Olympische Spiele 2026 Auch DJ Ötzi hat es verbockt

Wintersport mit globalem Werbeeffekt gibt es in der Region auch ohne Olympia genug - zum Beispiel bei der Vierschanzentournee.

(Foto: Jakob Gruber/AFP)
  • München, Oslo, Graubünden - nun Innsbruck: Die nächste Wintersportregion scheitert mit einer Olympiabewerbung am Veto der Bevölkerung.
  • Auch die Tiroler haben eher andere Wünsche als noch ein Riesenspektakel - und zu viel Misstrauen gegenüber der großen Sportpolitik.
Von Volker Kreisl

Alle sind sie jetzt ratlos. Wie konnte das passieren? In einem Städtchen mitten in den Bergen, das vom Tourismus lebt. Das Bergsportler und Skifahrer anzieht, das im Juli ein wichtiges Tennisturnier veranstaltet und sich im Januar als Zentrum des Skiwinters feiert, mit vollbesetzten Tribünen, ausverkauften Ehrenlogen, fünf Tagen Party, Filmschauspielern und Politikern unter den Zuschauern, mit dem waghalsigsten Abfahrtsrennen und, klar, dem härtesten Après-Ski nachts. Wie also konnte Kitzbühels Bevölkerung, statt mindestens mit 80 Prozent dafür zu stimmen, Olympia mit 52,4 Prozent ablehnen?

In Seefeld, gut 100 Kilometer westlich, jenseits des Karwendels, haben sie da eine Ahnung: "Reines Neid-Denken", sagte Tourismus-Vorstand Markus Daschil der Tiroler Tageszeitung kurz nach der Volksbefragung, mit der die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2026 in Innsbruck und Tirol von den Bürgern begraben wurde. Kitzbühel, so sahen es viele später, habe nur abgelehnt, weil es selber nicht Austragungsort gewesen wäre. Unsolidarisch sei das, schlecht fürs Land Tirol. Da mag was dran sein. Andererseits ist das Veto aus Kitz wirtschaftlich konsequent - und ein gutes Beispiel dafür, warum diese Bewerbung insgesamt durchgefallen ist.

Es geht sich wieder nicht aus

Ein drittes Mal sollten die Winterspiele nach Innsbruck kommen nach 1964 und 1976. Zum dritten Mal nach 1993 und 1997 durften die Bürger darüber abstimmen, und zum dritten Mal ist es sich, wie der Österreicher sagt, nicht ausgegangen: Insgesamt 53,35 Prozent stimmten dagegen, womit auch der deutsche Eisschnelllauf-Ableger Inzell raus war. Beobachter argwöhnten, dass schon diese Wiederholungen viele Bürger verprellten, nach dem Motto, wir stimmen halt so lange ab, bis es mal klappt. Aber das war wohl nicht wahlentscheidend. Und auch die umstrittene, weil schöngefärbte Frage (Wolle man ein "selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Spiele?") ist manchem selbstbewussten Wähler zwar aufgestoßen, war aber nicht die Hauptursache.

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Dass nach München, Oslo und Graubünden nun die vierte Winterbewerbung in einem klassischen europäischen Wintersportgebiet gescheitert ist, hat fundamentalere Gründe, am besten zu beleuchten in Innsbruck. Dort hätte das Herz der Spiele schlagen sollen, aber dort stimmten zwei Drittel gegen Olympia. Innsbruck ist eben - anders als die Skigebiete - eine 130 000 Einwohner-Stadt mit Tourismus und viel sonstigem Gewerbe. Und es hat eine große Studenten-Szene, zudem mit Österreichs höchsten Mietpreisen ein Wohnraumproblem, das sich mit teuren Spielen nicht bessert. Außerdem hat Innsbruck auch selbstbewusste Kulturschaffende, die es wohl nicht lustig fanden, dass in der Olympia-Kampagne ausgerechnet DJ Ötzi als Herz der Innsbrucker Kultur inszeniert wurde.

Aber das war wieder nur ein Detail im allgemeinen Argwohn. Olympia, das haben die Spiele der vergangenen Jahre gezeigt, ist ein großes Geschäftsfeld geworden, insofern ist es nur konsequent, wenn auch Tirols Bürger, die ja zu großen Teilen vom Fremdenverkehr leben, zunächst mal geschäftlich denken. In den geplanten Austragungsorten für 2026 wie in Seefeld, Hochfilzen und St. Anton am Arlberg, wo die Alpinwettbewerbe stattfinden sollten, erzielte die Bewerbung Erdrutschsiege mit teils 80 Prozent Zustimmung. Dort hätte Olympia ja auch Werbe-Effekte gebracht. In den meisten anderen Tälern Tirols dagegen war die Skepsis zu groß, ob Winter-Olympia das Land wirtschaftlich wirklich entscheidend voranbringt.