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Ivan Perisic beim FC Bayern:Die perfekte Not-Leihe

  • Beim FC Bayern spielt sich der neu geholte Ivan Perisic gleich in den Vordergrund.
  • Gegen Köln zeigt sich, dass der Kroate den Bayern sofort weiterhilft.

Die sogenannte Not-Leihe hat beim FC Bayern eine gewisse Tradition und man kann sagen, dass es keine sehr erfolgreiche Tradition ist. Eine Not-Leihe zeichnet sich dadurch aus, dass sich kurzfristig eine vakante Stelle im Kader auftut und man dann einen Spieler ausleiht, um das Kaderloch kurzfristig und kostengünstig zu stopfen. Die letzten Not-Leihen des FC Bayern waren Stürmer Landon Donovan (2009), Außenverteidiger Massimo Oddo (2008) und Innenverteidiger Serdar Tasci (2016). Keiner dieser Spieler half dem FC Bayern weiter, keiner dieser Spieler wurde nach Ende der Leihe verpflichtet.

Ivan Perisic ist auch eine Not-Leihe, offiziell natürlich nicht, aber eigentlich ist allen klar, dass der Kroate nur deswegen von Inter Mailand den Weg zum FC Bayern fand, weil sich Leroy Sané im englischen Supercup das Kreuzband riss. Die Münchner brauchten also kurzfristig einen Außenbahnspieler und Ivan Perisic war zu haben, weil Inter-Trainer Antonio Conte nicht mehr mit ihm plante. Das "alles sehr schnell" ging, gab Perisic zumindest auf seiner Vorstellungspressekonferenz zu.

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In Zeiten, in denen Spieler langfristig beobachtet und gescoutet werden, gehen diese übers Knie gebrochenen Transfers oft schief, bei Perisic deutet sich nun am fünften Spieltag der Bundesliga-Saison an, dass er die Ausnahme der Regel sein könnte. Gegen Köln schoss er sein zweites Saisontor (er traf schon gegen Mainz), außerdem hat er in der Champions League und in der Bundesliga schon eine Torvorlage gesammelt. Aber auffälliger noch als die nackten Zahlen ist, dass sich Perisic vor allem gegen Köln erstaunlich sauber in das Münchner Spiel einfügte - was nicht so einfach ist, wenn in der Offensive Philippe Coutinho und Robert Lewandowski dominieren.

Perisic hat auf der Außenbahn mit seinen 30 Jahren nicht mehr die absurde Geschwindigkeit eines Kingsley Coman oder eines Serge Gnabry, er kann von allen Dingen, die man so als Offensivspieler mitbringen muss, nichts auf absolutem Weltklasse-Niveau (wie Coutinho oder Lewandowski), aber er kann alles sehr gut. Er ist beidfüßig, kann also auf beiden Außenbahnen spielen, hat einen guten Abschluss, ist kopfballstärker als der durchschnittliche Flügelflitzer und im Zweikampf auch ein bisschen standhafter als zum Beispiel Coman.

In seiner Freizeit nimmt er übrigens als begeisterter Beachvolleyballspieler per Wildcard an Turnieren der World Tour teil. Kurz: Er ist das perfekte Allzweckwerkzeug und um eine durchschnittliche Bundesliga-Abwehr wie die der Kölner zu beschäftigen, reicht es allemal. Robert Lewandowski meinte auch ihn, als er nach dem Spiel sagte, man sehe jetzt einfach, dass die Mannschaft eingespielter agiere als noch zu Beginn der Saison.

Ivan Perisic war schon immer ein Fußballer für den zweiten Blick. In seiner kroatischen Heimat schaffte er als Jugendspieler nicht den Durchbruch, landete dann über Frankreich in Belgien, er war schon 22 Jahre, als Borussia Dortmund 2011 für ihn 5,5 Millionen Euro nach Brügge überwies. Mit Jürgen Klopp wurde Perisic nicht warm, ihm gefiel Perisics Defensiv-Verhalten nicht, er zog Kevin Großkreutz vor, der zwar technisch schlechter war als Perisic, sich aber in jeden Zweikampf warf.

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Als sich Perisic öffentlich über seine kurzen Einsatzzeiten beschwerte, riet ihm Klopp, "die Fresse" zu halten. Perisic ging nach Wolfsburg. Dort war er zusammen mit Kevin De Bruyne das Herzstück der DFB-Pokalsieger-Mannschaft, die Leistungen beim VfL brachten ihm einen Vertrag bei Inter Mailand ein und im vergangenen Jahr das WM-Finale mit Kroatien.

Seine Nationalität war auch ein Grund für den fixen Wechsel nach Bayern. Trainer Niko Kovac kannte Perisic bereits aus seiner Zeit als Nationaltrainer, auch deswegen wird es sehr wahrscheinlich nicht zu einer Situation kommen wie in Dortmund. Perisic weiß ja, warum der FC Bayern ihn geholt hat. Aufgrund seiner Vielseitigkeit könnte er aber als Not-Ergänzungsspieler am Ende auf die Einsatzzeiten eines Stammspielers kommen.

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