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Olympia-Sportart Ringen:Zerren und Ziehen seit 1896

Schon bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit gehörte Ringen fest zum Programm - der erste Olympiasieger war ein Deutscher, später sorgte der "Kran von Schifferstadt" für Furore. Nun hat das IOC überraschend das Ende der Sportart bei den Spielen verkündet. Impressionen aus der olympischen Geschichte.

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Olympiad

Quelle: Getty Images

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Schon bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit gehörte Ringen fest zum Programm - der erste Olympiasieger war ein Deutscher, später sorgte der "Kran von Schifferstadt" für Furore. Nun hat das IOC überraschend das Ende der Sportart bei den Spielen verkündet. Impressionen aus der olympischen Geschichte.

Es gibt kaum eine traditionsreichere Olympia-Sportart. Schon in der Antike gehörte Ringen zum olympischen Programm, auch bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 war der Sport gesetzt (zumindest bei den Männern).

1896 ebenfalls unter den neun Sportarten: Leichtathletik, Gewichtheben, Fechten, Radsport, Schießen, Schwimmen, Tennis, Turnen.

Olympians

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Eine über all die Jahre bestimmende Ringernation gibt es nicht (das Bild von 1908 zeigt Olympiasieger aus den USA und Großbritannien). Lange dominierten die Sowjetunion und die USA, doch auch Skandinavier sowie frühere Ostblockstaaten stellten erfolgreiche Teilnehmer. Erfolgreichste Nation bei Olympischen Spielen ist die Sowjetunion (68 Gold) vor den USA (53) sowie Schweden, Japan und der Türkei (je 26). 

Der erste Olympiasieger von 1896 war übrigens ein Deutscher: Karl Schuhmann, gestartet für das Deutsche Kaiserreich, holte vier Siege, unter anderem im Ringen. Das Überraschende dabei: Schuhmann war nur knapp über 1,60 Meter groß. Eine Unterteilung in Gewichtsklassen gab es im Ringen damals noch nicht.

Outdoor Wrestling

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Gerungen wurde in der Antike zunächst nackt. Erst später kam Kampfbekleidung dazu (Bild von 1910). Im Gegensatz zu heute gab es auch keinen Bodenkampf. Unterschieden wird heute zwischen zwei Stilarten: Freistil, wobei der gesamte Körper als Angriffsfläche gilt. Und Griechisch-Römisch, wobei der Körper nur oberhalb der Gürtellinie angegriffen werden darf.

Olympic Wrestling

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Stets gehörte Ringen zu den wichtigsten und lange auch spektakulärsten olympischen Sportarten. Das Foto aus dem Jahr 1948 zeigt den Türken Nasuh Akar, wie er seinen Schweizer Gegner Wenger zu Fall bringt. Akar trat im Bantamgewicht (bis 57 Kilo) an - und wurde Olympiasieger.

Der Kran von Schifferstadt

Quelle: dpa

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Das berühmteste Bild deutscher Ringergeschichte ereignete sich bei den Olympischen Spielen 1972 in München: Wilfried Dietrich kämpfte gegen den Amerikaner Chris Taylor, zweite Runde im Superschwergewicht, griechisch-römischer Stil. Im Vergleich zu dem Vier-Zentner-Mann Taylor wirkte Dietrich geradezu schmächtig. Doch Dietrich bewies, dass er nicht umsonst der "Kran von Schifferstadt" genannt wurde. Der Kampf war erst wenige Sekunden alt, da fasste er seinen Gegner an der Taille und hob ihn in die Luft, der Deutsche ließ sich nach hinten fallen - und stürzte den Koloss über seinen Kopf auf die Schultern. Wilfried Dietrich gewann in München keine Medaille, aber das Bild dieses Untergriff-Wurfs ist zur Ikone geworden.

Olympia Turin - Olympische Ringe mit Schnee bedeckt

Quelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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Bei den Sommerspielen 1984 in Los Angeles schaffte der Deutsche Pasquale Passarelli seinen größten Triumph. Im Finale besiegte er nach hartem Kampf den Japaner Masaki Eto und wurde Olympiasieger, später wurde er als "Ringer des Jahres" ausgezeichnet und sogar mit dem "Silbernen Lorbeerblatt" gewürdigt.

"Das Ringen ist zwar in letzter Zeit schlechter geworden, auch durch die Regeländerungen", sagt Passarelli heute: "Aber ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Ich dachte, die Sportart kann sich noch erholen."

RONNINGEN NORWAY WRESTLING GOLD

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Auch Norweger gehörten zwischenzeitlich zur internationalen Elite. Hier besiegt Jon Ronningen (blaues Trikot) den Japaner Atsuji Miyahara. Ronningen holte 1988 und 1992 den Olympia-Titel im Fliegengewicht.

Terrence Parker and Chris Campbell

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Eindrucksvolles Bild: Hier sieht der Amerikaner Chris Campbell bereits besiegt aus, doch er kann sich aus der kräftigen Umklammerung seines Gegners Terrence Parker aus Neuseeland befreien. Das Foto entstand bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Campbell gewinnt später Bronze im Halbschwergewicht.

FILE PHOTO OF GERMAN WRESTLER ALEXANDER LEIPOLD IN SYDNEY OLYMPIC WRESTLING

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Einen vermeintlich großen deutschen Erfolg feierte Alexander Leipold (blaues Trikot), hier im Kampf mit dem Amerikaner Brandon Slay in der Klasse bis 76 Kilogramm. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann Leipold zunächst Gold, musste die Medaille nach einem umstrittenen Dopingurteil allerdings wieder abgegeben.

Zur Verbannung seiner Sportart aus dem Olympischen Programm sagt Leipold heute: "Ich bin geschockt, ich kann es gar nicht glauben. Ich dachte erst, das ist ein vorzeitiger Aprilscherz oder eine Zeitungsente. Immerhin reden wir hier von der traditionsreichsten Sportart der olympischen Geschichte." 

Colombia's Jackeline Renteria Castillo celebrates after defeating Ukraine's Tetyana Lazareva for the bronze medal of the Women's 55Kg Freestyle wrestling at the ExCel venue during the London 2012 Olympic Games

Quelle: REUTERS

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Eine der besten Frauen ist aktuell die Kolumbianerin Jackeline Renteria Castillo, die bei den Sommerspielen in London Bronze in der Klasse bis 55 Kilo gewann. Ringen ist bei den Frauen erst seit 2004 olympisch.

BESTPIX Olympics Day 10 - Wrestling

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Ihren bislang letzten Auftritt hatten die Ringer bei den Sommerspielen in London. Hier besiegt der Iraner Omid Haji Noroozi den Georgier Revaz Lashkhi im Federgewicht - wenig später darf sich Noroozi als neuer Olympiasieger feiern lassen.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro geht Ringen als Sportart vorerst letztmalig an den Start. 2020 findet die Sommerspiele dann ohne die traditionsreiche Sportart statt.

© Süddeutsche.de/ebc/jbe
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