionen von Blatter, keineswegs so, dass es die These stützen würde, er könne des einstigen Gefährten Blatter überdrüssig geworden sein. Statt seinen Uefa-Kollegen freie Hand bei der Präsidentenwahl zu geben, schmiedete er mit seinen Vorstandskollegen einen europäischen Block pro Blatter. Das war ein wichtiges sportpolitisches Signal - vor allem an alle Wankelmütigen.

Weil sich die Protagonisten nicht klar äußern, schießen die Spekulationen rund um die zwei-Millionen-Gabe um sich. Ein Schweizer Finanzblog berichtete, dass die Überweisung nicht über ein Konto des Weltverbandes, sondern über ein privates Konto Blatters gelaufen sei. Dies würde die Sache besonders heikel machen. Platini beantwortete eine Anfrage hierzu gar nicht; die Fifa erklärte, dass sie das nicht kommentieren wolle, weil die Angelegenheit Gegenstand der behördlichen Ermittlungen sei.

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