Olympia in Peking:Wer schweigt, ist mitschuldig

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Eiskalt genießen: Ein Coca-Cola-Werbeplakat in Peking vor den Olympischen Spielen 2008. (Foto: Stephen Shaver/ZUMA Wire/imago)

Es wird höchste Zeit, dass sich rund um die umstrittenen Peking-Spiele die mächtigsten Teilhaber äußern: allen voran die Sponsoren des Internationalen Olympischen Komitees.

Kommentar von Johannes Knuth

Die amerikanische Biathletin Clare Egan ist eine von gar nicht mal so vielen Sportlern, die zuletzt ihre Stimme erhoben, wenn es um die toxischen Begleiterscheinungen der kommenden Winterspiele ging. Sie tat das, indem sie gewisse Werte zitierte, die auch der organisierte Sport gerne für sich reklamiert. "Wenn du etwas siehst, das falsch läuft, solltest du nicht nur dasitzen und nichts tun", sagte Egan kürzlich der New York Times.

Sportpolitik
:Am liebsten neutral

IOC-Präsident Thomas Bach hält trotz des Trubels um die Tennisspielerin Peng Shuai am sanften Kurs gegenüber China fest. Die "stille Diplomatie" sei "ein Erfolg versprechender Weg, den wir weiter verfolgen werden". Die Kritik der USA am nächsten Olympia-Ausrichter will er nicht teilen.

Nun proklamiert der organisierte Sport häufig das eine und tut das andere, vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC). Und nirgends zeigt sich das gerade krasser als bei den Peking-Spielen. Da verkriecht sich das sonst gerne sehr politische IOC konsequent hinter dem Mantra der politischen Neutralität, wenn es um die Menschenrechtsvergehen der Gastgeber geht. Das Komitee schafft es noch nicht einmal, die dort unterdrückten Völker beim Namen zu nennen.

Wenn es um umstrittene Ausrichter geht, entdecken die mächtigsten transnationalen Konzerne auf einmal ihre Machtlosigkeit

Zugleich schnallt es seinen Athleten, die rund um die Wettkämpfe mit diesen Missständen konfrontiert werden, noch größere Lasten auf. Höchste Zeit, dass all jene Parteien, deren Stimmen deutlich lauter dröhnen können, diese auch nutzen. Die Weltpolitik fängt gerade damit an, das Mindeste zu leisten, indem sie ihre Regierungsvertreter von der Gästeliste in Peking streichen lässt - das ist schon ein wenig schmerzhaft für ein Land, das sich mit Großereignissen in seiner Macht sonnen will. Die USA, Großbritannien, Australien und Kanada sind die bislang prominentesten Abwesenden. Die Europäische Union, die mit einer Stimme sprechen will, sollte sich schleunigst anschließen.

Besonders dröhnend schweigen noch immer die einflussreichsten Teilhaber: die Sponsoren der Spiele, ohne deren Millionen alle Beteiligten aufgeschmissen wären; von Visa, Coca-Cola, Procter & Gamble, Panasonic und Toyota bis zur deutschen Allianz. Wenn es um umstrittene Ausrichter geht, entdecken einige der mächtigsten transnationalen Konzerne auf einmal ihre Machtlosigkeit. "Wir suchen die Olympia-Gastgeber nicht aus, wir folgen nur den Athleten dorthin, wo sie antreten", sagte Paul Lalli, der bei Coca-Cola das Ressort Menschenrechte verantwortet, allen Ernstes, als er im vergangenen Sommer im US-Kongress vorgeladen wurde. Die Allianz, so berichtete es jetzt die FAZ, überlege zumindest, ihre Aktivitäten in Peking zurückzufahren.

Es wird höchste Zeit, dass die IOC-Sponsoren ihre Werbeplattform als das benennen, was sie in Peking auch ist: ein Deckmantel für Menschenrechtsverbrechen. Ansonsten gilt, was Clare Egan zuletzt ebenfalls sagte: "Wer schweigt, macht sich mitschuldig."

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