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Peta-Vorwürfe gegen 1. FC Köln:"Tiere haben im Stadion nichts zu suchen"

FC-Geißbock feiert Geburtstag

Bäuerin Hildegard Schäfer (von links), FC-Vizepräsident Toni Schumacher, FC-Stürmer Anthony Ujah und Betreuer Ingo Reipka gratulieren Geißbock Hennes VIII. zum Geburtstag.

(Foto: dpa)
  • Die Tierrechtsorganisation Peta reicht Beschwerde beim 1. FC Köln ein.
  • FC-Geißbock Hennes werde "misshandelt" und müsse im Stadion leiden, so die Vorwürfe.
  • Der Kölner Zoo wehrt sich gegen die Anschuldigungen, alles sei "in bester Ordnung."

Es hätte nur ein Torjubel werden sollen, mittlerweile geht es um weitaus mehr. Weil Kölns Stürmer Anthony Ujah das lebend Vereins-Maskottchens Hennes VIII angeblich misshandelt habe, hat sich jetzt die Tierrechtsorganisation Peta offiziell bei dem Fußball-Bundesligisten beschwert. In einer Mitteilung unter der Überschrift "Rote Karte für den 1. FC Köln: Geißbock Hennes bei Torjubel misshandelt" monierte die Organisation den Torjubel von Ujah nach seinem Treffer beim 4:2 gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag. Der Nigerianer hatte Hennes im Überschwang der Gefühle an den Hörnern hochgezogen.

Peta habe sich bei Kölns Sportchef Jörg Schmadtke "über den rücksichtslosen Umgang mit dem Tier beschwert und appelliert an den Fußballklub, Hennes künftig nicht mehr im Müngersdorfer Stadion zu präsentieren", hieß es. Zudem habe Peta dem FC vorgeschlagen, dass Ujah "freiwillig mehrere Stunden in einem Kölner Tierheim bei der Versorgung der Tiere" mithelfen solle. "Tiere haben in einem Fußballstadion absolut nichts zu suche", sagte Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

In Köln handle es sich um eine "Misshandlung von Geißbock Hennes", so Höffken. "Es bringt dem Verein mit Sicherheit weder Glück noch Erfolg, sein vierbeiniges Maskottchen derartigem Stress auszusetzen." Peta behauptete zudem, Hennes sei bei vergangenen Spielen "einige Male nur knapp vom Ball verfehlt" worden, zudem sei er "von Betreuern und Ordnern unsanft wieder eingefangen" worden: "Die fehlende Möglichkeit, sich bedrohlichen oder unbehaglichen Situationen zu entziehen, bedeutet für das Tier Stress und Leiden."

Im Kölner Zoo, wo Hennes zwischen den Spielen in einem Stall wohnt, wollen die Verantwortlichen von Tierquälerei nichts wissen. Der Vorstandschef des Zoos, Christopher Landsberg, bestereitet Vorwürfe wie diese. "Dem Bock geht es gut. Er hat eine ruhige Nacht verbracht. Jetzt ist er schon wieder mit seiner Ziegen-Freundin Anneliese zusammen und frisst ganz normal", sagte Landsberg dem Kölner Stadt-Anzeiger. Es sei "alles in bester Ordnung". Hennes habe zudem keineswegs unter dem Torjubel gelitten: "Hörner dienen einem Ziegenbock zur Verteidigung, er braucht sie im Kampf", sagte Landsberg. Schmerz dürfte Hennes durch Ujahs Hörnerziehen demnach nicht verspürt haben, so Landsberg: "Ganz nebenbei erfordert Tierquälerei einen Vorsatz. Und den kann man Ujah nun wirklich nicht vorwerfen."

Nach einer umgehenden Twitter-Entschuldigung hat Ujah dem FC-Geißbock mittlerweile bereits zwei Stallbesuche im Kölner Zoo abgestattet. Am Montag brachte der Stürmer seinem Vereins-Maskottchen Möhren in den Stall. Zum achten Geburtstag von Hennes VIII. am Dienstag gab Ujah seine Gesangskünste in einem Geburtstagsständchen zum Besten. "Heute ist ein großer Tag", sagte Ujah. "Meinem besten Freund geht es wieder gut." Zum Geburtstag erschien auch Vize-Präsident Toni Schumacher. "Dem Hennes ist nix passiert, der Nacken ist eh sein stärkstes Körperteil", sagte Schumacher, der Hennes ein Trikot mit dem Namenszug des Geißbocks mitgebracht hatte. Von Ujah bekam Hennes eine Kratzbürste.

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