Ligue 1Wieso Olympique Lyon absteigen muss

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Die Fans von Olympique Lyon, hier noch in Feierlaune, protestieren inzwischen gegen den Klubbesitzer.
Die Fans von Olympique Lyon, hier noch in Feierlaune, protestieren inzwischen gegen den Klubbesitzer. Giuseppe Velletri/ SPP/Imago
  • Olympique Lyon muss laut Finanzaufsicht DNCG aus finanziellen Gründen in die zweite französische Liga absteigen.
  • Klubbesitzer John Textor hat trotz Verkäufen von Spielern und Einnahmen von etwa 200 Millionen Euro durch den Verkauf von Crystal Palace-Anteilen die Schulden nicht ausreichend abgebaut.
  • Der Verein will gegen die Entscheidung in Berufung gehen, während Fans den Rücktritt von Textor fordern.
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Der ehemalige Serienmeister des französischen Fußballs steht vor der Zweitklassigkeit. Grund sind zu hohe Schulden, deren Abbau dem Klub offenbar nicht schnell genug gelang. Der US-Mehrheitseigner John Textor hofft nun auf die Berufung.

Von Stefan Galler

Es ist noch keine Woche her, da hatte John Textor so richtig Grund zur Freude. Strahlend kam der Amerikaner in die Mixed Zone der Pasadena Rose Bowl und bejubelte den 1:0-Sieg des brasilianischen Klubs Botafogo gegen Paris Saint-Germain bei der Klub-WM. „Victoire, victoire!“, brüllte Textor französischen Journalisten entgegen. Er ist Chef der Eagle Football Group, diese besitzt die Anteilsmehrheit an Botafogo, ebenso wie am englischen Überraschungspokalsieger Crystal Palace und an Olympique Lyon, dem PSG-Rivalen aus der französischen Ligue 1.

Die gute Laune dürfte am Dienstagabend einer Schockstarre gewichen sein. Wie die Finanzaufsicht des französischen Profifußballs DNCG (Direction Nationale du Contrôle de Gestion) bekanntgab, muss Olympique Lyon, das von 2002 bis 2008 siebenmal in Serie den Titel errang, aus finanziellen Gründen in die zweite Liga absteigen.

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Ganz überraschend kam diese Entscheidung nicht, schon im November 2024 hatte die DNCG den „administrativen Abstieg“ von Olympique bekanntgegeben, weil die Zahlen zu diesem Zeitpunkt alarmierend waren: 500 Millionen Euro Schulden sollen aufgelaufen sein, doch Textor zeigte sich kämpferisch: „OL wird nicht absteigen“, ließ er über die sozialen Medien verlauten und leitete sofort Maßnahmen ein, um die Forderungen der Finanzbehörde zu erfüllen: 175 Millionen musste er bis Mai einnehmen. Sein Sanierungsplan sah vor, sich von 100 Vereinsmitarbeitern zu trennen, teure Spielerverträge nicht zu verlängern und Profis zu verkaufen. Zudem strebte er an, seine Anteile am Premier-League-Klub Crystal Palace zu veräußern: Beide Vereine, die Londoner und die Lyonnais, haben sich inzwischen für die Europa League qualifiziert, hätten aber wegen der Regelungen zum Multi-Club-Ownership nicht beide antreten dürfen.

Die Zuversicht hat sich gelegt: Lyons Mehrheitseigner John Textor.
Die Zuversicht hat sich gelegt: Lyons Mehrheitseigner John Textor. Clement Mahoudeau/AFP

Textors Pläne gingen weitgehend auf: Man verkaufte im Winter Stürmer Gift Orban für neun Millionen Euro nach Hoffenheim, nun folgte der Transfer von Rayan Cherki für rund 40 Millionen Euro zu Manchester City. Der Vertrag des Klubheiligen und Großverdieners Alexandre Lacazette, 34, wurde ebenso nicht verlängert wie der des argentinischen Weltmeisters Nicolás Tagliafico. Verliehene Spieler wurden verkauft, zudem hatte die Mutter-Holding Eagle Football bereits im Winter 83 Millionen in den Verein gepumpt.

Dementsprechend zuversichtlich hatte sich Textor vor der Anhörung geäußert: „Unsere finanzielle Situation hat sich dramatisch verbessert.“ Nach dem Rückschlag vom Dienstag kündigte der Verein umgehend an, in Berufung zu gehen. In einem ersten schriftlichen Statement bezeichnete er den verhängten Zwangsabstieg als „unverständliche Entscheidung“. Fast trotzig schrieben die Lyonnais: „Wir verstehen wirklich nicht, wie man durch einen Verwaltungsbescheid einen so großen französischen Klub absteigen lassen konnte.“ Dass die DNCG vor großen Vereinen nicht kuscht, hat sie jedoch schon vor einem Jahr gezeigt, als sie dem sechsmaligen Meister Girondins Bordeaux die Zweitligalizenz entzog.

„Textor raus!“, ist auf zahlreichen Bannern und Schmierereien zu lesen

Ein ähnliches Schicksal soll OL erspart bleiben: „Wir verfügen über mehr als ausreichende Mittel für die Saison 2025/26“, heißt es in dem Statement. Dieser Optimismus rührt daher, dass der Crystal-Palace-Verkauf inzwischen fix ist:  Wie die Sporttageszeitung L’Équipe berichtet, hat Textor mit Woody Johnson, dem Besitzer des NFL-Teams New York Jets, am Sonntag den Vertrag unterschrieben. 200 Millionen Euro zahlt Johnson für Textors 45-prozentige Beteiligung an Palace. Beide Seiten warten noch darauf, dass die englische Liga den Deal absegnet.

Die Lyon-Fans sind aber so oder so erzürnt. In der Stadt ist seit Dienstagabend die Botschaft „Textor raus!“ auf zahlreichen Bannern und Schmierereien zu sehen. Die größte Ultra-Vereinigung des Klubs, die Bad Gones, richtete einen ausführlichen Social-Media-Post an den Investor, „der nie der richtige Mann für diesen Job war und nie sein wird“. Darin heißt es: „Dieser Botafogo-Fan muss jetzt aus der Lyoner Szene verschwinden.“

Sollte das Urteil bestehen bleiben, würde vermutlich Stade Reims profitieren und in der Liga bleiben, obwohl es in der Relegation am FC Metz gescheitert ist. Das ist insofern brisant, weil Reims-Präsident Jean-Pierre Caillot als Vertrauter von PSG-Boss Nasser Al-Khelaïfi gilt – und mit dem streitet OL-Präsident John Textor seit Monaten erbittert über die Verteilung der Fernsehgelder. Zuletzt soll es zwar im Zuge des Champions-League-Finales in München zu einer Aussprache gekommen sein, doch Textors Reaktion nach dem Botafogo-Sieg über PSG zeigt, dass der Frieden auf tönernen Füßen steht.

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