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Pep Guardiolas erster Tag in München:In Demut vereint

FC Bayern München - Vorstellung Trainer Pep Guardiola

Glücklich und fototauglich: Die Bayern-Verantwortlichen bei der Vorstellung von Pep Guardiola. 

(Foto: dpa)

Bei seinem heiß erwarteten Amtsantritt gibt sich der neue Bayern-Trainer Josep Guardiola demonstrativ bescheiden. Er will offensiv spielen lassen, Talente fördern - und nur "wenige, wenige Dinge wechseln". Die Verantwortlichen des Klubs zeigen sich angetan. Auch in Sachen Personal gibt es Erkenntnisse.

Nach einer Stunde verschwinden sie wieder hinter der Tür. Manchmal öffnet sie sich aber noch, weitere Vertraute folgen Pep Guardiola hinter den Theatervorhang aus Holz, und durch den Türspalt sind dann Menschen zu sehen, die sehr erleichtert ausschauen, vor allem aber: begeistert. Fasziniert. Uli Hoeneß, der Präsident, steht neben Guardiola, der tief Luft holt und Gratulationen entgegennimmt.

Denn Pep Guardiola hat ihn überstanden, den ersten Auftritt als neuer Trainer des FC Bayern, der für ihn eine gewaltige Mutprobe gewesen sein muss, eine Art mündliches Deutschabitur, abzulegen bereits nach der Grundschule. Von einem, der zwar als lebende Legende von nur 42 Jahren gilt und der zuletzt doch eher ein Phantom war, wegen des Jahres Auszeit nach der aufwühlenden Titeljagd mit seinem Meisterwerk, Messis FC Barcelona.

Nun also dieses Abenteuer in der Fremde, der angeblich beste Trainer des Erdballs beim zurzeit besten Team des Kontinents. Aber so würde Guardiola dieses weltweit bestaunte Projekt niemals umschreiben: Am Ende der Pressekonferenz standen sie noch einmal zum Gruppenfoto zusammen, Guardiola und seine neuen Chefs, er hielt seine neue Trainingsjacke einem Inferno der Blitzlichter entgegen, neben ihm stand Hoeneß. "Sie ist sehr groß für mich!", sagte Guardiola über die Jacke, auch das in gutem Deutsch, und wie er dabei grinste und Hoeneß ein Lachen entlockte, verstanden sie beide, dass dieser Scherz den Kern seiner Botschaft umfasste: Ich, Pep Guardiola, komme nicht als der Größte. Sondern als wissbegieriger Freund.

Einige der Fachleute und Puristen im von rund 250 Journalisten aus aller Welt überfüllten Auditorium der Münchner Arena sind vielleicht enttäuscht gewesen über diese eher schlichte Programmatik des neuen Bayern-Trainers, der sich hinreißend smart einführte: "Guten Tag, Grüß Gott, meine Damen und Herren, verzeihen Sie mir mein Deutsch - aber ich habe ein Jahr in New York gelebt, und es ist nicht der optimale Ort, um Deutsch zu lernen." Es ist jedoch dieser große Anspruch, trotz nur rund fünf Monaten Deutschunterricht im Big Apple seine Vorstellung in der Sprache seiner neuen Gastgeber durchzuführen, mit dem Guardiola die Zuhörer beeindruckt. Er könnte für seinen berüchtigten Ehrgeiz stehen, aber eher steht dieser Anspruch wohl für dies: Demut.

Guardiola sagt jedenfalls Dinge, die Hoeneß, Vorstand Karl-Heinz Rummenigge und Sportchef Matthias Sammer verzücken müssen, obwohl sie das alles von Guardiola ja schon mal gehört haben, wenn auch nicht auf deutsch. "Es ist ein Geschenk, dass ich hier bin und Bayern München überhaupt daran gedacht hat, dass ich hier sein kann", sagt er zum Beispiel. Oder auch, dass er "wegen der Spieler" gekommen sei, an deren "hohe Qualität ich mich anpassen muss". Weshalb er Bayern ausgewählt habe? "Wegen ihrer Geschichte", es gebe "wenige Vereine in der Welt, die speziell sind, und Bayern München ist einer dieser Vereine - wenn sie mich rufen, ist das eine Riesenchance für mich".