Paralympics:Gold und Silber für deutsche Radfahrerinnen

Tokyo 2020 Paralympic Games - Cycling Road

Jana Majunke (Mitte) gewann erneut Gold in Tokio.

(Foto: REUTERS)

Im Dreirad gibt es einen Doppelsieg, Jana Majunke glänzt erneut als Siegerin. Die Rollstuhlbasketballerinnen scheiden im Halbfinale aus, die Tischtennis-Herren verpassen Gold denkbar knapp.

Meldungen von den Paralympics

Tischtennis: Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle haben die große Chance auf ihr erstes Tischtennis-Gold bei Paralympics vergeben. Durch ein 1:2 verloren die beiden querschnittsgelähmten Athleten zum dritten Mal nacheinander im Endspiel des Teamwettbewerbs gegen China. Beim Stand von 1:1 schien der Sieg diesmal griffbereit, als die deutsche Nummer eins Schmidberger gegen die chinesische Nummer zwei Xiang Zhai antrat und mit 2:0 Sätzen vorne lag. Doch der 29 Jahre alte Düsseldorfer verlor die Partie noch mit 2:3 (11:7, 12:10, 4:11, 7:11, 4:11).

Schon 2012 in London und 2016 in Rio hatten Schmidberger und Brüchle jeweils das Finale gegen die Chinesen verloren. Schmidberger unterlag zudem in Rio und nun auch in Tokio im Einzelfinale gegen Panfeng Feng. Es ist somit seine fünfte Silbermedaille bei Paralympics, auf Gold wartet er noch, alle Endspiele verlor er gegen China.

Im Doppel hatte das deutsche Duo zunächst Zhai und Feng mit 3:2 niedergerungen (11:8, 15:13, 4:11, 7:11, 11:9). Anschließend hielt der 45 Jahre alte Brüchle aus Frickenhausen gegen Ausnahmespieler Feng gut mit, musste sich aber mit 1:3 (13:11, 3:11, 8:11, 9:11) geschlagen geben.

Rollstuhlbasketball: Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen sind auf ihrer Gold-Mission bei den Paralympics in Tokio im Halbfinale gescheitert. Die Mannschaft von Trainer Dennis Nohl verlor gegen Welt- und Europameister Niederlande mit 42:52 (25:26). Im Spiel um Bronze trifft das deutsche Team nun auf China oder die USA.

Beste Werferin gegen den Erzrivalen war Katharina Lang mit 18 Punkten, Fahnenträgerin Mareike Miller gelangen in einer lange Zeit umkämpften Partie 14 Zähler. Es war nach einer Gruppenphase mit vier Siegen und dem Erfolg im Viertelfinale gegen Spanien die erste Niederlage in Tokio. Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen hatten 2008 in Peking und 2016 in Rio jeweils Silber gewonnen, 2012 in London wurden sie Paralympics-Sieger. Die Männer waren am Mittwoch im Viertelfinale wie 2016 an Spanien gescheitert.

Radsport: Die Dreirad-Fahrerinnen Jana Majunke und Angelika Dreock-Käser haben bei den Paralympics einen deutschen Doppelerfolg gefeiert. Die 31 Jahre alte Majunke gewann am Donnerstag nach dem Zeitfahren auch das Straßenrennen über 26,4 Kilometer in Oyama und holte die zehnte deutsche Goldmedaille in Japan. Die an spastischen Bewegungsstörungen leidende Cottbuserin dominierte von Beginn an das Feld, konnte sich schnell absetzen und siegte in 1:00:58 Stunden. Ihre 23 Jahre ältere Vereinskollegin Angelika Dreock-Käser, die nach einem Schlaganfall erstmals bei Paralympics startete, kam nach 1:03:40 Stunden als Zweite ins Ziel und jubelte nach Bronze im Zeitfahren ebenfalls über ihr zweites Edelmetall.

Leichtathletik: Markus Rehm hat bei den Paralympics in Tokio erwartungsgemäß zum dritten Mal in Folge Gold im Weitsprung geholt. Mit 8,18 Metern siegte der Leverkusener bei Regen mit 79 Zentimetern Vorsprung vor dem Franzosen Dimitri Pavade. Seine Hoffnung, erneut seinen zwei Monate alten Weltrekord anzugreifen (8,62) oder weiter zu springen als der Grieche Miltiadis Tentoglou bei dessen Olympiasieg (8,41) erfüllten sich aber nicht. Der weiteste Sprung - der letzte - war am Mittwoch ungültig.

Seit seinem internationalen Debüt bei der WM 2011 ist Rehm nun 15 Mal im Weitsprung bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Paralympics gestartet und hat immer Gold geholt. Der 34-Jährige hatte außer Konkurrenz auch bei den Olympischen Spielen starten wollen. Sein Start war aber trotz Normerfüllung vom Leichtathletik-Weltverband abgelehnt worden, der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte dies bestätigt.

