bedeckt München 17°

Philipp Lahm im Nationalteam:Immer einen Gedanken voraus

Mal flankte Lahm mit Gefühl, mal spielte er einen schnellen Pass. Mal nahm er einen Ball in der Luft an, es sah so aus, als würde er einen Moment lang schweben. Mal nahm er dem Gegner den Ball ab, so dass dieser mit Schwindelgefühl zurückblieb - immer schien der Kapitän einen Gedankengang voraus zu sein.

In Köln - daran bestand kein Zweifel - war dieser Lahm mit Abstand der beste Spieler auf dem Platz. TV-Experte Mehmet Scholl urteilte: "Ein Phänomen". Und: "Er hat auch körperlich noch einmal zugelegt."

Und was sagte Lahm selbst? Bei der Pressekonferenz saß er frisch geduscht auf dem Podium und lehnte sich entspannt zurück. Nur die Geschwindigkeit, mit der er ein Glas Wasser nach dem anderen hinunterschüttete, ließ erahnen, dass er sich zuvor doch ein wenig anstrengen musste. "Ich spiele immer da, wo der Trainer mich aufstellt", sagte er konziliant.

Ein wenig lobte er sich dann auch selbst - auch wenn Philipp Lahm natürlich nie der Großmannssucht verdächtig würde: "Ich hatte heute extrem viele Ballkontakte für einen Rechtsverteidiger", sagte er. Damit übertrieb er nicht: 138 Mal war er in den 90 Minuten am Ball, so oft wie keiner der Mannschaftskollegen. Marcell Jansen - sein Pendant auf der linken Defensivseite - kam auf lediglich 78 Kontakte.

Die Entscheidung, ob Lahm nun als Verteidiger oder als Mittelfeldspieler zur WM reist, dürfte also gefallen sein: Sein Platz ist an der Seitenlinie. "Falls ich überhaupt dabei bin", sagte er in Köln, blickte zum Bundestrainer und grinste verschmitzt. In Brasilien sei er bislang nie gewesen, verriet der Kapitän noch. Es darf als gesichert gelten: Er wird sich dort zurechtfinden.

© SZ.de/jbe/mati
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema