bedeckt München 24°

Parmas Stürmer Antonio Cassano:Der Straßenköter geht bellend vom Hof

IPP20150118 Football soccer Serie A FC Parma Sampdoria Genua antonio cassano xHOCHxZWEIx

Und wenn's vorbei ist mit der Karriere, na und? Antonio Cassano, 32, hat jetzt den FC Parma verlassen, wie es seine Art ist: mit einem lauten Knall.

(Foto: Hochzwei/imago)

Kindskopf, Aufschneider, Frauenheld: Italiens umtriebiger Nationalspieler Antonio Cassano will mit den Leuten, die seinen FC Parma ruinieren, nichts mehr zu tun haben und schmeißt hin. Wie es so seine Art ist: mit einem lauten Knall.

Er ist der Bad Boy des italienischen Fußballs, und sein schlechter Ruf reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Als "Straßenköter" sortierte ihn einst der Fernseh-Rassehund Reinhold Beckmann ein - das war 2012, als der Nationalspieler Antonio Cassano seinem damaligen Sturmkollegen Mario Balotelli bei einem Tor gegen die Deutschen assistiert hatte.

"Straßenköter", so ähnlich hatten sie Cassano in seiner Heimatstadt Bari auch genannt, wo er als uneheliches Kind seiner Mutter aufgewachsen war. Der verheiratete Vater hatte eine andere Familie, gut bürgerlich waren sie alle nicht. Ein Halbbruder: Anführer der "Porsche-Cayenne-Bande", benannt nach dem Gefährt, mit dem die Ganoven geklaute Geldautomaten abtransportierten. Die Mutter: als Hausmeisterin einer Schule verwickelt in eine üble Drogensache. "Wäre ich nicht Fußballer geworden, ich hätte wohl als Krimineller Karriere gemacht", hat Cassano mal in der ihm eigenen entwaffnenden Art gestanden.

Jetzt ist er 32 und schon seit 15 Jahren Profi. AS Bari, AS Rom, Real Madrid, Sampdoria Genua, AC Mailand, Inter Mailand, Parma. Stopp, Schluss, Aus, Ende. Vielleicht für immer.

Und doch hat Antonio Cassano soeben in Parma gezeigt, dass Straßenköter mehr Würde haben können als eine ganze Mannschaft reinrassiger Pinscher. Anstatt für ein paar Brosamen weiter das absurde Theater der Klubführung zu ertragen, ist Cassano türenknallend gegangen. Er löste seinen Vertrag auf, er verzichtete auf sein Geld, er hatte keine Lust mehr, das Hündchen für die Besänftigung des Publikums zu spielen: "Ich lasse mich nicht verschaukeln."

Mit einem Bruttogehalt von drei Millionen Euro war Cassano Parmas bestbezahlter Spieler, jedenfalls auf dem Papier. Denn seit Juli bekommen die Kicker des FC keinen Cent Gehalt mehr.

Der FC Parma ist faktisch pleite

Innerhalb von zwei Monaten wurde der Klub zweimal verkauft, in acht Wochen lösten sich fünf Präsidenten ab. Am Dienstag, um Mitternacht, verstrich auch die letzte Frist zur Zahlung der Gehälter. Nun ist der FC Parma faktisch pleite, mit 100 Millionen Euro Schulden und einem Präsidenten, dessen in Slowenien ansässiges "Dienstleistungsunternehmen" ein Stammkapital von 7500 Euro aufweist. "Das Geld ist unterwegs", beteuerte Giampietro Manenti noch am späten Montagabend. Auslandsüberweisungen dauerten halt ihre Zeit, Belege habe er leider keine. Die ersten Klub-Autos ließ der Staatsanwalt schon pfänden, und das Tabellenschlusslicht kassiert wohl weitere Strafpunkte.

Die Zweitklassigkeit ist eh schon besiegelt. Doch mit der Pleite kommt der Absturz in die Amateurliga, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Präsident Manenti genau darauf spekuliert: Für den symbolischen Preis von einem Euro einen Traditionsklub aus einer der reichsten italienischen Provinzstädte zu übernehmen, mit ihm hinabzusteigen ins Unterholz - und sich dann aufhelfen zu lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite