Olympia:UdSSR, GUS - die Russen sind Abkürzungen gewöhnt. Jetzt halt OAR, kein Problem

"OAR", diese drei Buchstaben stehen in diesen Tagen immer da, wenn russische Sportler antreten, die Abkürzung für "Olympische Athleten aus Russland". Auch das ist so ein IOC-Konstrukt, man wollte die Russen zwar unter neutraler Flagge dabeihaben, aber halt doch nicht als neutrale Athleten ohne Länderkennung. OAR, daran haben sich alle schnell gewöhnt. Russland kommt ja noch im Namen vor, und war Russland nicht ohnehin schon immer ein Land der Abkürzungen? UdSSR, GUS, und jetzt halt OAR?

Die Flagge, klar, die fehlt den Russen, die wünschen sie sich zurück. Aber als Ersatz schauen die Athleten bei Siegerehrungen eben in eine Stadionecke, in der russische Fans eine russische Fahne schwenken. Kurz gab es mal die Angst, dass Zuschauer auch keine russischen Fahnen mitnehmen dürften; aber da hat das IOC Russland schnell beruhigt. Und so bilden die russischen Fans oft eine vernehmbare Fraktion, vor allem bei den Eiswettbewerben.

Die meisten Athleten bemühen sich sichtlich, die Details des auferlegten Verhaltenskodexes zu erfüllen. Mit einer Flagge in der Hand etwa hat sich niemand erwischen lassen, die darf nur im Schlafzimmer hängen; nicht einmal auf Fotos mit Fans soll sie zu sehen sein. Ab und an widmete ein Medaillensieger seinen Erfolg den nicht eingeladenen Mannschaftskollegen und attackierte deren Ausschluss als "unfair" oder "gemein". Das ist eigentlich schon gegen die Regeln - aber auffälliger als die Athleten sind diesbezüglich ja ohnehin die Großen aus Sport und Politik. Die sprechen - vom IOC-Ehrenmitglied Smirnow bis zum lebenslang von Olympia ausgeschlossenen Mutko - unverdrossen von "uns", wenn es um das OAR-Team geht. Oder von "Siegen fürs Land". Als sei Russland eben doch ganz normal dabei.

Zurück zum Eishockey. Die rote Wand ist am auffälligsten, aber auch auf den Sitzreihen gegenüber und an den Seiten sind viele Zuschauer mit russischen Fahnen zu sehen. Ihre Sbornaja-Helden unten spielen im klassischen roten Dress, in diesem Outfit ist die Mannschaft schon immer aufgetreten. Ständig erklingt "Schajbu, Schajbu", der alte anfeuernde Ruf an das Team, den Puck zu erobern, oder gleich "Ros-si-ja, Ros-si-ja". Wenn es die gegnerischen Fans mal mit einem "U-S-A" versuchen, erfolgt sofort der gesangliche Konter. Und als die Angreifer Nikolaj Prochorkin und Ilja Kowaltschuk einen Treffer nach dem anderen bis zum 4:0-Endstand erzielen, rastet die Halle aus.

In Sotschi vor vier Jahren, wo der Betrug seinen Gipfel erreichte, war die Stimmung kaum besser.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB