Das Internationale Olympische Komitee (IOC) öffnet Athletinnen und Athleten aus Russland den Weg zur Rückkehr in den Weltsport. Die bisher geltenden Beschränkungen für die Teilnahme von Russen an internationalen Wettbewerben seien auch im Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles außer Kraft gesetzt, entschied die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sagte, dieser Schritt sei „angesichts unserer neuen strategischen Ausrichtung nur logisch.“ Bei der IOC-Vollversammlung Ende Juni hatte die Organisation ihre Position zur Neutralität im Sport gestärkt. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir sicherstellen wollen, dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ohne für die Handlungen ihrer Regierung zur Rechenschaft gezogen zu werden“, so Coventry am Dienstag. Zugleich habe das IOC „unmissverständlich klargestellt, dass wir keinerlei Gewalt oder Kriegshandlungen weltweit gutheißen. Und an dieser Haltung werden wir festhalten.“
Russland begrüßte die Entscheidung. „Das IOC sendet ein klares Signal: Die olympische Bewegung muss frei von Politik bleiben“, erklärte der russische Sportminister Michail Degtjarjow auf Telegram.
Ob die russischen Athleten und Teams bei den Sommerspielen in Los Angeles auch wieder mit eigener Flagge und Hymne starten dürfen, solle erst zu einem späteren Zeitpunkt beurteilt werden, hieß es vom IOC. Klar ist bereits, dass russische Athleten verschärfte Anforderungen im Anti-Doping-Kampf erfüllen müssen: Jeder Sportler muss sich mehreren Tests unterziehen, bevor er wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf.
Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vor mehr als vier Jahren hatte das IOC sowohl russische als auch belarussische Sportler mit Sanktionen belegt. Belarus unterstützt Russland im Krieg gegen die Ukraine. An den Olympischen Spielen in Paris 2024 und den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo in diesem Jahr durften nur Einzelsportler beider Nationen als neutrale Athleten teilnehmen. Die Rückkehr für belarussische Athleten hatte das IOC bereits vor einigen Wochen erleichtert.
Auch die Sperre des Russischen Olympischen Komitees (ROC) wurde am Dienstag vorläufig aufgehoben, da laut IOC die juristische Grundlage entfallen sei. Die Sanktionen gegen Russland hatte das IOC ursprünglich damit begründet, dass das ROC gegen die Olympische Charta verstoßen habe, weil es die vier annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja aufgenommen hatte. Inzwischen jedoch zähle das ROC keine „regionalen Sportorganisationen“ mehr zu ihren Mitgliedern, „die unter die Zuständigkeit“ des Ukrainischen Olympischen Komitees fallen, so das IOC in einer Mitteilung.


