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Zum Tod von Peter Grosser:Der Meister-Kapitän der Löwen

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Angefangen hat Peter Grosser bei Bayern München, aber beim TSV 1860 München prägte er eine Ära, die 1966 mit der Meisterschale gekrönt wurde.

(Foto: Sven Simon/imago)

Peter Grosser führte den TSV 1860 zur einzigen Meisterschaft. Dass er nur zwei Mal für die Nationalelf spielte, hing wohl auch mit seiner Offenheit zusammen. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.

Nachruf von Stefan Galler

An Selbstvertrauen hat es Peter Grosser nie gefehlt. Klar in seinen Standpunkten, streitbar, niemals übertreibend und immer mit einem spitzbübischen Lächeln - so ist er seinen Mitmenschen begegnet. Der gebürtige Münchner war einer der großen deutschen Fußballer der Sechzigerjahre, er prägte die erfolgreichste Ära in der Klubhistorie des TSV 1860 München als Kapitän maßgeblich. DFB-Pokalsieger 1964, Europapokalfinalist 1965, Deutscher Meister 1966, das waren die herausragenden Erfolge, die er als offensiver Mittelfeldspieler mit den Löwen feierte.

Dass es zu keiner Weltkarriere reichte und er nur in zwei Länderspielen mitwirkte, hatte er selbst zu verantworten: Weil ihn der damalige Bundestrainer Helmut Schön vor der Weltmeisterschaft 1966 in England im Unklaren darüber ließ, ob er wirklich mit ihm planen würde, fuhr Grosser, genervt vom ewigen Hin und Her, kurzerhand in den Urlaub. Nach seiner Rückkehr fragte Schön nach, ob er körperlich fit genug sei für ein anstrengendes Turnier. Grosser, der von Schönfärberei wenig hielt, verneinte das - und wurde nie wieder für die Nationalmannschaft berufen. "Es war ein Fehler, aber nachher ist man oft gescheiter", sagte er dazu vor Jahren in einem Interview in der SZ.

Seine Karriere begann beim Rivalen in der Stadt, mit 18 Jahren war Grosser zunächst zum FC Bayern gekommen, wo er sich als torgefährlicher Mittelfeldspieler in der Oberliga Süd einen Namen machte. Als die Bayern 1963 keine Zulassung zur neu gegründeten Bundesliga erhielten, wechselte er zu den Löwen, für die er in 130 Partien im Oberhaus 49 Tore erzielte. Seine Profilaufbahn ließ er beim österreichischen Erstligisten Austria Salzburg ausklingen, wo er noch sechs Jahre spielte. Dafür zog er jedoch nie um, sondern wohnte immer in seiner geliebten Heimatstadt München und pendelte nur zum Wochenende für Abschlusstraining und Spiel nach Österreich. "Ich bin der einzige Profi, der sich über eine so lange Zeit selbst trainiert hat", sagte er.

Später trainierte er mit Unterhaching einen Ligakonkurrenten der Löwen

Zwei Jahre nach seiner aktiven Karriere ließ er sich überreden, als Trainer beim damaligen Bezirksligisten SpVgg Unterhaching anzuheuern. Grosser bekam es mit einer Feierabendtruppe zu tun, die mehr Zeit vor den Maßkrügen als auf dem Trainingsplatz verbrachte. Er lehrte die Amateurfußballer in bester Tradition des Löwen-Meistertrainers Max Merkel Disziplin und führte sie in den folgenden Jahren bis an die Spitze der Bayernliga. Damals war Haching Ligakonkurrent der Sechziger, man lieferte sich so manch emotionales Derby, Grosser wurde zeitweise mit einem Stadionverbot bei den Blauen belegt. Später hat er sich mit dem Verein ausgesöhnt, hielt Kontakt mit anderen Meisterlöwen und vertrat immer seine nicht selten unbequeme Meinung, etwa als Fürsprecher des umstrittenen Investors Hasan Ismaik.

Auch Haching blieb Peter Grosser immer verbunden, über 30 Jahre lang hatte er verschiedene Positionen im Klub inne, die längste Zeit davon wirkte er als Vizepräsident neben dem langjährigen Vereinschef Engelbert Kupka.

Bis ins hohe Alter erfreute sich der frühere Fußballer, abgesehen von seinen durch die Profikarriere abgenutzten Knien, guter Gesundheit. Und das, obwohl er heftige Schicksalsschläge zu erleiden hatte: 1979 war sein älterer Sohn Peter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, im Februar 2008 starb sein jüngerer Sohn Thomas während eines Hallentrainings der Unterhachinger Seniorenmannschaft im Alter von 42 Jahren. "Das hat mein Leben in den letzten Jahren schon geprägt", sagte er.

Am Dienstagmorgen wurde Peter Grosser in seiner Wohnung in München tot aufgefunden, er wurde 82 Jahre alt. Der TSV 1860 und die SpVgg Unterhaching würdigten die Verdienste des Verstorbenen in offiziellen Stellungnahmen. "Die gesamte Löwen-Familie ist in tiefer Trauer. Peter Grosser hat nicht nur Titel mit dem TSV 1860 München gewonnen, sondern auch als Mensch in Giesing tiefe Spuren hinterlassen", hieß es etwa auf der offiziellen Internetseite der Sechziger. Unterhachings Klubpräsident Manfred Schwabl sagte, der Weg des Vereins "vom Amateursport in die Bundesliga wird für immer mit dem Namen Peter Grosser verbunden bleiben".

© SZ/Grö
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