Olympia-Vergabe Mehr Macht für Thomas Bach

Herr der Ringe: IOC-Präsident Thomas Bach

(Foto: dpa)

Bei der Vergabe der Olympischen Spiele werden Lobbyisten künftig nicht mehr einzelne IOC-Mitglieder umgarnen - sondern den Präsidenten.

Kommentar von Johannes Aumüller

Die olympische Sippschaft steckt in einer tiefen Krise, und so geht sie neue Wege. Die Vergabe der Spiele soll künftig ein wenig anders ablaufen als bisher. In der jüngsten Sitzung empfahl die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Mitgliedern, die Sommerspiele 2024 und 2028 auf einmal zu verteilen - an Paris und an Los Angeles. Und zugleich kündigte sie an, das Verfahren für die Winterspiele 2026 und folgende zu überarbeiten. Details gibt es noch nicht, aber das IOC will "proaktiver" sein und früher mit Städten absprechen, wann und wie die sich bewerben sollten. Das IOC möchte also stärker steuern und selektieren.

Nun ist es einerseits unbestritten, dass das bisherige Wahlverfahren einen Teil am Image-Verlust des IOC und am Unmut vieler Olympia-Beobachter trägt. Regelmäßig hatten Städte, die von der sogenannten Evaluierungskommission die besten Noten bekamen, bei der Abstimmung der Vollversammlung (aktuell 95 Mitglieder) trotzdem das Nachsehen. Sotschi hingegen erhielt trotz mieser Daten seine Spiele 2014. Vor der Wahl von Salt Lake City 2002 gab es nachweislich Bestechung. Um die Vergaben an Rio 2016 und Tokio 2020 kümmert sich Frankreichs Justiz; wie sauber liefen da wohl die dazwischen ab?

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Stimmen die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees zu, müssen sie nur noch festlegen, ob Paris oder Los Angeles zunächst an der Reihe ist. Beide Bewerber präferieren das Jahr 2024.

Nur ist andererseits die Frage, wer davon profitiert, wenn künftig ein reduzierter Wettbewerb stattfindet. Und die Antwort führt geradewegs zu Thomas Bach, dem IOC-Präsidenten. Natürlich gab es auch bisher im Vergabeverfahren schon eine Steuerung der Kandidaten durchs IOC; und natürlich war auch bisher schon ein klarer Einfluss des Präsidenten auf die Städtekür vorhanden. Künftig dürfte er allerdings noch größer sein.

Denn irgendjemand muss ja in den Gesprächen mit den verbliebenen Städten austarieren, wer ganz ohne Wahl 2024 (wohl Paris) und wer 2028 (wohl L.A.) an der Reihe ist. Irgendjemand muss wahrscheinlich auch gewisse finanzielle Zugeständnisse machen für das vierjährige Warten. Und irgendjemand muss für 2026 und die folgenden Jahre "proaktiv" handeln und mit den Städten eruieren, wann sie sich wie bewerben wollen. Und dieser irgendjemand wird in letzter Konsequenz der Präsident sein.

Olympische Spielevergabe ist also, wenn Lobbyarbeiter künftig tendenziell weniger die einzelnen IOC-Mitglieder umgarnen müssen, aber noch stärker den Chef. Dass Spiele unter zweifelhaften Umständen an zweifelhaften Orten landen, schließt das jedenfalls nicht aus.

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