Olympia:Was passiert mit den Sportstätten in Pyeongchang?

Snowboard - Winter Olympics Day 15

Der Eiskanal und der Skisprung-Turm von Pyeongchang.

(Foto: Getty Images)
  • Die Olympischen Spiele sind vorbei. Was passiert mit den Sportstätten in Pyeongchang?
  • Bei den meisten ist die Nachnutzung ungewiss, für drei Orte gibt es noch nicht mal ein Konzept.
  • Insgesamt zehn Milliarden Dollar flossen in die Infrastruktur.

Von Johannes Knuth, Pyeongchang

Der Tisch hinter dem Ladenfenster sieht aus, als habe jemand bis eben an ihm gearbeitet: Schraubenzieher und Wachstöpfe liegen umher; ein Wachsbügeleisen ist aufgebockt, als warte es darauf, jene Snowboards zu bearbeiten, die in dem Ständer neben dem Tisch stehen. Aber das Geschäft "Ski Board", wie es in weißen Lettern auf dunkelbraunem Holz über dem Eingang steht, hat seit Wochen geschlossen. Wie die meisten Verleihe in dieser Straße am Fuß des Ski-Resorts in Bokwang. Die Passage versprüht den Charme einer Goldgräberstadt, in der alle Goldadern versiegt sind. Nur ein paar Hundert Meter weiter oben, wo Hotels stehen so groß wie kommunistische Parteizentralen und die Olympiabesucher sich in den Snowpark schieben, haben ein paar Läden geöffnet, sie verkaufen Pizza, Waffeln und Würstchenspieße.

Wenn man den Offiziellen jetzt wieder zuhört, waren die Winterspiele in Südkorea ein großer Erfolg. Die Organisation war tatsächlich perfekt, Hotels und Gastronomie meldeten gute Umsätze, alle Tickets seien abgesetzt worden, teilte das Organisationskomitee mit (wobei viele Sitze bis zum Schluss leer blieben). IOC-Präsident Thomas Bach bewarb die Spiele bei der Schlussfeier am Sonntag jedenfalls als "erfolgreich in jeder Hinsicht"; sie hätten in allen Bereichen neue Horizonte eröffnet. Das enthielt freilich die üblichen Spuren von olympischer Weichspülerei, und doch war es irgendwie richtig, denn ein paar Horizonte hatten sich ja schon geöffnet. Die gaben allerdings eher den Blick frei auf die üblichen Probleme, für die Olympia zuletzt häufig in Verruf geraten war.

"Olympia tötet uns"

Die Ski- und Snowboardverleiher in Bokwang zum Beispiel. Die protestierten immer wieder vor dem Phoenix Park, wo die Freestyle-Übungen stattfanden. "Olympia tötet uns", pinselten sie in weißen Lettern auf rote Transparente und hängten sie an ihre Läden. Bae Sang-beom, ein Sprecher der Verleihe, berichtete von rund 50 Geschäften, die in den vergangenen Jahren schließen mussten, weil das Resort für die Winterspiele präpariert wurde. Nur 20 Läden hielten sich bis zuletzt, in großer Not. Die Organisatoren hatten ab dem 22. Januar zudem alle Pisten für Olympia gesperrt, obwohl manche nicht unmittelbar von Wettkämpfen beansprucht waren. Ski-Touristen kamen da nicht mehr. "Das Geschäft ist mitten in der Hochsaison eingebrochen", sagte Bae. Zehn Millionen Euro seien den Händlern rund um Pyeongchang im letzten Monat entgangen, viele Verleiher und ihre Familien seien verzweifelt.

Bae sagte, sie hätten bei der Regierung in Seoul um finanzielle Hilfe gebeten, beim OK und den Behörden der Provinz Gangwon, die die Spiele beherbergte. Überall sei man abgeblitzt. Manche Verleihe bauten zuletzt vor ihren Läden Essenszeilen auf, andere vermieteten ihre leeren Parkplätze an Olympiabesucher. Auch im Alpensia-Resort, dem Sammelpunkt der Schneesportarten, waren die Touristenpisten geschlossen und mit ihnen viele Geschäfte. Das lokale Organisationskomitee wies Nachfragen zu den Ski-Verleihen zunächst schroff ab ("keine Sache des OK"). Eine Sprecherin teilte später mit, dass die Provinzregierung mit den Protestlern verhandle.

Das OK gab auch an anderen Stellen kein gutes Bild ab. Rund 2500 freiwillige Helfer quittierten vor und während der Spiele den Dienst, berichtete die Agentur Yonhap. Sie mussten offenbar zu zehnt in Räumen schlafen, die für zwei Personen ausgelegt waren, es gab manchmal kein warmes Wasser, das Essen sei als Gefängniskost nicht zu gebrauchen. Immer wieder kam es zu Petitionen und Protesten, das OK gelobte immer wieder Besserung. Das IOC? Das Mitwirken und die Erfahrungen, die alle Freiwilligen sammeln konnten, seien ein "großes Vermächtnis", sagte ein Sprecher am Wochenende.

Ach ja, das olympische Vermächtnis. Das könnte auch bei diesen Spielen für den Schein der Bewegung stehen - und für die Realität dahinter. Die Organisatoren hatten in Pyeongchang sechs Wettkampfstätten neu errichtet, sechs weitere wurden renoviert, zehn Milliarden Euro flossen in die Infrastruktur. Doch bei vielen Stätten ist ungewiss, ob und wie intensiv sie künftig genutzt werden. Für drei Orte gibt es überhaupt kein Konzept: für das Eisoval, die Eishockeyhalle und die Abfahrtspiste in Jeongseon.

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