Was ist der Preis des chinesischen Goldrauschs? Wu Minxia, 26, verließ mit zwölf Jahren ihr Elternhaus, um sich zur Wasserspringerin formen zu lassen, sie wurde dann die erfolgreichste von allen. In London gewann sie Gold im Einzel und im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett, ihre Olympia-Medaillen Nummer fünf und sechs. Sie machte China stolz. Aber, und das ist das Besondere, sie machte China auch nachdenklich.

Ihr Vater, Wu Yuming, hatte der Shanghai Morning Post ein Interview gegeben: Er habe seiner Tochter erst jetzt erzählt, dass ihre geliebten Großeltern gestorben seien, berichtete er. Gestorben waren sie vor über einem Jahr. Aber am Telefon habe er immer gesagt, es sei alles in Ordnung. Nichts sollte Wu Minxia aus dem Konzept bringen auf dem Weg zur Goldmedaille, "deshalb war es nötig, ihr diese Lüge zu erzählen". Der eigenen Tochter? "Wir haben vor langer Zeit akzeptiert, dass sie nicht mehr wirklich zu uns gehört", sagte der Vater, manchmal sehen sie sich ein ganzes Jahr lang nicht vor lauter Training. "Ich wage noch nicht mal davon zu träumen, als Familie glücklich zu sein." Wu Minxia sagte in London: "Ich habe nicht wegen dieser Geschichte geweint. Sondern weil ich so einen perfekten Wettkampf gesprungen bin."

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Bild: Getty Images 13. August 2012, 11:122012-08-13 11:12:41 © Süddeutsche.de/sonn