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Pläne für Champions League:Revolution für die Großklubs

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Uefa-Präsident Aleksander Ceferin mit der Champions-League-Trophäe.

(Foto: Cesare Purini/Imago)

36 Teams, ein Schweizer Modell, Wildcards für Top-Vereine: Auf die Champions League kommt eine große Reform mit neuem Modus zu. Aber noch wird ein Kampf um Geld und Einfluss ausgetragen - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Es war eine Revolution in Schritten. Erst löste zur Saison 1992/93 die Champions League den traditionellen "Europapokal der Landesmeister" ab, in dem die nationalen Meister im K.-o.-Modus gegeneinander antraten. Dann baute Europas Fußball-Union (Uefa) die neue Königsklasse weiter um, bis sie sieben Jahre später die im Kern bis heute gültige Form erhielt - inklusive einem Anbau des Starterfeldes auf 32 Teams und der Vergabe von je vier Startplätzen an die großen nationalen Ligen wie Deutschland und Spanien.

Nun steht dem wichtigsten Klubwettbewerb der Welt wieder eine Revolution bevor. Zur Saison 2024/25 soll die Champions League ganz anders aussehen als heute. Seit Monaten laufen die Debatten, aber die Entscheidung der Uefa-Exektive dazu wurde nochmals vertagt und soll nun erst am 19. April fallen. Denn es gibt noch gewaltigen Redebedarf zwischen der Uefa und der European Club Association (ECA), die die Interessen der Klubs vertritt.

Welcher Modus ist geplant?

Statt wie bisher 32 sollen künftig 36 Mannschaften an der Hauptrunde teilnehmen. Dort gibt es keine Gruppen mehr, sondern das "Schweizer Modell". Alle Teilnehmer kommen in eine große 36er-Liga, jede Mannschaft bestreitet eine bestimmte Zahl an Vorrundenspielen - wahrscheinlich zehn oder acht -, und aus diesen Ergebnissen errechnet sich die Tabelle, anhand derer es mit dem Achtelfinale weitergeht. Die ersten acht Mannschaften sind dafür direkt qualifiziert, die Teams auf den Rängen 9 bis 24 spielen in Playoffs die übrigen acht Achtelfinalisten aus. Statt wie bisher aus 125 wird der Wettbewerb dann aus bis zu 225 Partien bestehen.

Was sind die Hintergründe der Reform?

Sie ist ein Kompromissvorschlag, der sich angesichts des Kampfes um mehr Geld und mehr Einfluss entwickelt hat. Regelmäßig steht die Gründung einer Super League mit den europäischen Topklubs als Drohszenario im Raum - und damit ein Angriff auf die Champions League. Die Reform der Königsklasse soll helfen, dies abzuwehren.

Dafür drängen die großen europäischen Klubs auf mehr Geld - und eine im Grunde garantierte Teilnahme am Wettbewerb. Zugleich kämpft die Klubvertretung ECA um mehr Einfluss. Die Organisation begann einmal als ein kleiner Zirkel, inzwischen gehören ihr mehr als 200 Mitglieder an, wobei die großen Vereine die maßgebliche Rolle spielen. Der Gegenspieler der ECA ist der Zusammenschluss European Leagues, der sich um die Interessen von 37 europäischen nationalen Ligen bemüht, allerdings viel weniger Einfluss hat.

Was ist der große Streitpunkt?

Das Geld und dessen Verteilung. Die Champions League ist schon seit Jahren der große Geldaggregator, für den europäischen Verband wie für die Vereine. Zuletzt brachten die Klub-Wettbewerbe der Uefa insgesamt 3,25 Milliarden Euro pro Jahr ein, die Königsklassen-Starter erhielten zwei Milliarden Euro. Meist ist es dieses Geld, das in den nationalen Ligen den Abstand von Klubs wie dem FC Bayern auf die Konkurrenz noch größer werden lässt.

Aber das reicht vielen Großvereinen nicht. Sie fordern, bei der Vermarktung der kommerziellen Rechte für die Champions League noch mehr mitsprechen zu dürfen. Dies könnte zum Beispiel geschehen, indem die Statuten bei der Gesellschaft UCC SA geändert werden. Das ist eine Tochterfirma der Uefa, die sich seit 2017 um die Vermarktungsfragen zu den Klub-Wettbewerben kümmert und in deren Vorstand Uefa und ECA über je die Hälfte der Stimmen verfügen; bisher hat diese nur beratende Funktion. Die Uefa erklärte am Mittwoch dazu auf Anfrage, man sei mit der ECA über die sportlichen wie über die wirtschaftlichen Fragen in Diskussionen.

Aber auch unabhängig von der Debatte um diese Vermarktungsfirma sind die finanziellen Fragen maßgeblich. Das betrifft zum einen die Verteilung der Gelder unter den dann 36 Königsklassen-Startern; aber auch die Verteilung zwischen den Europapokal-Startern und den vielen Vereinen des Kontinents, die nicht international spielen. Aktuell erhalten Letztere insgesamt vier Prozent der Einnahmen als Solidaritätszahlung. Die European Leagues fordern eine Erhöhung.

Wo liegen weitere Probleme?

Da gibt es vor allem zwei. Eines betrifft die Frage, an wen die vier zusätzlichen Startplätze gehen. Als fix gilt, dass der Fünfte der Uefa-Fünfjahreswertung, aktuell Frankreich, einen weiteren und damit drei feste Starter bekommt. Zudem wollen die Großklubs, dass sich möglichst viele Teilnehmer über eine Traditionswertung qualifizieren, die sich aus vergangenen Erfolgen in der Champions League berechnet - quasi eine Wildcard für Topvereine, die in einem Jahr in der Liga straucheln, so wie aktuell der FC Liverpool. Das würde den Trend zur Königsklasse als geschlossene Gesellschaft verstärken. Die European Leagues hingegen plädieren dafür, dass die drei restlichen Plätze an Landesmeister mittlerer und kleinerer Ligen gehen.

Der zweite Punkt ist die Zahl der Spiele. Das derzeit favorisierte Modell sieht vor, dass jede Mannschaft zehn Vorrundenpartien bestreitet - vier mehr als bisher. Das bringt zwar zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten. Zugleich kommt aus manchen nationalen Ligen, etwa England, dagegen Widerstand, weil sich die zusätzlichen Spiele kaum noch in dem ohnehin engen Kalender unterbringen lassen. Die Alternative wäre eine Reduzierung auf acht Gruppenspiele. Auch gilt als Option, dass es statt des Halbfinales ein Final-Four-Turnier gibt.

Wäre das neue Modell sportlich attraktiver als das jetzige?

Es könnte zumindest sein, dass sich in der Vorrunde eine andere Spannung aufbaut. Aktuell verlaufen viele Gruppen sehr langweilig, die letzten Spieltage sind teilweise bedeutungslos. Künftig kann es für die Spitzenklubs wie den FC Bayern am letzten Spieltag noch um eine bessere Platzierung in der Gesamttabelle (und damit einen mutmaßlich einfacheren K.-o.-Weg) gehen. Zugleich bleibt selbst der 24. (und entsprechend der bisherigen Regel quasi der Gruppendritte) im Wettbewerb. Das erhöht die Spannung im unteren Bereich.

Die Wahrscheinlichkeit aber, dass die acht Viertelfinalisten letztlich aus demselben überschaubaren Kreis an Topklubs kommen wie bisher, ist sehr hoch. Um das zu verhindern, bräuchte es eine ganz andere Revolution - ein Modell etwa, das es bis in die Neunzigerjahre schon mal gab.

© SZ/schm/jkn
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