Personalpläne beim BVB:Geldadel verpflichtet

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Torino FC vs CFC Genoa 1893

Schwingt er bald sein Trikot für den BVB? Der Italiener Ciro Immobile ist begehrt.

(Foto: dpa)

Borussia Dortmund braucht Ersatz für Mittelstürmer Robert Lewandowski. Dass der Klub zum vierten Mal in Serie in der Champions League dabei ist, schafft finanzielle Freiräume - etwa für Wunschkandidat Ciro Immobile aus Turin. Und es kursieren weitere Namen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Für Thomas Tuchel war es offenbar eine dieser Niederlagen, die selbst einer wie er verschmerzen kann. "Die sind nicht unsere Liga, da kann man so einen Sieg einfach mal anerkennen", zog der Trainer des FSV Mainz 05 einen ungewohnt kurzen Schlussstrich unter die 2:4-Niederlage bei Borussia Dortmund. Der BVB qualifizierte sich mit dem Offensiv-Spektakel gegen Mainz drei Spieltage vor Saisonende erneut direkt für die Champions League.

Die neue "Nachhaltigkeit", die Vorstandschef Hans-Joachim Watzke seit Langem als wahres Entwicklungsziel des BVB ausgerufen hat, nimmt damit allmählich Gestalt an: Seit dem Meistertitel 2011 hat Dortmund nun das vierte Mal in Serie die Geldliga des europäischen Fußballs erreicht. Das gelang der Borussia selbst in ihren Glanzzeiten in den Neunzigerjahren unter dem Trainer Ottmar Hitzfeld nicht.

Romelu Lukaku? Alvaro Morata? Matthias Ginter?

Mit nun sechs Punkten Vorsprung auf den Tabellendritten Schalke 04 ist für Dortmund auch Rang zwei in der Meisterschaft so gut wie beschlossene Sache. Eine Serie mit zwei Meistertiteln (2011 und 2012) und zwei zweiten Plätzen (2013 und 2014) hatte der BVB in seiner Geschichte auch noch nie bilanzieren können. Zudem hat die Mannschaft noch die Option auf einen Titelgewinn, im Pokalfinale am 17. Mai gegen den FC Bayern.

Dieses Endspiel im Berliner Olympiastadion wird zugleich auch den Verlust von Robert Lewandowski markieren, der zum Finalgegner nach München wechselt und der - wegen seiner Spielweise - zu den Spielern gerechnet wird, die nicht eins-zu-eins ersetzbar sind. Der BVB hat schon Adrián Ramos von Hertha BSC verpflichtet, der es in der laufenden Saison auf 16 Bundesliga-Treffer brachte. Die derzeit spannendste Frage in Dortmund ist aber, wer als weiterer zusätzlicher Mittelstürmer die Planstelle von Lewandowski auffüllen kann.

Geheimfavorit ist mehr denn je Ciro Immobile vom AC Turin. Der gerade 24 Jahre gewordene Italiener führt mit mittlerweile 20 Treffern die Torjägerliste der Serie A an, vor Kalibern wie Carlos Tevez oder Luca Toni. (Am Samstag erzielte Immobile erneut einen Treffer, beim 3:3 bei Lazio Rom.) Aber, wie könnte es anders sein bei einem, der in Italien so viele Tore schießt: Auch andere interessieren sich für Immobile, der im März auch seinen ersten Einsatz für Italiens Nationalmannschaft hatte und sich Hoffnungen auf ein WM- Ticket bei Nationaltrainer Cesare Prandelli machen kann.

Gespräche mit Immobile laufen

Als Konkurrent von Dortmund wird vor allem Atlético Madrid gesehen, das seinen Torjäger Diego Costa für angeblich 60 Millionen Euro an den FC Chelsea abgeben dürfte und den Markt ebenso nach Ersatz sondiert wie der BVB. Die Transferrechte für den schnellen, bulligen und spieltaktisch sehr gut ausgebildeten Immobile sind zu je 50 Prozent aufgeteilt zwischen seinem aktuellen Klub AC Turin und Juventus Turin, wo der Torjäger ausgebildet wurde.

Sein Berater Marco Sommilla hatte der SZ bereits bestätigt, dass es Gespräche mit dem BVB gebe und Immobile "gerne zu so einem großen Klub wie Dortmund" gehen würde. Angesichts der Gemengelage um die Transferrechte scheint der BVB aber in der Sache alle Stellungnahmen zu blocken.

Finanziell zumindest wird der Transfer aber wohl als machbar eingeschätzt - sonst müssten sich die Scouts der Borussia nicht so intensiv mit Immobile beschäftigen. Der Klub hatte schon seit dem letzten Jahr, als fest stand, dass Robert Lewandowski nicht beim BVB bleiben wird, Rücklagen gebildet, um einen großkalibrigen Ersatz für den Polen beschaffen zu können. Immobiles Marktwert wird auf 12 bis 15 Millionen Euro taxiert.

Dortmund scheint bei der Mittelstürmer-Frage vorerst weiterhin mehrgleisig unterwegs zu sein: Unter anderem dürfte der von Chelsea derzeit an den FC Everton ausgeliehene Belgier Romelu Lukaku ebenso im Fokus bleiben wie Nachwuchsstürmer Alvaro Morata von Real Madrid. Die Borussia bemüht sich außerdem um den 21-jährigen Jung-Nationalspieler Matthias Ginter vom SC Freiburg.

Auch mit der Rückkehr von Shinji Kagawa, vor zwei Jahren vom BVB zu Manchester United gewechselt und dort bisher selten zum Zuge gekommen, liebäugeln die Westfalen offenbar weiterhin. Allerdings hat sich Marco Reus in den vergangenen Wochen (und auch gegen Mainz 05) auf der "Zehner"-Position so massiv in den Vordergrund gespielt, dass für den Japaner in dieser neuen Konstellation nicht allzu viel Platz bliebe.

Gut möglich, dass Shinji Kagawa durch sein zögerliches Verhalten den richtigen Zeitpunkt für ein Comeback beim BVB schon verpasst hat.

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