Basketball in der NBAWenn Muffensausen eine ganze Saison kostet

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Moritz Wagner kam in Spiel sieben etwas überraschend zum Einsatz, nachdem er zuvor kaum mitspielen durfte bei den Magic
Moritz Wagner kam in Spiel sieben etwas überraschend zum Einsatz, nachdem er zuvor kaum mitspielen durfte bei den Magic
Nic Antaya/Getty Images via AFP
  • Die Orlando Magic scheitern in den NBA-Playoffs nach einer 3:1-Führung gegen Detroit und verpassen zum dritten Mal nacheinander den Einzug in die zweite Runde.
  • Franz Wagner verpasst die entscheidenden Spiele fünf, sechs und sieben verletzungsbedingt, nachdem er die Saison bereits auf nur 34 Partien verkürzt hatte.
  • Coach Jamahl Mosley wird am Tag nach dem Aus gefeuert, da das Team über Monate zu unkonstant spielte und das Angriffsspiel seit Jahren zäh gestaltete.
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Das Scheitern der Orlando Magic in den Playoffs trifft auch die deutschen Brüder Moritz und Franz Wagner hart. Verletzungen sind nur ein Teil der Erklärung – ihr Klub wirft prompt den Trainer raus.

Von Jonas Beckenkamp

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Die große „Was-wäre-gewesen-wenn-Frage“ schwebt nun über dem NBA-Standort Orlando wie eine düstere Wolke. Was wäre möglich gewesen mit diesem Basketballteam, wenn endlich mal alle gesund gewesen, wenn nicht immer wieder einer humpelnd vom Parkett geschlichen wäre. Wenn diese Mannschaft voller Talent nicht Muffensausen bekommen hätte, just in dem Moment, als man den Favoriten Detroit Pistons in dieser Playoff-Serie in den Seilen hatte. Wenn Franz Wagner durchgehend mitgespielt hätte anstatt, wie beim 94:116 im entscheidenden Spiel sieben dieses Erstrundenduells, in Zivil mit Baseballkappe auf der Bank zu hocken.

Alles hypothetisch, natürlich. Eine Saison als fortwährender Konjunktiv, das ist es, was in Orlando bleibt nach dem Aus in der Nacht auf Montag. Und riesige Enttäuschung. Die war in leeren, resignierten Blicken zu erkennen, als die Spieler die Arena in Detroit verließen, um sich in den Urlaub zu verabschieden. Franz Wagner zum Beispiel sah aus, als hätte man ihm für immer das Basketballspielen untersagt. Kollege Jalen Suggs hatte glasige Augen. Aber hilft nichts: Die Magic haben es wieder nicht geschafft, eine Playoff-Serie zu gewinnen, so wie seit 16 Jahren nicht. Sie mussten akzeptieren, dass ihrer jungen Truppe noch einiges fehlt.

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„Das ist das dritte Mal nacheinander, dass wir es nicht über die erste Playoffrunde geschafft haben. Die Antwort lautet also nein“, befand Orlandos Anführer Paolo Banchero auf die Frage, ob die Magic überhaupt dazu fähig seien, gegen die Elite der US-Profiliga zu reüssieren. „Ich kann nicht behaupten, dass wir gut genug sind, um ins Endspiel oder ins Finale der Eastern Conference zu kommen.“ Endspiele hatten sie ja gegen Detroit bereits gehabt, und zweimal fühlte es sich an, als zerreiße diese Drucksituation große Teile des millionenschweren Kaders. 224 Millionen Dollar für Franz Wagners Vertrag, fast 240 für Banchero, diese Zahlen stehen nun in Relation zum Scheitern nach einer zwischenzeitlichen 3:1-Führung gegen Detroit.

Basketball ist ein Spiel von Läufen, wer einmal trifft, trifft oft noch mal, wer durchhängt, wirft alles daneben.

Orlando bekam diese Regel auf schmerzhafte Weise zu spüren: Als das Team es zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt in Spiel sechs fertigbrachte, einen 24-Punkte-Vorsprung zu vergeigen. Was einer gefestigten Ansammlung an hoch bezahlten und hochbegabten Profis niemals passieren darf.

