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Pep Guardiola im DFB-Pokal:Jetzt spricht der Stuhl

08 04 2015 Fussball DFB Pokal 2014 2015 Viertelfinale Bayer Leverkusen FC Bayern München in de; Pep Guardiola Klappstuhl

Hatten es beide nicht leicht: Pep Guardiola und der Klappstuhl

(Foto: imago/MIS)

Pep Guardiola macht einen Klappstuhl im DFB-Pokal berühmt - doch der ist danach stinksauer: Im Interview spricht das Möbelstück über die Spuren, die der Bayern-Trainer hinterlassen hat.

Von Saskia Aleythe

Stolzieren, dirigieren, sinnieren - Pep Guardiola hat an der Seitenlinie ein großes Repertoire an Gesten und Aktivitäten. Kreativ war der Trainer des FC Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen: Kurz vor dem Elfmeterschießen schnappte er sich einen Klappstuhl und verfolgte das Szenario nervös auf dem hölzernen Requisit. Eben noch im Keller, schon unterm Hintern von Pep Guardiola - so berühmt war kaum ein Klappstuhl zuvor. Doch macht das ein Möbelstück glücklich? SZ.de hat nachgefragt.

SZ.de: Lieber Klappstuhl, haben Sie überhaupt noch eine ruhige Minute?

Klappstuhl (knarzt): Sie brauchen nicht zu glauben, ich hätte die Nacht mit Stuhltanz durchgemacht. Auf den Ruhm hätte ich gerne verzichtet. Ich sage Ihnen was: Ich fordere eine Entschuldigung von Herrn Guardiola.

Wieso das denn?

Das muss ich Ihnen erklären? Ich fühle mich benutzt! Da verbringt man zwei Stunden seines Lebens im Stadion, wartet 120 Minuten auf ein verdammtes Tor - und wenn es endlich zum Elfmeterschießen kommt, versperrt einem ein Arsch die Sicht.

Ich verstehe Ihre Empörung. Aber so nah waren Sie sicher noch nie am Spielfeldrand.

Immerhin, ja. Wer als Klappstuhl auf die Welt kommt, muss sich damit abfinden: Zwischen Baumarkt und Gartensparte gibt es nicht viel zu sehen, die Zeit in Abstellräumen ist noch trister. Als Stadionstuhl hab ich es schon ganz gut erwischt. Ein Fußballspiel im DFB-Pokal ist dann nochmal seltener - so wie Mario Götze ohne Kopfhörer im Bayernbus.

Erlauben Sie eine indiskrete Frage: Wie hat er sich denn angefühlt, der Guardiola?

Da die Zeiten als Klappstuhl generell rauer geworden sind: Alles ist angenehmer als diese Polyester-Jogginghosen. So einen feinen Zwirn sieht man nicht oft. Über die Beschaffenheit des Hinterns werden Sie von mir aber nichts erfahren.

Och.

Klappstuhl-Ehrenkodex. Aber wissen Sie, was das Schlimmste war?

Dass er mit Ihnen gekippelt ist?

Das auch. Bin ich ein Schaukelstuhl, oder was?

Dass er Sie nach dem Sieg achtlos hat stehen lassen?

Ach, daran bin ich gewöhnt. Die meisten Menschen sehen in uns Möbeln ja nur Gebrauchsgegenstände.

Also?

Das Smartphone in der Hosentasche. Auf Vibrationsalarm! Geht's noch? Warum rammt er mir nicht gleich einen grobzackigen Hobel in die Sitzfläche? Bei jedem geschossenen Elfmeter schrammelte das Ding los, weil Nachrichten eintrudelten. Die Kerben werde ich mein Leben lang mit mir herumtragen.

Im Halbfinale werden wir Sie dann vermutlich nicht wiedersehen?

Gut kombiniert. Ich komme erst wieder, wenn Guardiolas Trainerstuhl wackelt.

© SZ.de/sonn/rus
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