Olympia Tokio im Fokus

IOC-Mitglied Tsunekazu Takeda.

(Foto: Alastair Grant/dpa)

Die Topebene des Internationalen Olympischen Komitees wird erneut erschüttert: Rund um die Olympia-Bewerbung für 2020 ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft gegen Japans Olympia-Chef und IOC-Mitglied.

Von Thomas Kistner

Die Topebene des Internationalen Olympischen Komitees wird erneut erschüttert. Die Pariser Staatsanwaltschaft Parquet National Financier (PNF) ermittelt im Zuge der Sommerspielvergabe 2020 an Tokio gegen Tsunekazu Takeda, Chef von Japans Olympiakomitee und IOC-Mitglied, dies berichtete die Zeitung Le Monde. Auf SZ-Anfrage bestätigte die PNF, dass eine von ihr eingeleitete Untersuchung "von zwei Weisungsrichtern geführt" werde. Takeda bestreitet in heimischen Medien die Vorwürfe und auch, dass gegen ihn ermittelt werde.

Im Fokus steht die Zahlung von 1,8 Millionen Euro, geflossen in zwei Tranchen - kurz vor und nach der Spielevergabe an Tokio im Herbst 2013 - an eine obskure Beraterfirma namens Black Tidings in Singapur. In der Betreffzeile stand "Tokio 2020 Olympic Game Bid" - Olympiabewerbung 2020 Tokio. Die Firma zählt zum Schattengeflecht um den von Interpol gesuchten Senegalesen Papa Massata Diack, Sohn des langjährigen IOC-Mitgliedes und Leichtathletik-Weltverbandschefs Lamine Diack. Letzterer ist seit 2015 unter Hausarrest in Frankreich.

Die Diacks sollen bei Sportwahlen Delegierte Afrikas blockweise für bestimmte Kandidaten gekauft zu haben. Lamine galt als Blockführer, der Sohn habe über sein Agenturgeflecht Schmiergelder besorgt. Er wirkte jahrelang als Marketingberater der vom Vater dirigierten IAAF.

Der Betrugsverdacht zu Tokio deckt sich mit dem zur Spiele-Vergabe 2016 an Rio de Janeiro; hier gibt es kaum noch Zweifel an Stimmkäufen über die Diacks. Drei Tage vor Rios Kür bei der IOC-Session 2009 flossen 1,5 Millionen Dollar des brasilianischen Milliardärs Arthur Soares durch die Karibik an eine Agentur namens Pamodzi. Sie gehört Massata Diack.

Im Falle Rio soll das langjährige IOC-Mitglied Carlos Nuzman, Bewerbungs- und NOK-Chef, als Vermittler zwischen Diack und Geldgeber Soares gewirkt haben. Nuzman wurde im Herbst 2017 verhaftet,das IOC suspendierte ihn. Wie Nuzman und andere mit Ermittlungen belastete Funktionäre ist Takeda, 71, eine Topkraft im Olymp. Dort sitzt er als Chef der Marketingkommission an zentralen Geldquellen. Im Herbst setzte das IOC für ihn sogar das Alterslimit von 70 Jahren aus, damit er die Tokio-Spiele zuende bringen kann. Takeda weist alle Vorwürfe zurück.

Dies tat er bereits bei Untersuchungen in Japan. Im Parlament verweigerte er wegen Vertraulichkeit die Offenlegung des Singapur-Vertrags; am Ende fand sich erwartungsgemäß kein Korruptionsbeleg. Die PNF teilt dazu mit, die Untersuchung in Japan sei ja keine juristische gewesen.

Für das IOC unter Thomas Bach ist es der nächste Tiefschlag. Auch Bachs Königsmacher bei der IOC-Thronkür 2013, Ahmad Al-Sabah, steht seit längerem im Fokus diverser Strafbehörden. Der Kuwaiter gab aufgrund von FBI-Ermittlungen schon 2017 sein Vorstandsamt im Fußball-Weltverband ab. Im IOC ließ er die Ämter aber erst ruhen, als im November 2018 ruchbar wurde, dass ihm eine Anklage wegen Fälschung in der Schweiz bevorsteht. Der mächtige Bach-Unterstützer dominierte als Boss des OlympiaRats von Asien (OCA) neben dem eigenen Erdteil die Wählerwelt Afrikas. An seiner Seite bis zuletzt als OCA-Vizepräsident: Tsunekazu Takeda.