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Para-Sport in der Corona-Krise:"Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein"

Für Joneck geht es gerade weniger darum, an die Wiederaufnahme einer Form des Trainings zu denken - "es wäre kein vernünftiges Zeichen, so zu tun, als wäre das elementar wichtig", sagt er. Zumal ja ohnehin noch ein paar Monate Sommerpause ist. Es geht eher um Finanzielles: Die Wetzlarer Rollstuhlbasketballer gehören einer Interessengemeinschaft aus 16 hessischen Profi-Sportklubs an, der Fußball ausgenommen, die mit dem Landesinnenministerium darüber sprechen, wie sie fortbestehen können.

Der RSV werde es wohl "mit zwei blauen Augen und Kratzern" bis zum Sommer schaffen, sagt Joneck. Planmäßig würde die nächste Saison im Rollstuhlbasketball Ende September beginnen. Wann immer es wieder losgeht, sagt er, werde es auch um die Frage gehen, "ob der Rollstuhlbasketball und der Para-Sport einen Extraweg gehen müssen".

Beim RSV spielen neben Breuer noch weitere querschnittsgelähmte Basketballer, unter anderen der deutsche Nationalspieler Christopher Huber oder der Brite Simon Brown, der gerade froh sei, in der Sommerpause noch in Deutschland und nicht in der Heimat zu sein, erzählt Joneck. In Großbritannien hat der Ausbruch des Virus schließlich noch gravierende Folgen. Doch wenn es um mögliche Risikopatienten geht, denkt der Geschäftsführer nicht nur an seine Mannschaft. Auch der Co-Trainer und der Videocoach sind querschnittsgelähmt. Und es sei der Charakter der Sportart, sagt Joneck, dass er ein Publikum "mit einem deutlich höheren Anteil an Zuschauern, die zur Risikogruppe gehören", anziehe; viele Rollstuhlfahrer und Menschen mit Behinderung gehören zu den Fans. Zum letzten Hauptrundenspiel kamen 1600 Zuschauer in die Halle.

Wie der Extraweg für den Para-Sport aussehen könnte und ob es ihn überhaupt braucht, darüber möchte Joneck noch nicht spekulieren, dafür ist es noch zu früh. Fest steht nur, dass Spiele ohne Zuschauer keine Perspektive darstellen. Fest steht also, "dass wir sehr, sehr vorsichtig sein müssen".

Annabel Breuer sagt, sie sei froh, dass gerade gar nicht an Ausnahmen zum Training gedacht werde, auch zur eigenen Sicherheit. Einerseits habe sie zwar eine gute Lungenfunktion. Andererseits falle es ihr bei Erkältungen oft sehr schwer, Schleim abzuhusten. Aufgrund ihrer Lähmung sei ihre Lunge anfällig.

Am Anfang, erzählt sie, fand sie es sogar ganz nett, sich mal mit anderen Dingen zu beschäftigen als mit dem Sport. Sie zog für die Zeit der Ausgangsbeschränkungen zu ihren Eltern in die Nähe von Ulm, dort ist mehr Platz, auch für das Heimtraining. Inzwischen wünscht sie sich wenigstens die Aussicht, mal wieder mit ihrem Team zu spielen. Sie sagt: "Basketball vermisse ich schon sehr."

© SZ vom 23.04.2020/sonn
FC Bayern München - RB Leipzig

Meinung
Bundesliga
:Sollen sie spielen, zumindest auf Probe!

Ist es frivol, jetzt Profisport zuzulassen, damit Fernsehgeld in die Kassen kommt? Nein, vorausgesetzt, die Fußballbranche zeigt Demut und Solidarität. Der Gesellschaft täte in der Krise ein wenig Ablenkung nur gut.

Kommentar von Josef Kelnberger

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