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Olympische Winterspiele:Das Trauerflor-Verbot könnte Konsequenzen haben

Es ist allerdings noch lange nicht klar, ob Oslo überhaupt Olympia-Gastgeber spielen will. Zwar gab es bereits ein Referendum, das eine knappe Zustimmung ergab, aber das ist nicht bindend. Das Parlament muss auch noch zustimmen, und im Dezember gaben bei einer Umfrage 58 Prozent an, gegen die Spiele zu sein. Bachs Entscheidung, Norwegens Langläuferinnen für das Tragen des Trauerflors in Sotschi zu rügen, könnte die Ablehnung befeuern.

Sollte Oslo absagen, hätte das IOC ein Problem. Die anderen Kandidaten haben alle Schwächen. Pekings Kandidatur ist kaum realistisch; 2018 finden die Winterspiele in Südkorea statt, 2020 die Sommerspiele in Japan. Drei Mal in Serie in die gleiche Region der Welt zu gehen, wäre unüblich. Zudem ist die Pekinger Bewerbung wohl eher taktisch begründet - als Ouvertüre für eine Bewerbung um die Winterspiele 2026.

An der Seite des IOC

Die Chancen für die ukrainische Stadt Lemberg, deren Bewerbung die Besonderheit hat, dass die Bobbahn mitten in der Stadt stehen soll, sind wegen der aktuellen politischen Unruhe im Land schlecht. Zwar fällt die Entscheidung über den Ausrichter-Ort 2022 erst im nächsten Jahr, doch schon in knapp fünf Monaten bestimmt die IOC-Exekutive über die sogenannte Kurzliste. Über die kritische Klippe helfen könnte den Ukrainern, dass ihre Führung sich während der Sotschi-Spiele an die Seite des IOC stellte und seinen Athleten sowohl Abreise wie auch Trauerflor ausredete.

Die zweite osteuropäische Bewerbung stößt bei vielen IOC-Mitgliedern auf Skepsis. Krakau will zusammen mit Zakopane und einem slowakischen Ort die Spiele austragen. Doch auch wenn im Rahmen von Bachs "Agenda 2020" angeblich über alles diskutiert werden darf, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich solche Gemeinschaftsbewerbungen durchsetzen lassen. Bleibt noch Almaty in Kasachstan. Dort wäre nicht die Bobbahn, sondern die Schanzenanlage in der Stadt. Die Macher werben damit, dass sie 2017 die Universiade ausrichten und alle Sportstätten fertig wären.

Allerdings: Die Menschenrechtslage in dem Land ist problematisch, seit Anfang der Neunzigerjahre regiert der autokratische Herrscher Nursultan Nasarbajew. Für den Fall, dass Oslo absagt, könnte es gut sein, dass das IOC Almaty als den stärksten der schwachen Kandidaten erwählt.

© SZ vom 25.02.2014/yer

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