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Pep Guardiolas erster Tag in München:Gomez könnte doch bleiben

Der Katalane sieht übrigens umwerfend aus in seinem grauen Dreiteiler samt weißem Einstecktuch und rostroter Krawatte, und dann spricht er einen Satz, der ihn womöglich am besten beschreibt und der zugleich die Phantasien zurückweist, da werde jetzt ein Überflieger einen Champions-League- und Triple-Sieger revolutionieren wollen wie einst Barça. "Der Fußball gehört den Spielern, nicht dem Trainer", sagt Guardiola. Gehört, allein das h darin muss ein Zungenbrecher sein für Iberer. Pep Guardiola mag diesen Satz vorbereitet haben. Aber er spricht ihn recht verständlich aus. Er war ihm sicher sehr wichtig.

Was seine Arbeit in München angeht, die Pläne für die "enorme Herausforderung nach einem gigantischen Jahr" (Hoeneß) - hierzu offenbart der Spanier vor allem die Absicht, das Fundament des Klubs nutzen zu wollen. Beim Thema kostspielige Transfers schüttelt er gleich sein Haupt, bei der "außergewöhnlichen" Mannschaft seines Vorgängers Jupp Heynckes müsse er nur "wenige, wenige Dinge wechseln". Das klingt fast nach schlechten Nachrichten für die nervigen Provisionsjäger des Dortmunder Stürmers Robert Lewandowski. Auch zum abwanderungswilligen Angreifer Mario Gomez äußert er sich neutral ("alle Spieler haben den gleichen Wert"); ehe Rummenigge anfügt, für Gomez läge "bis dato keine offizielle Anfrage vor, auch nicht aus Italien". Ergo steige auch der Stürmer am Mittwoch ins erste Training ein, "und dann warten wir mal ab".

Auf Gomez wird Guardiola auf Sicht verzichten können, er hat ja seinen Wunschspieler Mario Götze aus Dortmund erhalten. Ansonsten interessiert ihn der Nachwuchs: "Ich bin mir sicher, dass Bayern München gute junge Spieler hat" - eine "Vertrauensperson von mir" habe seit der Vertragsunterschrift vor Weihnachten die Spiele der Amateure und Junioren observiert. Guardiola erwähnt auch seinen ortskundigen Assistenten Hermann Gerland. Mit ihm hat er bereits telefoniert.

Auf Gerlands Expertise, auf Sammers Einschätzung und jene vom "Kalle", wie er den AG-Chef nennt, ist Guardiola aber auch angewiesen, trotz des intensiven TV-Studiums der Liga in New York. Denn die Geheimniskrämerei um seinen Transfer, seine eigene respektvolle Diskretion wegen des geschätzten Vorgängers Heynckes, mit dem er sich austauschen möchte ("Seine Meinung wäre super für mich"), führt dazu - dass Guardiola den FC Bayern jetzt erst mal erkunden muss: Nur vor einigen Jahren war er mal an der Säbener Straße, doch "die Spieler kenne ich noch nicht persönlich". Schuld sei im Übrigen seine Deutschlehrerin in New York: "Sie unterstützt den BVB, sie ließ mich nicht hierhin."

Guardiola startet sein Abenteuer demnach mit guten Deutschkenntnissen. Den Rest lernt er erst noch kennen. Auch dieser Umstand erklärt wohl die bemerkenswerte Demut, in der er und die ungemein stolzen Bayern jetzt vereint sind. "Das System ist egal", sagt Guardiola ja sogar, die Offensive sei aber "meine Idee von Fußball". Konkreter wird er nicht, auch nicht bei den Zielen. Er sagt dazu nur: "Ich brauche Zeit." Der ehrgeizige Chef Rummenigge belässt es da gern bei der Meisterschaft, "das Maß der Dinge ist die Bundesliga, in den anderen Wettbewerben wollen wir eine gute Rolle spielen". Auch die Bayern wollen offenbar mutig sein wie der Abenteurer Guardiola: Es muss nicht gleich das Triple sein.

© SZ vom 25.06.2013/jbe

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