Peter Bosz bei Borussia Dortmund:Spezialist für Spektakel

Peter Bosz

Coacht nun Dortmund: Peter Bosz

(Foto: dpa)
  • Peter Bosz führte Ajax Amsterdam ins Finale der Europa League - nun wird er neuer Trainer bei Borussia Dortmund.
  • Der Niederländer steht für offensiven, rasanten und spektakulären Fußball.
  • Ein Treffen mit Johan Cruyff veränderte seine Sicht auf den Fußball - seitdem hat er Erfolg.

Von Lisa Sonnabend

Alles andere als begeistert dürfte so mancher Fan von Borussia Dortmund sein, dass ausgerechnet Peter Bosz der neue Trainer des Vereins wird. Als Kind schaute der Niederländer jedes Wochenende Bundesliga - und interessierte sich vor allem für eine Mannschaft: Schalke 04. "Meine Großmutter war Schalke-Fan", verriet der 53-jährige Bosz vor einigen Wochen, als er noch nicht ahnen konnte, dass er demnächst Trainer beim größten Rivalen der Gelsenkirchener wird. Doch was viele Dortmund-Fans besänftigen dürfte: Immerhin warf Bosz anschließend mit Ajax Amsterdam Schalke aus der Europa League.

Es war dieses spektakuläre Viertelfinale, als Bosz die Aufmerksamkeit des deutschen Fußballpublikums auf sich zog und wohl auch die der BVB-Verantwortlichen. Überfallartig stürzte sich seine extrem junge Mannschaft auf Schalke, sie setzte den Gegner früh unter Druck und zeigte herrlichen Kombinationsfußball. Es war ein rasanter, ein dynamischer, ein beeindruckender Auftritt. 2:0 endete das Hinspiel, doch Ajax hätte eigentlich viel mehr Tore erzielen müssen. "Es war, als würde man dem niederländischen WM-Team von 1974 zuschauen", schwärmte Auke Kok, Biograf der niederländischen Legende Johan Cruyff, nach dem Schlusspfiff. "Ich hätte nicht gedacht, jemals wieder eine Ajax-Mannschaft derart spielen zu sehen." Diese Ajax-Mannschaft verlor erst im Finale der Europa League gegen Manchester United.

Ein Trainer mit wenig Erfahrung

Angeblich fünf Millionen Euro zahlt Dortmund nun, damit Bosz seinen berauschenden Fußball nicht weiter in der Eredivisie, sondern in der Bundesliga aufführt. Es ist die höchste Ablöse für einen Trainer in der Geschichte der Liga. Und es ist ein Statement.

Nachdem Thomas Tuchel geschasst worden ist und der eigentliche Wunschkandidat Lucien Favre bei OGC Nizza hatte bleiben müssen, entschied sich die BVB-Geschäftsführung um Hans-Joachim Watzke für einen Trainer, der über verhältnismäßig wenig Erfahrung verfügt. Bosz hatte, ehe er im Sommer 2016 nach Amsterdam kam, bei Heracles Almelo, Vitesse Arnheim und Maccabi Tel Aviv gearbeitet. Es sind eher kleine Klubs im großen Fußballgeschäft. Die Ergebnisse, die Bosz mit diesen Klubs erzielte, waren solide, aber keineswegs beeindruckend.

Doch nach einer Begegnung im März 2016 ging es mit Bosz' Trainerkarriere plötzlich aufwärts. Kurz vor seinem Tod besuchte Johan Cruyff den Trainer in Tel Aviv. Sie sprachen, sie fachsimpelten, sie diskutierten. "Ich habe in einer Woche genug für zehn Jahre gelernt", sagte Bosz. In dieser Zeit las der Niederländer zudem das Buch von Marti Perarnau über Pep Guardiolas erstes Jahr beim FC Bayern. Zehn Minuten habe er sich bis dato auf den Gegner vorbereitet, gab Bosz an. Dass Guardiola dafür Tage brauchte, hatte er nie verstanden. Doch nach der Lektüre begriff er: Es kommt genau auf diese Kleinigkeiten an, zum Beispiel wer bei Ballgewinn des Gegners frei steht. Seitdem gewinnt Bosz.

Ob sein Erfolg nun in Dortmund anhält? Die Arbeit beim Champions-League-Teilnehmer dürfte für Bosz eine interessante Herausforderung sein. Der Niederländer, der als Spieler Ende der Neunziger bei Hansa Rostock unter Vertrag stand, spricht perfekt Deutsch. In Dortmund trifft er auf eine junge Mannschaft, die für offensiven Fußball steht. Ein Team wie gemacht für ihn.

"Auf der Bank will ich wenigstens Spaß haben"

Ob es Bosz gelingen wird, in der kommenden Saison Schalke erneut vom Platz zu fegen oder gar den FC Bayern, wird sicherlich davon abhängen, wie groß die Risiken seiner gnadenlos offensiven Spielweise sind und ob es Dortmund gelingt, die Torchancen effizienter zu nutzen. Eine Anpassung des Stils ist bei Bosz jedenfalls nicht zu erwarten. "Wenn ich schon auf der Bank sitzen muss", sagt Bosz einmal, "dann will ich wenigstens Spaß haben."

Den hatte er bei Ajax allerdings zuletzt nicht immer. Bosz soll den Klub verlassen haben, weil es zu Streitigkeiten innerhalb des Trainerteams gekommen war. Nicht alle haben offenbar seine Spiel- und Trainingsphilosophie mitgetragen. Womöglich haben sich die BVB-Verantwortlichen nach Thomas Tuchel wieder keinen ganz einfachen Charakter geholt.

Mit Material von sid und dpa

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