Juventus Turin Pogba trägt die Last der Nummer 10

Juventus' Paul Pogba: Viel zu erledigen für Juventus Turin

(Foto: AP)
Von Birgit Schönau, Rom

Im italienischen Fußball geben traditionell die Trainer den Ton an. Siegen ihre Teams, dürfen sie sich das an die Brust heften. Und wenn sie verlieren, natürlich erst recht. Generationen von kreativen Spielern hatten es deshalb nicht leicht in der Serie A, schon gar nicht bei Juventus Turin. "Zidane? Eher unterhaltsam als nützlich", urteilte einst der Avvocato Gianni Agnelli über den Weltmeister aus Frankreich auf seiner Gehaltsliste - kurz darauf zog Zidane nach fünf Jahren in Turin weiter zu Real Madrid.

Roberto Baggio, der kreativste Italiener seiner Generation, wurde von Agnelli als "durchnässtes Kaninchen" verhöhnt. Baggio blieb ebenfalls fünf Jahre, das letzte verbrachte er mit Marcello Lippi als Trainer, der ihm angeblich sogar die Chilischoten im Salat verbot. Alessandro Del Piero hielt es länger aus: 19 Jahre, 513 Einsätze, ein Rekord. Gianni Agnelli verglich ihn mit dem Renaissancemaler Pinturicchio, sein Neffe Andrea Agnelli jagte Del Piero vor drei Jahren vom Hof. Da war der Spieler 38 und älter als sein neuer Präsident.

Seine Trikotnummer 10 ging an den Argentinier Carlos Tevez, der kein großer Kreativer ist, eher ein wilder Wühler voller Lebenswut, der aus fast jeder Situation das Tor findet. Jetzt ist Tevez weg, Paul Pogba trägt die Nummer 10. Pogba, der Krake, das Supertalent. Andrea Agnelli hat ihm noch keinen eigenen Spitznamen verpasst, er versteht sich als Manager, nicht als Patriarch wie sein Onkel, der einst der Frau von Michel Platini rote Rosen schickte, um für Juventus zu werben. Und Platini kam, ebenfalls Nummer 10.

Die Zeit des Austobens ist vorbei

Eine Bürde sei das für Pogba, wurde im Sommer gemunkelt, als er sein neues Trikot überstreifte. "Eine Auszeichnung", entgegnete sein Trainer Massimiliano Allegri. Aber Allegri ließ auch durchblicken, Pogba müsse in die Rolle hineinwachsen. Er sei nun gefordert, müsse zeigen, was er kann. "Spielen, was er kann." Bei Juventus bedeutet ein solcher Satz: Bis jetzt war Spaß, nun ist die Zeit des Sichaustobens vorbei. Pogba, soviel war klar, konnte sich fortan hinter niemandem mehr verstecken. Nicht hinter dem Wühler Tevez, nicht hinter dem Routinier Andrea Pirlo, nicht hinter dem robusten Arturo Vidal. Diese drei waren fort, ihm blieb die Nummer 10.

Als "Drogba für Arme" hatten sie Pogba in Italien belächelt, als er im August 2012 in Turin ankam. Sicher, der Junge musste Talent haben, sonst wäre Manchester United nicht auf ihn aufmerksam geworden, als der schlaksige Teenager noch in der nordfranzösischen Stadt Le Havre kickte. Seine Familie war von Guinea aus in das Hinterland von Paris emigriert, seine beiden älteren Brüder sind ebenfalls Fußballer, allerdings mit mäßigem Erfolg: Florentin spielt immerhin für den französischen Erstligisten St. Etienne, Mathias bei Partick Thistle in der höchsten schottischen Liga. Die Zwillinge sind außerdem im Aufgebot von Guinea.

Paul hingegen verkörpert das neue Frankreich in der Equipe Tricolore. Mit 16 zog er nach Manchester, mit 18 debütierte er dort in der ersten Mannschaft, mit 19 war er bei Sir Alex Ferguson in Ungnade gefallen. Da verließ er England und entschied sich für Juventus. Dort überzeugte er die Skeptiker prompt. Kaum hatte er das schwarz-weiße Trikot übergestreift, traf er auch schon gegen den Erzrivalen SSC Neapel. Und an Drogba dachte in Turin bald niemand mehr.