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Olympische Winterspiele 2022:Wahl zwischen den kleineren Übeln

Es ist also wirklich erstaunlich: Wenn das IOC seine Agenda 2020 und sein Gerede von Reformen gegen Gigantismus wirklich ernst meint, müsste es sich in dieser Wahl zwischen den kleineren Übeln sofort für Almaty entscheiden. Aber als Favorit gilt dennoch Peking.

Der Markt in China ist groß, die Staatsführung verspricht 300 Millionen Wintersportbegeisterte. Zudem ist unverkennbar, dass beim IOC und seinem Präsidenten Bach unter allen undemokratischen Nationen neben Wladimir Putins Russland auch China einen besonderen Stellenwert genießt. Als Bach im Herbst 2013 vom Vize-Posten an die Spitze des IOC rückte, da übernahm seine Nachfolge Yu Zaiqing, der stellvertretende Sportminister Chinas. Und zu Bachs ersten Arbeitsnachweisen gehörte es, dem chinesischen Staatspräsidenten und Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Xi Jinping, den olympischen Orden zu überreichen - "für seine Verdienste um Olympia und den Weltsport".

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Warum nie der Beste Olympia gewinnt

China oder Kasachstan? Katar oder Putin? In welchen Ländern sportliche Großereignisse stattfinden, entscheidet nicht mehr die Eignung des Kandidaten.   Von Thomas Kistner

Kasachstans Staatspräsident Nursultan Nasarbajew wiederum hat, ganz entgegen der Tradition autoritärer Herrscher, über den Bewerbungsprozess hinweg nicht unbedingt die absolute Olympia-Begeisterung verstreut. Als im Februar die Evaluierungskommission anrückte, war der kasachische Außenminister der höchstrangige anwesende Politiker. Zwischendurch gab Nasarbajew ein bemerkenswertes Interview, dass er sich durchaus vorstellen könne, die Wettbewerbe nicht nur in der früheren Hauptstadt Almaty, sondern auch in der aktuellen Hauptstadt Astana mitten in der Steppe auszurichten. Leider trennen die alte und die neue Kapitale fast 1000 Kilometer Luftlinie.

Nasarbajew ist ein Diktator, der gerade noch ein paar andere Sorgen hat als Winterspiele. Die wirtschaftliche Lage in seinem Reich ist schwierig. Der niedrige Ölpreis macht dem rohstoffreichen Land zu schaffen, im Zuge der Abwertung des Rubels ist die kasachische Währung Tenge instabil geworden. Zu den größten Investoren im Land zählt dabei ausgerechnet: China, der Olympia-Rivale.