In Spiel sieben wirkte das Team gebrochen von dieser verpufften Chance, von der Aussicht, es ohne den im Verlauf der Serie verletzten Franz Wagner schaffen zu müssen. So ergaben sich Szenen, die das Gewürge einer ganzen Saison noch einmal zusammenfassten: Banchero (38 Punkte) dribbelte drauflos, der Rest stand unschlüssig herum, jeden Treffer musste man sich hart erarbeiten. Basketball als Soloshow statt cleverer Spielzüge, kaum Kniffe von der Trainerbank, was folgerichtig Coach Jamahl Mosley in den Fokus rückte, der am Tag nach der Schmach prompt gefeuert wurde. Es sei „Zeit für eine neue Stimme und frische Perspektiven“, verkündete Klubboss Jeff Weltman, der in blumigen Worten die Wahrheit umschiffte: Die Magic waren über Monate zu unkonstant übers Parkett geschlurft, ihr Angriffsspiel gestaltete sich seit Jahren zäh.

Nach dieser erneut zähen Saison muss prompt Orlandos Coach Jamahl Mosley gehen

„Wir haben einfach keine Abschlüsse gefunden“, hatte Mosley noch auf der Pressekonferenz nach dem Aus gesagt, in den Playoffs sei das Spiel „wie Schach“, jedes Team suche nach der richtigen Antwort auf Züge des Gegners. Nur dass er selbst keine Lösungen fand, um sie seinen Jungs an die Hand zu geben. Schon beim NBA-Gastspiel in Berlin im Januar war das zu beobachten gewesen: Damals hatte sich Franz Wagner nach seiner Knöchelverletzung vor Weihnachten gerade so zurückgekämpft, die Magic gewannen gegen Memphis, aber schön war’s nicht. Und Wagner bezahlte seinen verfrühten Einsatz vor Freunden und Familie in der Heimatstadt teuer. Die Stauchung an seinem Fuß war längst nicht ausgeheilt – und er fiel danach erneut wochenlang aus.

Franz und Moritz Wagner vor dem NBA-Spiel in Berlin: Haben sie eine gemeinsame Zukunft bei ihrem Klub Orlando Magic?
Franz und Moritz Wagner vor dem NBA-Spiel in Berlin: Haben sie eine gemeinsame Zukunft bei ihrem Klub Orlando Magic?
Soeren Stache/dpa

„Natürlich wollte ich unbedingt in Berlin spielen, aber wahrscheinlich war ich dafür noch nicht bereit. Ja, rückblickend war es eine schwierige Situation“, erklärte der 24-Jährige damals der Lokalzeitung Orlando Sentinel. Am Ende absolvierte Orlandos Bester in dieser zerrütteten Spielzeit nur 34 Partien, und ausgerechnet als es gegen die Pistons nun ums Weiterkommen ging, bremste ihn wieder eine Verletzung, diesmal an der Wade. Wagner konnte in Spiel fünf, sechs und sieben nur zuschauen, dabei hatte es zuvor ausgesehen, als gelänge den gerade so in die Playoffs hineingeschlüpften Magic eine Überraschung. Was wäre gewesen, wenn er fit gewesen wäre? Wenn seine Verteidigung, sein Biss, seine Fähigkeiten als Raumöffner das Team getragen hätten? Das spielt nun keine Rolle mehr, es geht vielmehr um die Zukunft und die Aussicht, wie es in Orlando jemals klappen soll.

Ein innovativer Trainer mit neuer Strategie könnte helfen. Einer, der die Offensive ins Laufen bekommt, das Team schneller macht, beweglicher, mit noch mehr Franz Wagner am Steuerrad. Er und sein Bruder Moritz, 29, sollten im Verbund mit Banchero Gesichter dieser Franchise sein, dazu der Münchner Tristan da Silva (in Spiel sieben ohne Punkte) und Wurfmaschine Desmond Bane. Aber nun steht alles infrage. Der Vertrag von Moritz Wagner läuft aus, nach seinem Kreuzbandriss war er ein Jahr lang ausgefallen und bekam zum Ende der Saison kaum noch Spielzeit. Steht sogar die auf ewig gedachte Verbindung der Wagner-Brüder mit Orlando auf dem Prüfstand? Es wird ein Sommer mit vielen Fragen in Florida. Und es muss bald Antworten geben.

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