Olympische Spiele:"Überhaupt nicht sicher"

Olympischer Fackellauf beginnt in Fukushima

Schwarzer Freitag: Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga, hier beim Start des olympischen Fackellaufs neben den Maskottchen Miraitowa und Someity, verhängte den "Semi-Notstand" über Osaka und zwei weitere Präfekturen.

(Foto: Kyodo/dpa)

Trotz steigender Infektionszahlen halten die Organisatoren an den Spielen in Tokio fest. Während die japanische Regierung auf ihr Corona-Management vertraut, warnen Fachleute eindringlich.

Von Thomas Hahn

Der Freitag war ein schlechter Tag für Yoshihide Suga, den Premierminister des Olympia-Gastgebers Japan. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, Suga habe wegen der neuen Infektionszahlen eingelenkt und werde den neu eingeführten Status "Semi-Notstand" über Osaka und zwei weitere Präfekturen, Hyogo und Miyagi, verhängen. Die Entscheidung ist das indirekte Eingeständnis Sugas, dass seine Coronavirus-Politik nicht vor einem Anstieg der Infektionszahlen schützt. Erst Anfang März hatte er den Notstand für Osaka und Hyogo aufgehoben. Und nun? 616 neue Fälle in Osaka am Donnerstag, so viele wie seit zwei Monaten nicht mehr. Suga hatte keine Wahl.

Für die Sommerspiele in Tokio in knapp vier Monaten hat das angeblich nichts zu bedeuten. Die japanischen Veranstalter haben zuletzt ja immer gesagt, dass Notstandserklärungen dazu beitragen sollen, Olympia und Paralympics zu sichern. Aber gerade sieht es so aus, als würde Japans Corona-Management nicht greifen. Die Infektionszahlen steigen wieder schneller, die Pandemie flaut nicht ab. Auch die olympische Familie kann das nicht leugnen.

Ein Experte am Keiyu-Krankenhaus in Yokohama plädiert offen für die Absage der Spiele: "Die Risiken sind groß in Japan."

Seit einer Woche läuft die olympische Fackelstaffel unter strengen Hygiene-Auflagen - schon hat Osakas Gouverneur Hirofumi Yoshimura erklärt, die vorgesehenen Etappen in Osaka-Stadt Mitte April könnten wegen der Covid-19-Angst gestrichen werden. Am Freitag meldete das Spiele-Organisationskomitee Tocog, dass der Weltschwimmverband den Weltcup im Wasserspringen, der vom 18. bis 23. April als letzte Olympiaqualifikation in Tokio vorgesehen war, abgesagt habe. Und dieser Tage äußern immer häufiger Fachleute ihre Zweifel. In der Nachrichtenagentur AP plädierte zum Beispiel Norio Sugaya, Experte für Infektionskrankheiten am Keiyu-Krankenhaus in Yokohama, offen für die Spiele-Absage. "Die Risiken sind groß in Japan", sagt Sugaya und nennt das Land "überhaupt nicht sicher".

Im Vergleich zu Europa und Amerika verläuft die Pandemie in Japan relativ milde. Allerdings hat der Inselstaat auch die Einreise ins Land weitestgehend gestoppt, das geht bei den Spielen natürlich nicht. Manche Experten finden den Plan im Grunde nicht schlecht, den Olympia- und Paralympics-Tross mit vielen Zehntausend Aktiven, Funktionären und Medienschaffenden aus aller Welt in einer riesigen Blase von Japans Bevölkerung fernzuhalten. Aber keiner kann sicher sein, dass sich in dieser Blase kein Infektionscluster entwickelt. Und Japans Gesundheitssystem wirkte bisher nicht sehr belastbar. Unbeschwerte Vorfreude auf die Olympia-Eröffnung am 23. Juli schürt das jedenfalls gerade nicht.

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