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Paralympics:Bentele kritisiert IOC-Chef Bach: "Das geht überhaupt nicht"

Rio 2016 Paralympics - Eröffnungsfeier

Zur Abschlussfeier fuhr Annika Zeyen die deutsche Fahne ins Estádio do Maracanã in Rio.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, hat einiges am Umgang von IOC-Präsident Thomas Bach mit den Paralympics auszusetzen. Sie fürchtet um die olympische Bewegung insgesamt.

Von Boris Herrmann, Rio de Janeiro

Verena Bentele, die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, hat IOC-Präsident Thomas Bach für sein Fernbleiben von den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro kritisiert. "Dass Herr Bach in zehn Tagen keine Zeit gefunden hat, in Rio aufzutauchen, ist definitiv kein gutes Signal an die paralympische Bewegung", sagte die 34-Jährige in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Dass der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees bei seiner Rede auf der Abschlussfeier der Sommerspiele die Paralympics mit keinem Wort erwähnte, enttäuschte Bentele: "Das geht überhaupt nicht. Da frage ich mich schon, worüber haben wir eigentlich all die vergangenen Jahrzehnte geredet? Es gibt gemeinsame Organisationskomitees, die Sportstätten werden so angelegt, dass sie für beide Ereignisse da sind. Und das dann mit keinem Wort zu erwähnen, kann man auch nicht unter 'hab ich vergessen' verbuchen."

Bentele, die von Geburt an blind ist, gewann in ihrer Zeit als Sportlerin zwölf Goldmedaillen bei Paralympischen Winterspielen. Im November 2011 beendete sie ihre Karriere. Im Mai des folgenden Jahres trat Bentele der SPD bei, seit 2014 hat sie das Amt der Behindertenbeauftragten inne. In dieser Rolle besuchte sie die Paralympics, die am Sonntag zu Ende gingen.

Verena Bentele

Verena Bentele

(Foto: dpa)

Benteles Fazit: "Mein Enthusiasmus für den Sport ist riesengroß. Aber ich muss sagen: Wenn wir weiterhin diskutieren, dass wieder Trainer am Rand stehen, die schon zwanzig gedopte Sportler zu Medaillen geführt haben, dann hat der Sport irgendwann ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem." Ihre Befürchtung: Die Akzeptanz für die Spiele könnte weiter zurückgehen. Bentele: "Das sehen wir ja jetzt schon in Deutschland, wo wir in absehbarer Zeit wahrscheinlich keine Spiele haben werden, weil sich die Bürgerinnen und Bürger dagegen entschieden haben. Ich finde das sehr schade. Aber das wird in anderen westlichen Ländern sicher ähnlich sein, Teile der Bevölkerung fühlen sich dem nicht mehr zugehörig, sie möchten das nicht mehr im eigenen Land haben."

Trotz des Zuschauerzuspruchs, der bei den Paralympics in Rio größer als erwartet ausgefallen war, sei in den vergangenen Wochen einiges versäumt worden, glaubt Bentele. "Bei der Schlussfeier von Olympia müssen die Paralympics eine Rolle spielen und nicht ausschließlich der nächste Austragungsort", fordert sie, "es ist nämlich nicht alles zu Ende nach Olympia. In Rio klang das aber nach: Auf Wiedersehen, wir sehen uns in vier Jahren wieder!"

Hier lesen Sie das ganze Interview mit Verena Bentele:

© SZ/hof/hum

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