Franz Wagner in der NBAUnd am Ende: drin!

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Glückliche Wende: Franz Wagner (rechts) hatte zunächst im Spiel gegen die Atlanta Hawks einen schweren Stand, irgendwann platzte dann nicht nur bei ihm der Knoten.
Glückliche Wende: Franz Wagner (rechts) hatte zunächst im Spiel gegen die Atlanta Hawks einen schweren Stand, irgendwann platzte dann nicht nur bei ihm der Knoten. Mike Ehrmann/Getty Images via AFP

Mit einem Sieg im Entscheidungsspiel qualifizieren sich Franz Wagner und die Orlando Magic doch noch für die Playoffs. Trotz der vielen Verletzungen will das Team in der ersten Runde Titelverteidiger Boston Celtics ärgern.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Franz Wagner hatte kaum etwas getroffen beim Entscheidungsspiel seiner Orlando Magic um den Einzug in die NBA-Playoffs gegen die Atlanta Hawks; aber dann, gegen Ende der ersten Halbzeit, endlich: drin! Wie das nun mal so ist in diesen Momenten, die jeder Sportler kennt: Die Erlösung nach Durststrecke ist meist kein Leckerbissen, sondern unspektakulär. Der Zufall hilft oft mit und versichert dem Begünstigten, dass das Glück, das bis hierhin gefehlt hat, einem von nun an wieder hold sein würde. Wagner hatte viel zu fest geworfen, er wollte den Ball nach einem Foulspiel irgendwie in Richtung Korb bugsieren; das Spielgerät, das davor so häufig vom Ring abgeprallt war, flog gegen die Glaswand dahinter und von dort aus durchs Netz. Wagner hob die Faust, gleichzeitig atmete er erleichtert aus. Drin, endlich! Jetzt wird es besser.

In gewisser Weise ist das auch die größere Botschaft für Orlando: drin, endlich! Mit dem 120:95 hat sich das Team für die Playoffs der nordamerikanischen Basketballliga qualifiziert; der Sieg im Playin-Spiel bedeutet Platz sieben der Setzliste in der Eastern Conference und ein Best-of-seven-Duell gegen die Boston Celtics von Sonntag an. „Wir wollen, dass die Playoff-Teilnahme als normal gilt“, sagt Wagner.

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Auf den ersten Blick ist die Bilanz von 41:41, der Umweg übers Extra-Spiel und ein Erstrunden-Duell gegen den Titelverteidiger freilich eine Enttäuschung für dieses Team mit dem klar formulierten Ziel, kontinuierlich zu einem Titelkandidaten reifen zu wollen. Es hätte besser laufen sollen als in der Saison davor mit 47:35-Bilanz und Erzwingen einer entscheidenden siebten Partie in der ersten Runde gegen die Cleveland Cavaliers.

Nur: Was wie ein Schritt zurück wirkt, ist in Wirklichkeit ein Wunder; vielleicht gar zwei Schritte vorwärts.

Denn dieser junge Kader war von derart großem Verletzungspech geplagt, dass man versucht war, die Franchise in Orlando Badstuber  in Anlehnung an den ehemaligen Bayern-Verteidiger umzubenennen. Wagner fehlte sechs Wochen mit Bauchmuskelriss; der andere Magic-Star Paolo Banchero mit der gleichen Verletzung gar zweieinhalb Monate. Wagners älterer Bruder Moritz fällt nach Kreuzbandriss kurz vor Weihnachten für den Rest der Saison aus; das große Talent Jalen Suggs nach Knorpelriss im Knie Anfang März ebenfalls. „Das ist eine sehr seltsame Saison“, sagt Trainer Jamal Mosley; eine, die er in 20 Jahren als NBA-Coach noch nicht erlebt habe: „Es fühlte sich an wie sieben Spielzeiten in einer: wieder einer verletzt, wieder umstellen, wieder anpassen.“ Insgesamt waren die drei Säulen Franz Wagner, 23 Jahre, Banchero, 22, und Suggs, 23, nur 96 von möglichen 3936 Minuten gemeinsam auf dem Parkett.

Die Magic sind gegen die Celtics Außenseiter, können aber zumindest viel Erfahrung sammeln

Orlando hätte auf diese Saison pfeifen und durch Nicht-Qualifikation für die Playoffs auf einen vorderen Platz bei der Talentbörse im Sommer hoffen können – doch genau das wollten sie nicht. Sie wollen gerade ihren jungen Stars so viele Playoff-Minuten wie möglich bescheren; Erfahrung sammeln für die kommenden Spielzeiten, in denen es ja dann um den Titel gehen soll. Zudem: Wagner und Banchero sind fit und in Form; gegen dieses Duo will nicht mal der Titelverteidiger in der ersten Runde antreten. Seit Anfang März hat Orlando zwölf von 18 Partien gewonnen; Banchero schaffte dabei 29,3 Zähler pro Spiel, Wagner in 16 Partien nacheinander jeweils mehr als 20 Punkte – im Schnitt 24,2 pro Partie.

Damit sind auch sowohl Stärke als auch Schwäche des Teams zu Beginn der Playoffs geklärt: Statistisch hat Orlando die zweitbeste Defensive der Liga (109,1 zugelassene Punkte pro 100 gegnerische Ballbesitze); die meisten Beobachter sind sich einig, dass es ohne die vielen Verletzungen gegen kein NBA-Team so schwer gewesen wäre, den Ball in den Korb zu befördern. In der Offensive haben sie Wagner und Banchero – allerdings brauchen sie von beiden gleichzeitig sehr viele Drin-Momente, damit es zu Siegen in wichtigen Partien reicht. Spiel sieben der ersten Playoff-Runde vergangene Saison: Banchero schaffte 38 Punkte, Wagner traf nur einen von 15 Versuchen; es gab keinen, der ihnen entscheidend half. Suggs sollte den Punkte-Druck von den beiden nehmen, fällt aber bekanntermaßen aus. Jetzt aber, beim Spiel am Dienstag, reichten insgesamt 30 Punkte von Wagner und Banchero, weil die Rollenspieler Wendell Carter, 19, Anthony Black, 16, und Cole Anthony, 26, lieferten – und genau darauf hatte Wagner gehofft, wie er der SZ am Telefon sagte: „dass es eine Welt gibt, in der wir danach als Team besser sind“ – weil andere Akteure die zusätzliche Spielzeit nutzen, um besser zu werden.

Sie sind Außenseiter gegen Boston, klar; aber: Sie können eines der besten NBA-Teams ärgern und mindestens vier, maximal sieben Mal Playoff-Erfahrungen sammeln. Es ist keine Orlando-Magic-Saison, die man anhand der reinen Resultate bewerten und anhand dessen in Kategorien wie Enttäuschung oder Erfolg ordnen kann. Man sollte sie, und jedes einzelne Playoff-Spiel, das von nun an kommen wird, betrachten als weiteren Schritt auf dem Weg zum Titelkandidaten – und deshalb ist für dieses Team und Franz Wagner erstmal wichtig: drin!

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