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Olympia:Usain Bolt - fast schon unsterblich

Gelöster Olympiasieger über die 100 Meter: Usain Bolt.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Der Jamaikaner gewinnt in Rio zum dritten Mal nacheinander Gold über die 100 Meter. Es ist sein langsamster Sieg bei Olympia - mit dem Publikum spielt er trotzdem.

Von Saskia Aleythe, Rio de Janeiro

Menschliche Vergleiche reichen ja längst nicht mehr für Usain Bolt. Kurz vor dem Halbfinale dieser Olympischen Spiele hatte die BBC ein Foto verbreitet, das einordnen wollte, wo sich der Jamaikaner mit seiner Höchstgeschwindigkeit befindet, der britische Sender bediente sich dabei der brasilianischen Tierwelt. Das Ergebnis: Zwischen Jaguar (64 km/h) und Goldenem Löwenäffchen (39 km/h) stand da dieser Bolt. Vergleichswert: 44,72 Kilometer pro Stunde, aufgezeichnet bei seinem Weltrekord 2009.

Nun gibt es schnelle und langsame Jaguare, schnelle und langsame Löwenäffchen, aber gibt es auch einen langsamen Usain Bolt? Am Sonntagabend gewann er die 100 Meter in Rio, das als Prunkstück der Leichtathletik verkaufte Event, in 9,81 Sekunden. Es war sein langsamster Olympiasieg über 100 Meter, okay, aber vom Löwenäffchen war er dann doch sehr weit entfernt.

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"Jemand sagte vorher, ich könne in Rio unsterblich werden", meinte Bolt nach dem Rennen, "zwei weitere Medaillen und dann kann ich abtreten. Unsterblich". Dieser Sieg war Teil eins seiner Mission, als erster Sprinter bei Olympischen Spielen dreimal hintereinander das Triple zu schaffen. Gold über 200 Meter und mit der Staffel fehlen ihm noch dazu.

Unterhaltung und Sport sind bei Usain Bolt kaum zu trennen

Was war das für eine Show, mit der Usain Bolt in Rio präsentiert worden war: In einer klamaukigen Pressekonferenz des jamaikanischen Verbandes schunkelte er mit Sambatänzerinnen von der Bühne. Er sehe sich erst als Sportler und dann als Entertainer, sagte er dort: "Ich bin da, um schnell zu rennen und zu unterhalten." Dann kamen die Trommeln und Paillettenbikinis hereingewackelt.

Unterhaltung und Sport, das ist bei Usain Bolt kaum zu trennen, für ihn kommen die Leute ins Stadion, so auch in Rio. Und er hatte dann gleich einen psychologischen Vorteil. Vor ihm musste Justin Gatlin aus den USA durch den Tunnel ins Stadion einlaufen und die Zuschauer buhten. Ob das an seiner Dopingvergangenheit lag, dem offenen Zwist zwischen ihm und dem Jamaiker? Oder einfach nur daran, dass er der gefährlichste Konkurrent dieses Mannes ist, für den alle ihre Tickets kauften?

Vielleicht alles zusammen, Gatlin stapfte wütend zum Startblock. "Das ist das erste Mal gewesen, dass ich Buhrufe für Gatlin gehört habe", sagte Bolt, "das hat mich überrascht." Dann bekam Bolt seinen Auftritt: "Bolt, Bolt, Bolt" statt "Buhhh". Er joggte lässig ins Stadion und ließ sich gerne feiern, klar.

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