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Philipp Max:Sehnsucht nach feurigen Flanken

Deutschland - Tschechien

Der Bundestrainer ließ ihn 69 Minuten spielen: Philipp Max (l.).

(Foto: dpa)

Lange musste er auf seine Nominierung warten - doch beim Debüt in der Nationalelf überzeugt Philipp Max auch den Bundestrainer. Auf der linken Seite darf er auf einen EM-Platz hoffen.

Von Saskia Aleythe, Leipzig

Eigentlich hatte Philipp Max seinen Vater schon vor dem Anpfiff übertroffen: Immerhin war er mit 27 Jahren zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft gekommen und nicht erst mit 33. Trotzdem schaute Max nach zehn Minuten Spielzeit gegen Tschechien in Leipzig auf die Uhr, ein warmes Gefühl machte sich in ihm breit. "Da habe ich ihn überholt und war sehr zufrieden", sagte Max später; 69 Minuten durfte er sich im Testspiel beweisen, für seinen Vater Martin blieb es einst bei acht Minuten plus Nachspielzeit. 2002 war das, bei einem 0:1 gegen Argentinien. Max und Mäxchen sind späte Debütanten, Martin Max' Länderspielkarriere war danach schon wieder vorbei, doch es gibt Hinweise darauf, dass Philipp ihn auch in dieser Hinsicht übertrifft. Oder, um es mit den Worten von Bundestrainer Joachim Löw zu sagen: "Philipp Max war sehr, sehr gut."

Lange teilte Max mit seinem Vater ein ähnliches Schicksal: Während die Liga längst um ihre Qualitäten wusste, zögerten die Bundestrainer mit Nominierungen. Martin Max musste zwei Mal Torschützenkönig beim TSV 1860 München werden, bis ihn Rudi Völler einlud, Philipp Max hat 2016 Olympiasilber gewonnen und sich beim FC Augsburg in den vergangenen Jahren zu einem der besten Außenverteidiger der Liga gemausert - doch Löw rief nicht an. Bis vor einer Woche.

Also lief Max nun in Leipzig die linke Seite rauf und runter, brachte den Ball pfeilgenau in die Mitte, wo Luca Waldschmidt das 1:0 (13.) erzielte. "Seine Stärken sind vorne seine Flanken, auch mal hinter die Abwehr", sagte Löw, er lobte die "scharfen Bälle" und dynamischen Läufe von Max, der die Bundesliga jüngst für den PSV Eindhoven verlassen hat. Dank feuriger Flanken darf er sich nun um einen EM-Platz auf der Linksverteidiger-Position bewerben, die schon länger von Improvisation geprägt ist.

Während die rechte Seite in der langen Karriere von Joachim Löw erst mit dem gebürtigen Rechtsverteidiger Lahm versehen war und von Joshua Kimmich fast schon brüderlich weiter gepflegt wurde, geriet die andere Seite zur Bastelecke. Er könne sich keine Außenverteidiger schnitzen, hat Löw mal gesagt, da war der Dortmunder Marcel Schmelzer gerade die Nummer eins im Eck. Mit dem Innenverteidiger Benedikt Höwedes links hinten gewann Deutschland 2014 die WM, Jonas Hector übernahm pflichtbewusst und solide, gab jüngst aber seinen Rücktritt aus der DFB-Elf bekannt.

Leipzigs Marcel Halstenberg gilt nun als gesetzt, doch dahinter ist die Lage noch nicht ausgefochten. Robin Gosens (Bergamo) und Benjamin Henrichs (Leipzig) stehen auf Löws Zettel weit oben, Nico Schulz (BVB) weiter unten, wie so oft könnte die Systemfrage entscheiden. "Wenn man hinten zu dritt spielt, braucht man sehr offensive Außenverteidiger, die ganz hoch spielen und auch mal im letzten Drittel agieren", sagte Löw jüngst - ungeachtet aller Abwehrprobleme. In diesem Sinne könnten feurige Flanken durchaus den Unterschied ausmachen.

© SZ vom 13.11.2020/chge
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