Immer Vierte!?

Die Erkenntnis flog der Stabhochspringerin Silke Spiegelburg zu, als sie fiel. Vier Meter 75, vier verschenkte Jahre, vierter Platz. Sie weinte schon in der Luft, sie landete, sie rief: "Wieder Vierte, warum immer Vierte?!" Vierte bei Olympia zu werden, bedeutet, nichts Reales nach Hause zu tragen, das man bis zum Lebensende in den Händen wenden kann, nicht dabei zusehen zu dürfen, wie mit den Jahren die Farbe aus den Medaillen weicht. "Ich weiß nicht, was ich zerstört hätte, wenn ich auf dem Heimweg nur meine Akkreditierung um den Hals gehabt hätte", sagte der Beachvolleyballer Julius Brink - bevor er Gold gewann. Er kann den Weitspringer Michel Torneus fragen, dem ein Zentimeter zu Bronze fehlte, oder den Sprinter Tyson Gay, der eine Hundertstel zu spät ankam.

Wenn Olympioniken Vierter werden, fühlen sie sich wie ewige Vierte, weil Olympia so selten stattfindet. Der Tennisspieler und Weltranglistenvierte Andy Murray galt als König der ewigen Vierten. Doch dann gewann er das Turnier in London, denn kaum etwas ist für die Ewigkeit. Nur eine Medaille

pps

Bild: dpa 13. August 2012, 11:122012-08-13 11:12:41 © Süddeutsche.de/sonn