bedeckt München

Homosexualität im Fußball:Abschied mit kritischen Worten

Der DFB veröffentlichte im Sommer 2013 bereits eine Informations-Broschüre mit dem Titel "Fußball und Homosexualität". Sie solle dazu anregen, "sich mit dem Thema sexuelle Identität unaufgeregt und entschleunigt auseinanderzusetzen", heißt es darin. "Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten", schrieb DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seinem Vorwort.

Hitzlsperger hatte sich Anfang September bereits mit sehr kritischen Worten aus dem Fußball-Geschäft verabschiedet. "Wirtschaftlich überdreht ist die Branche schon seit langem, und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen", hatte er in der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er beobachte diese Entwicklungen aufmerksam und stelle sich die Frage, "ob irgendwann mal die Ernüchterung eintritt und ans Tageslicht kommt, was sich hinter diesem Boom alles abgespielt hat".

Hitzlsperger hatte zuletzt im August 2010 gegen Dänemark (2:2) im DFB-Team gespielt und dabei sogar die Kapitänsbinde getragen. 2006 war er mit dem Nationalteam WM-Dritter, 2008 Vize-Europameister geworden. Bis zum Juli stand "The Hammer", wie er wegen seines harten Schusses auf der Insel genannt wurde, beim englischen Premier-League-Klub FC Everton unter Vertrag. Sein größter Erfolg auf Klubebene bleibt die deutsche Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 2007. In der Jugend war er für Bayern München aktiv.

Vor gut einem Monat hatte der britische Turmspringer Tom Daley im Internet seine Liebe zu einem Mann enthüllt. Im internationalen Fußball äußerte sich zuletzt der ehemalige US-Nationalspieler Robbie Rogers zu seiner Homosexualität. In England war Justin Fashanu der prominenteste Fall. 1998 erhängte er sich in einer Garage, nachdem ihm vorgeworfen worden war, einen 17 Jahre alten Jungen vergewaltigt zu haben. Frauen im Profisport haben dagegen mit privater Offenheit offenbar weniger Probleme. Torhüterin Nadine Angerer hat sich ebenso geoutet wie die ehemalige Teamkollegin Steffi Jones, jetzt DFB-Direktorin für den Frauenfußball.

© SZ.de/dpa/sid/sonn/jbe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema