Olympia:Ludwig und Kozuch siegen im Thriller gegen Brasilien

Beach Volleyball - Women - Round of 16 - Germany (Ludwig/Kozuch) v Brazil (Agatha/Duda)

Laura Ludwig (hinten) und Margareta Kozuch feiern ihren Sieg im Achtelfinale.

(Foto: Pilar Olivares/Reuters)

Weitspringerin Malaika Mihambo springt ins Finale - auch Gesa Krause zieht souverän in den Endlauf über 3000 Meter Hindernis ein. Turnerin Elisabeth Seitz verpasst eine Medaille. Meldungen aus Tokio.

Laura Ludwig und Margareta Kozuch sind bei den Olympischen Spielen nach einem bemerkenswerten Sieg gegen das brasilianische Top-Duo Agatha/Duda ins Viertelfinale eingezogen. Die Beachvolleyball-Olympiasiegerin und ihre Partnerin gewannen am Sonntag in Tokio 2:1 (21:19, 19:21, 16:14). Sie kämpfen nun gegen das US-Duo April Ross/Alix Klineman um den Einzug ins Halbfinale. Die Amerikanerinnen gewannen am Montag ihr Achtelfinale gegen Lidianny Echevarria Benitez/Leila Consuelo Martinez Ortega aus Kuba mit 2:0 (21:17, 21:15).

Es entwickelte sich ein Spiel ohne Anlauf und auf hohem Niveau. Beim 15:12 erarbeitete sich das deutsche Duo bei zunächst schwierigem Sonnenstand schließlich den ersten Drei-Punkte-Vorsprung. Die dritte Gelegenheit nutzte Ludwig nach einer taktischen Auszeit zum Satzgewinn. Als der Platz im zweiten Satz komplett im Schatten lag, zogen Agatha/Duda beim 8:4 auf vier Zähler davon und Ludwig/Kozuch reagierten mit einer weiteren Auszeit. Der Vorsprung wuchs auf fünf Punkte, ehe die 35 Jahre alte Ludwig wieder und wieder ihre Weltklasse in der Abwehr demonstrierte. Beim 15:15 gelang Kozuch mit einem Block der Ausgleich, beim 17:16 ging Deutschland in Führung.

Doch die Brasilianerinnen kamen zurück und holten sich den Satzausgleich. Mit etwas Pech gerieten Ludwig/Kozuch im entscheidenden Satz in einen 2:5-Rückstand, der Druck war nun offensichtlich. Wieder war es die außergewöhnliche Klasse Ludwigs, die das deutsche Team im Spiel hielt und ein Block Kozuchs, der beim 7:7 zum Ausgleich führte. Beim 13:13 gab es eine Auszeit Brasiliens - beim 16:14 dann nach einem abgewehrten Matchball den lauten Jubel des deutschen Damen-Teams Kozuch/Ludwig. Ein Block Kozuchs brachte den entscheidenden Punkt.

Leichtathletik: Mihambo im Finale

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo ist ins Finale eingezogen. Die 27 Jahre alte Heidelbergerin kam am Sonntagmorgen in der Qualifikation von Tokio im letzten Versuch auf die Saisonbestleistung von 6,98 m und überbot damit die für den direkten Einzug ins Finale nötigen 6,75 deutlich. Als insgesamt Zweitbeste hinter der Serbin Ivana Spanovic (7,00) und vor London-Olympiasiegerin Brittney Reese aus den USA zog Deutschlands Sportlerin des Jahres in die Entscheidung der besten zwölf am Dienstag (3.50 Uhr MESZ) ein.

Bei 39 Grad Hitze im Olympiastadion hatte Mihambo zuvor mit 6,64 und 6,56 m zwei schwache Sprünge gezeigt. Die deutsche Vizemeisterin Maryse Luzolo (Königstein) schied mit 6,54 m aus. Bei ihrem WM-Triumph 2019 in Doha hatte Mihambo schon im ersten Durchgang der Qualifikation 6,98 m erreicht und sich danach mit grandiosen 7,30 m den Titel geholt. In der Olympiasaison kam Mihambo nur schwer in Fahrt, hatte Probleme mit dem Anlauf und knackte erst Anfang Juli in Stockholm die Sieben-Meter-Marke (7,02) - allerdings bei zu starkem Rückenwind. Ihre reguläre Saisonbestmarke stand bei 6,92.

Europameisterin Gesa Felicitas Krause ist ohne Probleme ins Finale der Olympischen Spiele von Tokio über 3000 Meter Hindernis eingezogen. Zwei Tage vor ihrem 29. Geburtstag kam Krause in ihrem Vorlauf auf Platz zwei und erreichte damit sicher die Entscheidung am Mittwoch (13 Uhr MESZ). Bei bereits am Morgen 38 Grad kam Krause in 9:19,62 Minuten hinter der früheren Vizeweltmeisterin Courtney Frerichs aus den USA (9:19,34) und vor Kenias Weltmeisterin Beatrice Chepkoech (9:19,62) ins Ziel, sie machte dabei einen starken Eindruck. Die zweimalige WM-Dritte Krause war bei Olympia 2016 in Rio mit deutschem Rekord (9:18,41) auf Platz sechs gekommen. Mittlerweile hat sie die nationale Bestmarke auf 9:03,30 Minuten gedrückt.

Ausgeschieden sind in Tokio die frühere deutsche Meisterin Elena Burkard (LG Nordschwarzwald) als Sechste ihres Vorlaufs (9:30,64) sowie die deutsche Vizemeisterin Lea Meyer (Lönigen) als Siebte (9:33,00). Schnellste der Vorläufe war Winfred Yavi aus Bahrain (9:10,80). Ihre Landsfrau Ruth Jebet, die 2016 in Rio Gold gewonnen hatte, ist wegen Dopings gesperrt.

Die deutsche Kugelstoß-Meisterin Sara Gambetta hat sich in ihrem ersten olympischen Finale teuer verkauft und mit persönlicher Bestleistung den achten Platz belegt. Beim Sieg der chinesischen Weltmeisterin Gong Lijiao steigerte die 28-Jährige aus Halle/Saale ihren Hausrekord um zwei Zentimeter auf 18,88 Meter. In den Medaillenkampf konnte sie damit aber nicht eingreifen. Gong, die einst von der deutschen Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss und deren Coach Dieter Kollark trainiert wurde, setzte sich mit starken 20,53 m deutlich vor der Amerikanerin Raven Saunders (19,79) durch. Als Dritte (19,62) holte Peking- und London-Olympiasiegerin Valerie Adams aus Neuseeland zwei Monate vor ihrem 37. Geburtstag ihre vierte Medaille bei Sommerspielen. Ex-Weltmeisterin Christina Schwanitz war bei ihren letzten Olympischen Spielen bereits am Freitag als 14. der Qualifikation (18,08) ausgeschieden.

Weitere Meldungen aus Tokio

Turnen: Kunstturnerin Elisabeth Seitz (27) hat bei den Olympischen Spielen in Tokio eine Medaille am Stufenbarren knapp verpasst. Die deutsche Rekordmeisterin landete an ihrem Paradegerät mit 14,400 Punkten auf dem fünften Platz. Gold sicherte sich in Abwesenheit von US-Superstar Simone Biles die zweimalige Weltmeisterin Nina Derwael (Belgien). Silber ging an Anastasija Iliankowa (ROC), Mehrkampf-Olympiasiegerin Sunisa Lee (USA) gewann Bronze. Bei den Sommerspielen 2012 in London hatte Seitz am Stufenbarren den sechsten Platz belegt, vor fünf Jahren landete die WM-Dritte von 2018 in Rio auf Rang vier.

Schwimmen: Caeleb Dressel hat sich mit fünf Goldmedaillen zum Schwimmkönig der Olympischen Spielen in Tokio gekrönt. Der 13-malige Weltmeister siegte zum Abschluss im Finale über 50 Meter Freistil in 21,07 Sekunden vor Florent Manaudou (Frankreich) und Bruno Fratus (Brasilien). Dann verhalf der 24-Jährige aus Florida der amerikanischen Lagenstaffel zu Gold in der Weltrekordzeit von 3:26,78 Minuten. Dressel hatte zuvor bereits über 100 m Freistil und 100 m Schmetterling sowie mit der 4x100-m-Freistilstaffel der Amerikaner triumphiert. Fünfmal Gold hatte vor fünf Jahren in Rio de Janeiro auch Rekord-Olympiasieger Michael Phelps bei seinem Abschied gewonnen, mit dem Dressel immer häufiger verglichen wird. Im Schatten des Superstars hatte er 2016 schon zweimal Staffel-Gold gewonnen.

Sieben Medaillen gewann in Tokio Emma McKeon: Die Australierin holte sich am letzten Tag im Frauenfinale über 50 m und mit der Lagenstaffel ihr drittes und viertes Gold, zudem sammelte sie dreimal Bronze. Schon in Rio hatte sie viermal Edelmetall gewonnen. In 23,81 Sekunden siegte McKeon vor der schwedischen Weltrekordlerin Sarah Sjöström und Rio-Olympiasiegerin Pernille Blume (Dänemark). Das Quartett mit Kaylee McKeown, Chelsea Hodges und Cate Campbell distanzierte die USA um 13 Hundertstelsekunden.

Tokio 2020 - Schwimmen

Caeleb Dressel aus den USA jubelt über Gold.

(Foto: Oliver Weiken/dpa)

Reiten: Das deutsche Vielseitigkeits-Team hat nach dem Geländeritt bei den Olympischen Spielen in Tokio Protest eingelegt. Das bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung am Sonntag. Grund ist demnach das Auslösen eines Sicherheitssystems beim Ritt von Michael Jung aus Horb mit Chipmunk. Jung habe das Hindernis "ganz normal touchiert", sagte Bundestrainer Hans Melzer. Das Auslösen des Sicherheitssystems wurde mit elf Strafpunkten bestraft. Im Einzel fiel Jung dadurch vor dem abschließenden Springen am Montag (10 Uhr) von Platz eins auf zehn zurück. Das deutsche Team rutschte von Rang zwei auf sechs.

Segeln: Lasersegler Philipp Buhl hat auch bei seinen zweiten Spielen eine Medaille knapp verpasst. Der 31 Jahre alte Weltmeister aus Sonthofen belegte nach einem dritten Rang im Medaillenrennen Platz fünf in der Gesamtabrechnung. Der Australier Matt Wearn holte Gold vor Tonci Stipanovic aus Kroatien und dem Norweger Hermann Tomasgaard. Buhl war als Fünfter mit einigem Rückstand ins Finale vor Enoshima am Sonntag gegangen. 2016 vor Rio hatten sich seine Erwartungen als 14. nicht erfüllt, nun war der Sportsoldat deutlich näher dran an Edelmetall - für die erste Medaille des Deutschen Segler-Verbands (DSV) im Rahmen der Spiele von Tokio reichte es noch nicht.

Doch die Chancen stehen gut, dass sich dies am Montag ändert. Tina Lutz und Susann Beucke gehen mit Goldchancen ins Medaillenrennen im 49erFX. Auch Erik Heil und Thomas Plößel, im 49er vor fünf Jahren zu Bronze gesegelt, hoffen auf ihre zweite Medaille. Und im Nacra17 sind Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer klar auf Bronzekurs.

Turnen: Simone Biles verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf ein weiteres Finale. Wie der US-Turnverband am Sonntag mitteilte, wird die 24-Jährige auch am Montag nicht zur Entscheidung am Boden antreten. Zuvor hatte die viermalige Olympiasiegerin von Rio de Janeiro 2016 bereits ihre Teilnahme an den Finals im Mehrkampf, am Stufenbarren und am Sprung abgesagt sowie das Mannschaftsfinale nach nur einem Gerät abgebrochen. Ob Simone Biles am Dienstag am Abschlusstag der Turn-Wettbewerbe zum Finale am Schwebebalken antritt, ließ der Verband offen. Eine Entscheidung werde später getroffen, hieß es. "Egal wie, wir stehen hinter Dir, Simone", schrieb der Verband auf Twitter.

Fechten: Die deutschen Fechter sind bei den Olympischen Spielen erneut leer ausgegangen. Die Florett-Männer um Peking-Olympiasieger Benjamin Kleibrink (Düsseldorf) unterlagen im Viertelfinale des Teamwettbewerbs den USA 36:45 und verpassten damit die letzte Chance auf eine deutsche Fecht-Medaille in Tokio. Nach einem souveränen Auftaktsieg gegen Kanada (45:31) starteten die EM-Zweiten von 2019 vielversprechend in das Gefecht gegen den Weltmeister. Kleibrink, der viermalige Weltmeister Peter Joppich (Koblenz) und Andre Sanita (Bonn) schwächelten jedoch in der entscheidenden Phase und verloren die letzten fünf Duelle.

Wie schon vor fünf Jahren in Rio, als das deutsche Fechten erstmals seit den Spielen 1972 in München ohne Podestplatzierung geblieben war, muss das Team des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) die Heimreise ohne Medaille antreten. Die Säbel-Männer um Max Hartung scheiterten im Team knapp und im Einzel deutlicher, Florettfechterin Leonie Ebert zahlte bei ihrem Olympiadebüt Lehrgeld. Im Einzel war keiner der Florett-Männer über das Achtelfinale hinausgekommen. Kleibrink und Joppich hatten im Team bei den Sommerspielen in London 2012 die Bronzemedaille gewonnen.

© SZ/sid/dpa/schm
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