Es ist möglich, den USA und ihrem Geld zu widerstehen. Teófilo Stevenson tat es, der große kubanische Schwergewichtler, er fragte, was denn eine Million Dollar im Vergleich zur Liebe von acht Millionen Kubanern seien. Oder Diego Maradona, der lieber in Havanna einen Preis von ideellem Wert abholte, als am gleichen Datum einen anderen in den USA einzusacken: „Behaltet ihn“, sagte er.
Oder eben Oscar Schmidt, der brasilianische Basketballer, der nun auch gestorben ist, im Alter von nur 68 Jahren, und unter anderem deshalb berühmt wurde, weil er in den 1980er-Jahren einen Vertrag mit einer NBA-Franchise ausschlug.
Schmidt wurde, wie an seinem Nachnamen unschwer abzulesen, im Schoße einer Familie mit deutschem Migrationshintergrund geboren; weil er wuchs, bis er 2,05 Meter maß, wurde aus dem Traum einer Fußballkarriere nichts. Dafür wurde er als Basketballer zum Giganten, zur Symbolfigur des brasilianischen Nationalteams. Er war so gut, dass sie ihn „Mão Santa“ tauften, Heilige Hand. Seine Erfolge führte er zwar nicht auf göttliche Einflüsse zurück, „ihr hättet mich mal trainieren sehen sollen“, sagte er. Dass sein Händchen aber von einer beispiellosen Präzision war, kann nicht geleugnet werden. Und es lässt sich durch eine Reihe von Rekorden belegen.
Legendär ist das Duell von Schmidt und Drazen Petrovic im Europapokal der Pokalsieger
Denn: Wer ist der einzige Spieler, der bei Olympischen Spielen mehr als tausend Punkte erzielt hat? Schmidt, bei fünf Teilnahmen zwischen Moskau 1980 und Atlanta 1996. Wer hat die meisten Punkte in einem einzigen Olympia-Match erzielt? Schmidt, mit 55 Zählern gegen Spanien in Seoul 1988. Wer war der treffsicherste WM-Schütze? Schmidt, mit 52 Punkten gegen Australien 1990. Erst 2024 löste ihn LeBron James als bester Scorer der Geschichte ab, Schmidt hatte in seiner Profikarriere 49 737 Punkte in 1612 Spielen gesammelt. Seine Titel aufzuzählen, würde zu weit führen, er holte in 69 Endspielen 49 Siege. Eine legendäre Niederlage erlitt er im Europapokal der Pokalsieger von 1989 mit Caserta – Schmidt spielte in diesem Vorort Neapels zwischen 1982 und 1990 – gegen Real Madrid. Dass sich Schmidt und der Jahre später auf einer deutschen Autobahn verunglückte Drazen Petrovic wie im Wahn duellierten, steht nicht bloß im Kleingedruckten der Annalen des Basketballs: Schmidt holte 44 Punkte für Caserta, Petrovic 62 Punkte für die Spanier: Real Madrid siegte 117:113 nach Verlängerung.
Fünf Jahre zuvor, 1984, hatte Schmidt einen NBA-Vertrag ausgeschlagen. Die New Jersey Nets hatten ihn gedraftet, doch weil seinerzeit die Regeln besagten, dass NBA-Spieler nicht an den Wettbewerben des Weltverbands Fiba teilnehmen dürfen, schlug Schmidt die Offerte aus: „Nichts war mir wichtiger als das Nationalteam.“ Er führte es bei den Panamerikanischen Spielen von Indianapolis 1987 zu seinem größten Sieg. Brasilien siegte 120:115, holte Gold und fügte dem Nationalteam der USA die erste Niederlage auf US-Boden zu. Schmidt wurde damit gewissermaßen zum Erzeuger des „Dream Team“ um Michael Jordan, Magic Johnson, Scottie Pippen und Larry Bird, das bei den Spielen von Barcelona 1992 mit allen NBA-Größen Gold holte.
Larry Bird war es, der 2013 bei Schmidts Einzug in die „Naismith Hall of Fame“ Pate stand, es ist die wichtigste Ruhmeshalle des Basketballs. Zwei Jahre zuvor war Schmidt ein 7,5 Zentimeter großer Hirntumor entfernt worden, er wusste seither, dass die Uhr für ihn noch erbarmungsloser ablief als für andere. Am Freitag starb Oscar Daniel Bezerra Schmidt in Santana de Parnaíba, im Bundesstaat São Paulo, sein Herz blieb stehen.


