Parallel-Slalom in München:200 Meter Spektakel

Auf dem Münchner Olympiaberg inszeniert sich der Skirennsport als Massenereignis, was vielen gefällt - aber nicht allen. Der sportliche Wert des kurzweiligen City-Events ist bei den Teilnehmern umstritten.

Michael Neudecker

Wenn man oben steht und runterschaut, sagt Maria Riesch, auf die Masse, die sich am Fuß des Olympiabergs ausbreitet wie ein gewaltiger, lauter Teppich, 25.000 Menschen, "das ist ein Wahnsinnsgefühl", sie strahlt. Ihr Strahlen verschwindet dann aber schnell wieder, es ist Sonntagabend, der Münchner Parallelslalom ist noch in vollem Gange, aber Maria Riesch steht jetzt unten im Zielraum, sie ist schon ausgeschieden.

Weltcup Parallel-Slalom

Große Show im Schnelldurchlauf: Der Parallel-Slalom in München bot viel Action - aber war er auch sportlich hochwertig?

(Foto: dapd)

Sie war eine der Hauptattraktionen bei dieser Veranstaltung, dem ersten Stadtrennen in der alpinen Ski-Geschichte, für das Weltcup-Punkte vergeben wurden - am Ende aber siegte nicht Riesch, es kam überhaupt kein Deutscher unter die besten Drei. Bei den Frauen gewann die Schwedin Maria Pietilae-Holmner, bei den Männern der Kroate Ivica Kostelic.

Das Rennen am Olympiaberg war anders als die meisten anderen Ski-Weltcups, schon das Teilnehmerfeld: Qualifiziert waren die jeweils besten 16 Läufer der World Cup Start List (WCSL), in der die Punkte der Fahrer ein Jahr zurückgerechnet enthalten sind. Bis zum Weltcuprennen in Bormio mussten die Qualifizierten ihre Teilnahme bestätigen oder absagen, für spätere Absagen legte die Fis 5000 Schweizer Franken als Strafe fest - um sicherzugehen, bei diesem Event alle bekannten Namen präsentieren zu können. Schließlich dient das City-Event ja letztlich nur einem Ziel: der Vermarktung der gesamten Sportart.

Drei Piepstöne zum Start

Das Reglement unterstrich den Event-Charakter: Pro Durchgang wurden zwei Läufe ausgetragen, im zweiten Lauf startete der Verlierer des ersten Laufs mit dem Rückstand, den er im Ziel aufwies - maximal aber 0,5 Sekunden, selbst dann, wenn er gestürzt war. Damit war gewährleistet, dass auch der zweite Lauf Spannung versprach, dass die Zuschauer immer mitfiebern, mitjubeln konnten.

Der sportliche Wert war deshalb der am meisten abgefragte an diesem Abend: Wie hoch kann die Qualität eines Rennens sein, das nach 200 Metern vorbei ist, zudem in einer Disziplin, die es sonst nicht gibt, nur hier, auf einem Stadtberg? In der sich nur 16 Läufer messen, auf einer 200 Meter langen Piste?

Ja, es sei schön gewesen, stellte der Amerikaner Bode Miller fest, einer der kritischen Geister der Branche, aber er hoffe nicht, dass das die Zukunft des Skisports sei: "Das hier ist kein Weltcup, es ist zu weit von dem entfernt, was Skirennsport wirklich ist." Millers Kritik aber wurde verschluckt von der Euphorie. Und der Sport, so empfanden das einige von Millers Kollegen, sei nicht im Vordergrund gewesen, sondern, wie etwa Maria Riesch feststellt: "Es geht darum, wie es bei den Leuten ankommt." Eben: ein Vermarktungs-Spektakel.

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