Schwimmen: Doppelgold in nur sechs Minuten: Taliso Engel und Elena Krawzow haben den deutschen Schwimmern bei den Paralympics in Tokio einen goldenen Abend beschert. Welt- und Europameister Engel siegte über 100 m Brust in Weltrekordzeit von 1:02,97 Minuten und verwies David Henry Abrahams (USA) mit knapp anderthalb Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz. Bereits im Vorlauf am Morgen hatte der sehbehinderte 19-Jährige in 1:03,53 Minuten in der Startklasse SB13 die alte Weltbestzeit geknackt.

Auch Krawzow ließ der Konkurrenz über die gleiche Distanz keine Chance. Die 27-Jährige gewann bei den Frauen in der Startklasse SB13 nach einer starken Aufholjagd in 1:13,46 Minuten und krönte sich nach Silber in London und einem enttäuschenden fünften Platz in Rio erstmals zur Paralympics-Siegerin. Es waren die ersten deutschen Goldmedaillen der Schwimmer seit London 2012, in Rio hatte es keinen Triumph gegeben.

Engel schaffte gleich bei seiner ersten Teilnahme den Sprung auf den Thron. Trotz seines Weltrekordes im Vorlauf hatte er sich mit Kampfansagen zurückgehalten. "Ziel ist immer noch eine Medaille. Hauptsache irgendeine Medaille, welche ist mir im Moment relativ egal", sagte er. Es wurde Gold und das mit einer Fabelzeit von mehr als sechs Zehntelsekunden unter dem alten Weltrekord.

Tischtennis: Björn Schnake und Thomas Rau haben bei den Paralympics in Tokio die vierte Medaille für die deutschen Tischtennisspieler geholt. Die Deutschen unterlagen zwar im Halbfinale des Team-Wettbewerbs in der kombinierten Startklasse sechs und sieben den favorisierten Chinesen klar mit 0:2, die Bronzemedaille hat das Duo aber trotzdem sicher. Der dritte Platz wird in Japan nicht ausgespielt.

In der Klasse drei spielen Thomas Brüchle und Thomas Schmidberger um die Goldmedaille. Die topgesetzten Deutschen gewannen ihr Halbfinale gegen Tschechien mühelos mit 2:0. Im Endspiel am Donnerstag (11.30 Uhr MESZ) treffen die Silbermedaillengewinner von Rio auf China.

Die favorisierten Brüchle (Lindau) und Einzel-Silbermedaillengewinner Schmidberger (Düsseldorf) zeigten den Tschechen bereits im Doppel mit 3:0 die Grenzen auf. Im Einzel machte Brüchle gegen Petr Svatos den Finaleinzug mit 3:1 perfekt. Das DBS-Duo war aufgrund der Setzliste durch ein Freilos direkt in die Vorschlussrunde eingezogen.

Rollstuhlbasketball: Die deutschen Rollstuhlbasketballer haben das Halbfinale der Paralympics knapp verpasst. Gegen Gold-Anwärter Spanien verlor die Mannschaft von Bundestrainer Nicolai Zeltinger am Mittwoch in Tokio mit 68:71 und schied im Viertelfinale aus. André Bienek hatte sieben Sekunden vor Schluss per Distanzwurf die Chance zum Ausgleich, doch der Ball landete nach einer Korbberührung bei den Spaniern. Thomas Böhme (16 Punkte) und Bienek (13) waren für Deutschland die erfolgreichsten Schützen.

Radfahren: Annika Zeyen hat einen Tag nach ihrer Goldmedaille im Zeitfahren die nächste Paralympics-Medaille geholt. Im Straßenrennen über 26,4 Kilometer landete die querschnittsgelähmte Bonnerin am Mittwoch in 56:21 Minuten auf dem Silberrang. Sechs Sekunden schneller war auf der ehemaligen Formel-1-Strecke am Fuße des Fuji die Niederländerin Jennette Jansen. Bronze ging an Alicia Dana (56:24) aus den USA. 2012 hatte Zeyen noch Gold im Rollstuhlbasketball gewonnen. Ihre eigentlich für diesen Sommer geplante Hochzeit hatte sie verschoben.

Andrea Eskau hat derweil ihre 16. Medaille verpasst. Die Handbikerin aus Magdeburg kam am Mittwoch im Straßenrennen in 2:47:25 Stunden mit knapp 24 Minuten Rückstand als Vierte ins Ziel. Paralympicssiegerin wurde die US-Amerikanerin Oksana Masters (2:23:39 Stunden). Silber ging an Chinesin Bianbian Sun (2:26:50) vor Katia Aere (2:28:11) aus Italien. Einen Tag zuvor kam Eskau im Einzelzeitfahren auf Platz fünf. Insgesamt hat die 50-Jährige, die auch im Winter als Biathletin und Langläuferin startet, 15 Paralympics-Medaillen gewonnen, davon acht Mal Gold.

© SZ/dpa/sid/and/tblo
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