PferdesportAm Ende genießt Diallo sogar den Applaus

Lesezeit: 3 Min.

„Es hätte in München nicht besser gehen können“: Jessica von Bredow-Werndl auf Diallo.
„Es hätte in München nicht besser gehen können“: Jessica von Bredow-Werndl auf Diallo.
Frank Hoermann/Sven Simon/Imago
  • Jessica von Bredow-Werndl gewinnt auf der Pferd International in München mit ihrem neuen Pferd Diallo den Grand Prix und Grand Prix Special auf Fünf-Sterne-Niveau.
  • Diallo, den von Bredow-Werndl erst seit Februar reitet, zeigt trotz anfänglicher Nervosität bei der Siegerehrung eine beeindruckende Leistung und Anpassungsfähigkeit.
  • Mit Diallo plant von Bredow-Werndl die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften in Balve, während eine mögliche WM-Teilnahme im kommenden Jahr in Aachen in Aussicht steht.
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Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl gewinnt auf der Pferd International wie im Vorjahr den Grand Prix und den Grand Prix Special auf internationalem Fünf-Sterne-Niveau. Selbstverständlich ist das nicht: Sie kennt ihren vierbeinigen Partner erst seit Februar.

Von Sabine Neumann

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Wer nicht ganz genau hinsah, erblickte bei der Pferd International in München ein braunes Pferd mit einer grazilen Reiterin, das schwierigste Dressurlektionen elegant und scheinbar mühelos bewältigte. Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl gewann wie im Vorjahr den Grand Prix und den Grand Prix Special auf internationalem Fünf-Sterne-Niveau und wurde vom Publikum lang und laut bejubelt. Klar, die gewinnt immer, konnte man meinen. Aber dieser Sieg war keineswegs selbstverständlich. Anders als im Vorjahr saß von Bredow-Werndl nicht auf ihrer bewährten Championatspartnerin Dalera BB, sondern auf dem erst zehnjährigen Diallo. Den braunen Wallach hat sie gerade mal seit Februar im Stall.

Der Hannoveraner war zuvor von Uta Gräf bis zum Grand Prix vorgestellt worden. Die Berufsreiterin aus der Pfalz gilt als exzellente, reelle Ausbilderin, die ihren Pferden Zeit lässt und ein artgerechtes Leben ermöglicht. Diallo fand mit seiner neuen Reiterin ungewöhnlich schnell zusammen. Schon bald nach dem Wechsel präsentierte sich das neue Duo eindrucksvoll beim Ausbildungsabend auf der Equitana, der großen Pferdemesse in Essen. Vor kurzem gewann das Paar aus Aubenhausen beim internationalen Dressurturnier in Hagen a. T. den Grand Prix Special der Drei-Sterne-Tour.

Dennoch war der Sieg beim Fünf-Sterne-Debüt in München nicht unbedingt zu erwarten gewesen. In der gemeinsamen Entwicklung von Pferd und Reiter geht es nicht automatisch bergauf. Auch wenn im Training zu Hause alles klappt, ist das noch keine Garantie, dass auch im Viereck alles rund läuft. Bei der Siegerehrung wurde deutlich, dass Diallo mit der ungewohnten Kulisse zunächst kämpfte. Vor lauter Aufregung konnte er keinen Moment stillstehen. Von Bredow-Werndl gab ihm die nötige Sicherheit, um sich an die für ihn schwierige Situation zu gewöhnen. Und er ließ sich darauf ein.

„Das ist eine besondere Qualität dieses Pferdes“, erklärte Benjamin Werndl, Bruder der Reiterin. Zum Schluss schien Diallo den Applaus sogar zu genießen und paradierte selbstbewusst am Publikum vorbei. Auch die sportliche Perspektive stimmt. Bundestrainerin Monica Theodorescu und ihr Kollege Sebastian Heinze sehen noch „viel Luft nach oben“.

„Ohne Pferd ist ein Reiter nur ein Mensch“: Dieser ebenso alte wie wahre Spruch gilt auch für Spitzensportler. Ist man ohne Toppferd, bleiben einem noch Medaillen und Pokale in der Vitrine und Schleifen und Schärpen an der Wand, aber in der Weltrangliste geht es gnadenlos abwärts. Die Kaderzugehörigkeit erlischt, und die Startmöglichkeiten auf großen Turnieren werden weniger. Wer nicht bald mit einem neuen Pferd von sich reden macht, verliert das Interesse von Sponsoren, Kunden und Trainern. Es ist eine Abwärtsspirale, die in die sportliche Bedeutungslosigkeit führen kann.

Im Januar verabschiedete von Bredow-Werndl ihre „Queen“ Dalera BB in den sportlichen Ruhestand. Inzwischen steht fest, dass die Trakehnerstute vom Hengst Vitalis ein Fohlen bekommen wird. Wer Daleras Thronfolge antreten könnte, war lange ungewiss. Der inzwischen zehnjährige Got it BB hätte das notwendige Bewegungspotenzial, stellte seine Reiterin aber vor einige Herausforderungen. Inzwischen haben sich seine Leistungen stabilisiert. In München belegte von Bredow-Werndl mit dem Wallach den zweiten Platz in der Halbfinal-Qualifikation für die „Stars von Morgen“.

Ihr Bruder siegte unangefochten mit dem erst neunjährigen Quick Decision. Der auffällige Fuchswallach kommt aus demselben Stall wie Diallo und wurde zuvor ebenfalls von Gräf geritten. Werndl hat ihn seit einem guten halben Jahr. „Es hätte in München nicht besser gehen können. Wir sind mit der Entwicklung der beiden Pferde sehr zufrieden“, erklärte der 41-Jährige. Werndl verlor seinen Championatspartner Famoso im vergangenen Jahr durch einen tragischen Unfall. Mit Quick und anderen Nachwuchspferden hat er gute Chancen, den Anschluss wiederzufinden. Schon am kommenden Wochenende wird er versuchen, mit sich mit Quick Decision für das Finale des Louisdor Preis-Finales in Frankfurt zu qualifizieren.

Der Großen Preis von Bayern der Springreiter gewinnt der Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung

Für Jessica von Bredow-Werndl wird es in zwei Wochen zu den deutschen Meisterschaften nach Balve gehen. Die Europameisterschaft in diesem Jahr kommt für Diallo noch zu früh, aber für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Aachen könnte er ein Kandidat fürs deutsche Team werden. Dasselbe gilt für Maximilian Weishaupt mit Zuccero. Das Vertrauen zueinander wurde in München weiter gestärkt. Beide blieben auf dem für viele Pferde herausfordernden Rasenplatz bei ihren Parcoursrunden fehlerfrei. Im Großen Preis von Bayern sattelte der Jettinger den erst neunjährigen Kokomo B, eine Zukunftshoffnung. Ein Abwurf verhinderte den Einzug ins Stechen. Der Sieg in der Hauptprüfung ging an Michael Jung mit dem 14-jährigen DuoPower. „Meine Pferde galoppieren auch daheim viel auf Rasen. Das ist ein vielleicht ein kleiner Vorteil“, sagte der Vielseitigkeits-Olympiasieger.

Eine Neuauflage der Pferd International soll es auch im kommenden Jahr geben, vielleicht sogar mit einem Nationenpreis. Wegen der Weltmeisterschaft wird der Fünf-Sterne-Nationenpreis vermutlich in Mannheim ausgetragen. Die dort traditionell ausgetragene Drei-Sterne-Prüfung könnte nach Aussagen von Turnierleiter Jürgen Blum München übernehmen.

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