Paris St. Germain "Widerlich"

Frankreich empört sich über die Rassismus-Enthüllungen beim Topklub Paris St. Germain.

(Foto: Franck Fife/AFP)

Frankreich empört sich über die Rassismus-Enthüllungen im Nachwuchszentrum von Paris St. Germain. Der Hauptstadtklub leitet interne Untersuchungen ein.

Von Oliver Meiler

Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu ist "bestürzt". L' Equipe schreibt von einer "erschreckenden Affäre". Und die Zeitung Le Parisien, die Paris St. Germain sonst mit fast höfischer und heiliger Ergebenheit folgt, findet das alles nur noch "nauséabond" - widerlich also.

Im Nachwuchszentrum des katarisch finanzierten Topklubs der Ligue 1 gab es zwischen 2013 und Frühjahr 2018 ein Register, in dem Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren nach ethnischen Kriterien klassiert wurden. Das System führte vier Kategorien: "Schwarzafrika", "Maghrebiner", "Antillen" und "Franzose". Die fünfzehn Scouts, die außerhalb der Metroregion von Paris nach jungen Talenten suchten, sollten bei der Erfassung in gar keinem Fall die Kategorien "Franzose" mit einer der anderen Kategorien mischen. Oder anders: Entscheidend war die Hautfarbe.

Die "Direktion" wolle, dass die "Mischung" stimme, heißt es in internen Dokumenten, die von der Enthüllungsplattform Médiapart im Rahmen der "Football Leaks" veröffentlicht wurden: "In Paris und Umgebung haben wir zu viele von den Antillen und aus Schwarzafrika." Man müsse dafür sorgen, dass Junge dazukommen, die das "Niveau der Spielintelligenz" heben. Gemeint war damit unumwunden und offen rassistisch, dass Fußballer mit weißer Hautfarbe spielintelligenter seien als solche aus Afrika oder den Antillen.

Zuständig für diese Vereinsabteilung und die Datei waren der frühere stellvertretende Sportdirektor von PSG, Olivier Létang, und der ehemalige Chefscout des Vereins, Marc Westerloppe, auch bekannt als Entdecker von Didier Drogba. Beide arbeiten mittlerweile bei Stade Rennes in der Bretagne. Das Register, so weiß man heute, wurde nach ihrem Weggang noch eine Weile weitergeführt. Der Klub betonte, dass die Formulare allein auf die persönliche Initiative des Abteilungsleiters erstellt und angewendet worden seien. PSG hat eine interne Untersuchung eingeleitet und will die Ergebnisse ab der kommenden Woche mit den Behörden teilen. Das berichtete am Freitag die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Klub.

Ministerin Maracineanu hat nach eigenen Angaben die Präsidenten des französischen Verbands FFF und der Liga aufgerufen, den Fall zu prüfen. Der FFF teilte am Freitag mit, den nationalen Ethikrateingeschaltet zu haben. Von Bedeutung ist, woher die Devise kam, mit Quoten die "Mischung" zu regulieren. War mit "la direction" nur die Sport- oder gleich die Generaldirektion gemeint? Die Frage ist auch strafrechtlich relevant: Laut französischem Strafgesetzbuch, Artikel 226-19, ist es nämlich verboten, Dateien anzulegen, in der die ethnische oder religiöse Zugehörigkeit der Personen aufscheint. Im Höchstfall stehen auf der Verletzung von Artikel 226-19 eine Haftstrafe von fünf Jahren und eine Geldbuße von 300 000 Euro.

Jean-Claude Blanc, der Generaldirektor, wies alle Verantwortung von sich. "Wir fühlen uns betrogen", sagte er in allen Medien, man habe erst vor einem Monat von diesen "inakzeptablen und illegalen" Dateien gehört. Aufgeflogen ist die Praxis wahrscheinlich am Fall von Yann Gboho, 17, der in der Elfenbeinküste geboren wurde, in Rouen heranwuchs und seitdem für Frankreich spielt. 2014 war er bei PSG im Gespräch. Doch dann wurde er offenbar wegen seiner Hautfarbe aussortiert. Nun spielt Gboho ausgerechnet in Rennes.

Die Affäre ruft in Erinnerung, dass Laurent Blanc, Weltmeister 1998 und später Trainer der Bleus, 2011 die Einführung ähnlicher Quoten vorschlug. Der Fall löste Empörung aus, wurde dann aber zu den Akten gelegt. Blanc wurde 2013 Trainer von PSG.